Visualisieren

Durch Vorstellung zu einem besseren Ergebnis kommen
Durch Vorstellung zu einem besseren Ergebnis kommen ©VOL.AT/Hartinger
Es hat sich gezeigt, dass Sportler, die sich im Geiste immer wieder gewinnen sehen, auch dann im Wettkampf die erfolgreicheren sind. Es ist also möglich durch Vorstellung zu einem besseren Ergebnis zu kommen.
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Wer kennt sie nicht, die Bilder von Schifahrern vor einem Rennen!? Auf ihre Stöcke gestützt, tief konzentriert und wild mit den Armen fuchtelnd. Vor ihrem geistigen Auge fahren sie den Kurs ab, den sie sich davor eingeprägt haben. Die optimale Linie, speziell in anspruchsvollen Passagen. So vorbereitet, kann im Rennen, dann vieles automatisch ablaufen. Die Strecke ist vertraut und die Schlüsselpassagen haben, durch die erfolgreiche Bewältigung im Geiste, an Schrecken verloren. Darüber hinaus gelingt es den Athleten, durch die Visualisierung, sich in einen optimalen Vorstartzustand zu versetzen – im richtigen Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung.

Aber nicht nur zur direkten Wettkampfvorbereitung findet Visualisierung im Spitzensport breite Anwendung. Auch im Techniktraining hat sie seit jeher ihren festen Platz. So geht ein Turner, beispielsweise, im Geiste immer wieder den perfekten Sprung, oder eine neue Technik durch, bevor er sie in der Realität ausführt. Eine Tennisspielerin visualisiert ihre perfekte Vorhand.

Visualisierung ist jedoch keinesfalls nur auf technische Sportarten begrenzt. Auch als Läufer kann man davon in vieler Hinsicht profitieren. Es hat sich nämlich gezeigt, dass Sportler, die sich im Geiste immer wieder gewinnen sehen, auch dann im Wettkampf die erfolgreicheren sind. Es ist also möglich durch Vorstellung zu einem besseren Ergebnis zu kommen.

Lange Zeit haben sich Forschung und vor allem die Empfehlungen vieler Mentaltrainer hauptsächlich mit positiver Suggestion beschäftigt. Es hat sicher seine Berechtigung sich vorzustellen, wie man mühelos und leicht dahin läuft und seine beste Leistung abruft. Wenn Sie jedoch nur mit diesem Gedanken in einen Wettkampf gehen, werden Sie unweigerlich an eine Grenze stoßen. Ein Wettkampf ist nämlich nicht immer leicht und die Anstrengung die man dabei empfindet, kann währenddessen geradezu quälend sein. Dafür ist dann das Glücksgefühl, wenn man im Ziel ist und weiß, dass man Alles gegeben hat, umso größer. Gerade für leistungsorientierte Läufer ist es daher wichtig, sich auch im Training mit der Belastung des Wettkampfes auseinander zu setzen. Dies gilt genauso im mentalen Bereich. Derjenige, der im Wettkampf bereit ist mehr an seine Grenzen zu gehen und sich zu quälen, wird auch die besseren Resultate erzielen. Befassen Sie sich, wenn sie mit einem ambitionierten Ziel in ein Rennen gehen, daher schon im Vorfeld damit, auf welche Schwierigkeiten und auf welche Anstrengung Sie treffen werden. So sind Sie dann, in diesen Situationen, vorbereitet und mental nicht überfordert, wenn Ihre Beine schwer werden, die Muskeln brennen und Sie kaum genügend Luft in Ihre Lungen bringen können. Die Befriedigung im Ziel wird dafür umso größer sein, wenn man sein Ziel erreicht und sich selbst überwunden hat.

Sehr wichtig ist es uns aber, an dieser Stelle, auch darauf hinzuweisen, dass man hier unbedingt zwischen dem Schmerz der Anstrengung eines Wettkampfes und dem Schmerz einer Verletzung unterscheiden muss. Im Falle eines plötzlichen Schmerzes, der einen zwingt den Bewegungsablauf, im Sinne einer Schonhaltung, zu verändern, oder gar stehen zu bleiben, sollte man auch den Mut haben ein Rennen aufzugeben. Andernfalls kann man seiner Gesundheit auch gehörig schaden. Diese ist nämlich immer noch das höchste Gut. Der nächste Wettkampf kommt dagegen bestimmt.

Weil die Gesundheit immer über allem steht, sollte man sich in jedem Fall auch zu Beginn der Vorbereitung auf einen Wettkampf, medizinisch durchchecken lassen und nur gesund an den Start gehen.

Wie können aber nun, ganz konkret, solche Visualisierungstrainings aussehen!?

In der Vorbereitung auf einen Wettkampf ist es, beispielsweise, eine gute Strategie sich zuerst die Strecke anzusehen. Wenn möglich laufen Sie diese, oder Teile davon ab. Ansonsten nehmen Sie den Streckenplan zur Hand. Stellen Sie sich dann vor, wie Sie sich an einzelnen Punkten, oder Abschnitten des Kurses fühlen werden. Was spüren Sie? Was sehen Sie? Was hören Sie? Was riechen Sie? Wie fühlen sich Teile Ihres Körpers an? Was sind mögliche Probleme? Wie werden Sie damit umgehen? Und so weiter. Je detaillierter desto besser. Beginnen Sie damit, wie Sie zum Wettkampf kommen und sich aufwärmen. Enden Sie damit, wie Sie erfolgreich ins Ziel einlaufen. Dazwischen nehmen Sie einzelne entscheidende Punkte und Situationen heraus, sodass Sie insgesamt auf etwa 10-15min Visualisierung kommen. Am besten ist Sie schreiben sich diese kleine Geschichte zu Ihrem Wettkampf auf, oder sprechen Sie auf Band. So können Sie sie immer weiter verfeinern. Machen Sie 3-4 solcher Visualisierungstrainings in der Woche und behandeln Sie diese Einheiten wie ein körperliches Training. Notieren Sie sie also auch in Ihrem Trainingstagebuch.

Genau wie das physische Training nicht über Nacht wirkt und es Zeit braucht um große Ziele zu erreichen, so wird man auch mit mentalem Training nur bei konsequenter Übung optimale Resultate erzielen. Wenn man allerdings ein bisschen Mühe und Zeit, auch in den Kopf und nicht nur in die Beine, investiert, kann dies ein entscheidender Baustein dazu sein, der beste Läufer zu werden der man sein kann.

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