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Vierfachmord von Annecy: Verdächtiger bei London festgenommen

Der Wohnwagen, in dem sich vor zehn Monaten das Drama von Annecy abspielte.
Der Wohnwagen, in dem sich vor zehn Monaten das Drama von Annecy abspielte. ©AP
Fast zehn Monate nach dem mysteriösen Vierfachmord von Annecy hat es eine erste Festnahme gegeben: Die britische Polizei nahm in Surrey bei London einen 54-jährigen Mann fest, wie die Ermittler am Montag mitteilten.
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Nach Angaben der französischen Justiz handelt es sich um den Bruder von Saad al-Hilli, der zusammen mit seiner Ehefrau, deren Mutter und einem französischen Radfahrer in Ostfrankreich erschossen worden war.

Töchter überlebten die Bluttat

Die Ermittler in Frankreich und Großbritannien tappten in dem mysteriösen Fall monatelang im Dunkeln: Mit Kopfschüssen waren der aus dem Irak stammende Brite Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal, deren Mutter und der Radfahrer am 5. September auf einem Waldparkplatz bei Annecy regelrecht hingerichtet worden.

Die beiden Töchter der Al-Hillis überlebten wie durch ein Wunder: Die damals siebenjährige Zainab wurde durch Schläge auf den Kopf und einen Schuss schwer verletzt; die vierjährige Zeena überlebte unverletzt – sie wurde erst acht Stunden später in dem Auto der Familie entdeckt, weil sie sich unter der Leiche ihrer Mutter versteckt hatte. Die Al-Hillis machten in der Region Urlaub.

Polizei stand vor einem Rätsel

Trotz Großfahndung und unzähliger Zeugenbefragungen konnten die Ermittler auch nach Monaten noch keinen Tatverdächtigen ausmachen. Sie gingen zwar davon aus, dass die Al-Hillis das eigentliche Ziel des Angriffs waren und der Radfahrer, der für eine Nuklearfirma in Frankreich arbeitete, nur “zur falschen Zeit am falschen Ort” war. Doch der anfängliche Verdacht gegen den heute 54-jährigen Bruder Zaid al-Hilli wegen Erbstreitigkeiten mit Saad al-Hilli konnte zunächst nicht erhärtet werden.

Mögliches Motiv: Familienerbschaft

Die britische Polizei teilte nun mit, der Bruder sei wegen des Verdachts “der Beteiligung an einem Mordkomplott” festgenommen worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, bestätigte Durchsuchungen in dessen britischen Wohnsitz sowie in dem Golfplatz, dessen Geschäftsführer er ist. Es gebe “ausreichend Belastungsmaterial” für ein Verhör im Polizeigewahrsam. Zaid al-Hilli solle unter anderem nach der Familienerbschaft befragt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der Staatsanwalt auf auffällige Telefonate des Bruders mit Teilnehmern in Rumänien verwiesen.

Zaid al-Hilli war bereits kurz nach dem Vierfachmord verhört worden. Er erschien damals sogar freiwillig bei der britischen Polizei, um seine Unschuld zu beteuern. Ende März wurde er erneut befragt. Angehörige der Familie warfen den Ermittlern jedoch vor, sich einseitig auf die Spur der Familie zu konzentrieren. Sicher ist, dass der 2011 in Spanien verstorbene Vater der Brüder Al-Hilli auf einem Schweizer Konto fast eine Million Euro liegen hatte.

Spekulationen über Motiv

Die Ermittler gingen in den vergangenen Monaten aber auch dem Verdacht nach, dass die Morde mit der Arbeit von Saad al-Hilli als Ingenieur im sensiblen Luft- und Raumfahrtsektor zusammenhängen könnten oder mit dessen irakischer Herkunft. In der Presse kamen zahllose Spekulationen auf, die von Geldwäsche für den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein bis zu einer Unterstützung des Iran durch den 50-Jährigen reichten.

Die beiden überlebenden Mädchen konnten der Polizei nicht weiterhelfen: Die Jüngere hatte in ihrem Versteck nichts gesehen, die Ältere, die tagelang im künstlichen Koma lag, konnte sich lediglich an einen “bösen Mann” erinnern. Die Familie Al-Hilli hatte im idyllischen Claygate in der Grafschaft Surrey rund 30 Kilometer südlich von London in einem großzügigen Fachwerkhaus gewohnt.

Ein Amoklauf im schweizerischen Wallis zum Jahreswechsel erregte auch das Interesse der französichen Ermittler, offenbar gab es auf den ersten Blick Parallelen zum Tatverlauf des Vierfachmordes in Annecy. (APA/AFP)

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