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Vater kritisiert Psychiater Friedrich

Ludwig Koch, Vater des Entführungsopfers Natascha Kampusch, hat am Montag in einem Interview mit dem italienischen Staatssender RAI 2 offen Kritik an Jugendpsychiater Max Friedrich geübt.

Dieser hat seine Tochter betreut. Das Fernseh-Interview seiner Tochter sei zu früh erfolgt. Unterdessen soll das Anwesen des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklobil in Strasshof punktgenau umgegraben werden.

„Friedrich selber hatte kurz nach der Befreiung behauptet, dass Natascha Zeit zur Erholung brauchte. Ich hätte ihr mehr Zeit vor einem öffentlichen Auftritt gelassen, mindesten einen oder zwei Monate. Sie hätte es sich verdient“, sagte Koch, der im Rahmen der mittäglichen Talk-Show „Piazza Grande“ von Moderator Giancarlo Magalli interviewt wurde.

„Mehrere Psychiater haben mir versichert, es wäre das Beste, wenn Natascha sich bei ihrer Familie erholen würde. Auch die Familie sollte unterstützt werden. Friedrich meint es aber anders und die Situation ist, wie sie ist“, meinte der Mann.

Koch erzählte, dass er am Samstag seine Tochter im Krankenhaus getroffen habe. „Ich habe sie in Anwesenheit eines Betreuers getroffen. Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist. Es wäre sicher gut für meine Tochter, wenn sie frei mit ihrem Vater sprechen könnte. Jetzt ist sie gefangen wie vorher. Die Ärzte entscheiden, wie oft ich sie sehen darf. Friedrich will zu verstehen geben, dass Natascha es so will. Das stimmt aber nicht. Natascha wollte im Krankenhaus ein Bild mit mir machen, Friedrich hat aber nein gesagt“, erklärte Koch.

Unterdessen soll auf dem Anwesen von Kampuschs Entführer in Strasshof punktgenau gegraben werden. Der Sachverständige für Grabungsarbeiten gab am Montag seinen „Befund“ nach der Untersuchung des Grundstücks ab, so dass die Ermittler nun gezielt in die Tiefe gehen können.

 

Friedrich: Reaktion auf Koch-Kritik hat “keinen Sinn”

Jugendpsychiater Max Friedrich wollte sich am Montag nicht direkt zu den Vorwürfen von Natascha Kampuschs Vater im italienischen Fernsehen äußern. „Der Vater redet seit dem Verschwinden Nataschas grundsätzlich kritisch gegen alles und jeden“, sagte Friedrich zur APA. Ein direkter Kommentar auf die Kritik von Ludwig Koch ändere nichts und habe keinen Sinn.

„Es gilt, was Natascha möchte“, betonte der Psychiater gegenüber der APA. Sie sei sozusagen die „Leitschiene“. Kampusch entscheide selbst – das betreffe sowohl ihren Aufenthaltsort als auch ihren Auftritt im Fernsehen. „Sie hat gesagt, wann sie reden will, wir haben sie nicht beeinflusst.“

Im Moment gebe man ihr nur einen Schutz vor der Öffentlichkeit, sagte Friedrich. „Sie ist erwachsen und nicht gefangen.“ Ihr Leben sollten nicht mehr andere bestimmen, sondern sie selbst, wünscht sich ihr Berater. „Wir sind ausschließlich ihr verpflichtet.“

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