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Verdächtiger beging Selbstmord

Der 44-jährige Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, der Natascha Kampusch entführt und acht Jahre lang in seinem Haus in Strasshof festgehalten haben soll, hat Selbstmord begangen.

Das teilte das Generalmajor Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt am Mittwochabend der APA mit. Demnach hat sich der mutmaßliche Entführer an der Schnellbahnstrecke in der Nordbahnstraße in Wien-Leopoldstadt vor einen Zug geworfen, der in Richtung Floridsdorf fuhr. Tatzeit war Lang zufolge 20.59 Uhr.

Täter suchte Hilfe bei Freund

Wolfgang Priklopil hat sich im Zuge seiner Fahndung Hilfe suchend an einen Freund gewandt. Diesen Mann hat er vom Donauzentrum aus angerufen. Priklopil wurde von ihm abgeholt. Der Mann, der Natascha Kampusch entführt hat, sagte seinem Freund, er flüchte vor eine Polizeipatrouille, weil er mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, sagte Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt bei der Pressekonferenz.

Der Freund hat ihn letztendlich bei der Dresdnerstraße in der Brigittenau aussteigen lassen. Deshalb hatte sich die Fahndung laut Zwettler auf den 2. und 20. Bezirk konzentriert.

Um 20.59 Uhr wurde die Polizei von den ÖBB informiert, dass sich ein Mann bei der Nordbahnstraße 56 vor die Schnellbahn geworfen hat. Bei der schwer verstümmelten Leiche wurde ein BMW-Schlüssel gefunden. Dieser passte einwandfrei zu dem sichergestellten Fahrzeug im Donauzentrum. Außerdem hatte der Selbstmörder eine weiße Hose, ein weißes T-Shirt, Adidas-Schuhe und einen braunen Gürtel an. Diese Kleidung wurde von dem Freund eindeutig wiedererkannt. Eine Obduktion und eine DNA-Analyse waren Donnerstagvormittag noch im Gange. „Wir können aber sagen, dass der Selbstmörder Wolfgang Priklopil war“, betonte Zwettler.

Der Entführer wurde bereits im April 1998 von der Polizei befragt. Damals wurden mehr als 1.000 Besitzer von weißen Kastenwagen überprüft. Eine Schulfreundin hatte nämlich ausgesagt, Natascha Kampusch sei in ein solches Fahrzeug gezerrt worden. Priklopil hat bei seiner Überprüfung ausgesagt, dass er den Wagen für Bauarbeiten in Strasshof benötigte. Das klang laut Zwettler plausibel, da der Kastenwagen mit Bauschutt beladen war. Mangels weiterer Hinweise habe es keine Hausdurchsuchung gegeben.

Entführer wurde nachlässig

Ein lockerer Umgang mit dem Entführungsopfer dürfte Wolfgang Priklopil zum Verhängnis geworden sein. „Er war nicht mehr so vorsichtig wie am Anfang“, sagte Generalmajor Nikolaus Koch, der die Ermittlungen leitet. Ob er Natascha Kampusch zum Einkaufen mitgenommen hat, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Sicher ist jedoch, dass er ab Frühling 2006 „offensiver und frecher geworden ist“, sagte Koch.

„In einem Augenblick, der für sie günstig war, ist sie hinausgelaufen. Kurzfristig war sie nicht unter seiner Kontrolle“, schilderte Koch.

Die Ermittlungen sind die ganze Nacht hindurch weitergelaufen. Hauptaugenmerk war das Haus in Strasshof. Die Spurensicherung war auch am Donnerstag vormittag noch im Gange. Dabei wurden die Pässe von Natascha Kampusch und Priklopil gefunden.

„Wir wissen jetzt, wo die Frau untergebracht war, wie groß das Verlies war, wie penibel hier gearbeitet wurde“, erzählte Koch. Das Verlies habe alle nötigen Einbauten wie Toilette und Bad, man könne dort wohnen.

„Wir hoffen, in nächster Zeit noch mehr Beweise zu diesem Fall zu finden“, so Koch. Natascha Kampusch ist weiterhin in polizeilicher Betreuung. „Wir werden mit ihr diesen Kriminalfall Punkt für Punkt aufarbeiten.“ Am Mittwoch sei sie noch nicht ausführlich befragt worden. „Wir haben sie gestern ausruhen lassen“, sagte Koch.

Kampusch sei in guter Verfassung. Sie habe am Donnerstag bereits gefrühstückt. Und sie weiß, dass Priklopil tot ist, sagte Koch. Wie sie auf den Selbstmord ihres Peinigers reagiert hat, konnte der Ermittler nicht sagen. Über das Motiv des Täters und ob sexueller Missbrauch an Natascha Kampusch stattgefunden hat, das ist Gegenstand der Ermittlungen.

Auf die Frage, ob Priklopil Komplizen hatte, sagte Koch, „man kann es weder aus- noch einschließen“. Fest stehe jedoch, dass keine Beziehung zu der Familie von Natascha Kampusch bestanden hat.

Für den Ermittler ein weiterer Hinweis, dass es sich bei dem 18-jährigen Mädchen um die Gesuchte handeln muss, war ein Gespräch mit der Entführten. Nataschas Vater hat den gleichen Nachnamen wie der Kriminalist: „Als ich zu ihr sagte, ’Mein Name ist Koch, ich suche Sie seit vier Jahren’, sagte sie: ’Sie heißen ja auch Koch’.“

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