AA

Verborgene Talente entdecken

Familie Jouma aus Syrien geht’s gut in Lustenau. Adham (18), Arif (49), Aliya (52) und Mohammed (23) erzählen von ihrem neuen Leben.
Familie Jouma aus Syrien geht’s gut in Lustenau. Adham (18), Arif (49), Aliya (52) und Mohammed (23) erzählen von ihrem neuen Leben. ©bvs
 In Lustenau haben syrische Menschen eine neue Heimat gefunden. Durch den Krieg haben sie alles verloren. Kein Grund, hoffnungslos zu sein, finden sie. Drei Familien erzählen, von ihren Schicksalen und wie es ihnen heute geht.
Neuanfang in Lustenau

 

Lustenau Arif Jouma strahlt übers ganze Gesicht. Der 49-jährige kommt nach einem langen Arbeitstag von der Baustelle nach Hause. Sein fröhliches Auftreten ist ansteckend. Glücklich erzählt er von der Arbeit, die er in Wolfurt gefunden hat, seinen Arbeitskollegen und wie dankbar er sei, dass seine Familie und er in Sicherheit seien. Zu Hause in Syrien habe er eine Olivenbaumplantage bewirtschaftet und Olivenöl erfolgreich bis nach Europa exportiert. Von Syrien über den Libanon, nach Griechenland und dann in die restlichen europäischen Länder. „Wir hatten über 20.000 Olivenbäume, zwei Traktoren, zwei Pick up’s. Es ging uns gut. Jetzt ist alles zerstört, die Bäume wurden gerodet und mein gesamtes Hab und Gut ist weg“, sagt er. Für einen kurzen Gedankenmoment ist die Familie wieder zu Hause in Syrien, auf ihrem Hof. Doch Arif fasst sich und erzählt von den Sprachen, die er durch seine Berufserfahrung in fremden Ländern gelernt hat. Neben Kurdisch, Arabisch, Türkisch, Griechisch und Englisch spricht er jetzt auch Deutsch. „Alle meine Kinder können drei bis vier Sprachen“, so Jouma. Dann berichtet er von dem Gespräch mit seinem Chef und dass dieser ihm ab nächsten Monat eine Fixanstellung zugesagt habe.

Vielfalt als Gewinn

Auch Midya Alow (29) kommt aus Syrien und wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern in Lustenau. Sie hat Pädagogik studiert und wäre in Syrien Volksschullehrerin, wenn nicht der Krieg ausgebrochen wäre. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt sie. Ihre Tochter Judi (6) war bei ihrer Ankunft damals ein Jahr, mit dem Sohn Znar (heute 5) war sie schwanger. „Ich habe gleich begonnen Deutsch zu lernen.“ Denn nur wenn man die Sprache des Landes beherrsche, könne man Anschluss zu anderen Menschen finden. Mittlerweile hat sie am WIFI das Sprachlevel B2 erfolgreich absolviert und vergangenen Monat den Führerschein gemacht. „Da die Miete unserer Wohnung sehr hoch ist, muss ich arbeiten“, so Alow. Bis jetzt habe die studierte Bachelor-Pädagogin jedoch nur Absagen erhalten. „Es wäre schön, wenn ich mit meiner Ausbildung in einem Kindergarten oder einer Spielgruppe arbeiten könnte.“ Auch als Assistentin in einer Volksschule könnte sie ihre Fähigkeiten gut einbringen.

Alles stehen und liegen gelassen

Für Mohammad Mohammad (28) waren die ersten drei Jahre fern von seiner Heimat schwierig. Er studierte in Syrien Anästhesie, konnte aber keinen Abschluss machen, da er vom Krieg geflohen ist. „Ich hätte dem Militär beitreten müssen. Das wollte ich keinesfalls. Denn dort hätte ich Menschen töten müssen“, sagt Mohammad. So kam er 2015 nach Lustenau und ein Jahr später durfte seine Frau Lilaf (25) folgen. Gemeinsam haben die gelernte Volksschullehrerin und der Anästhesie-Student zwei kleine Kinder: Ahmad (3) und Royaz (1). „Wir sind dankbar dafür, dass unsere Kinder ohne Krieg aufwachsen. Ich habe einen Job in einem Elektromaschinen-Unternehmen gefunden und ernähre unsere Familie allein.“ Das sei schwierig und bringe ihn oft an seine Grenzen. Denn die Mieten sind hoch und der Schimmel in der Wohnung erschwert gerade für die Kinder die Situation. Er hofft, dass sie bald eine neue Wohnung finden, in der sich die junge Familie wohlfühlen kann und auch seine Frau eine Arbeit findet. Bvs

 

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Lustenau
  • Verborgene Talente entdecken
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen