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US-Wahl: Schlagabtausch in erster TV-Debatte

In ziemlich hartem Ton ist die erste TV-Debatte zwischen dem republikanischen US-Präsidenten George W. Bush und dem demokratischen Senator John F. Kerry Donnerstag Abend verlaufen.

Die 90 Minuten in der Sporthalle der Universität von Miami waren von kontroversen Stellungnahmen der Präsidentschaftskandidaten zum Irak-Krieg, zu Afghanistan, den Kampf gegen Terrorismus und weiteren außenpolitischen Themen wie die Haltung der USA zum Iran und zu Nordkorea geprägt.

Während Präsident Bush den Irak-Krieg als notwendig im Kampf gegen Bedrohungen der USA verteidigte, kritisierte Kerry das Vorgehen Bushs als „kolossalen Fehler“ und forderte einen „neuen Anfang“ mit starken internationalen Allianzen im Irak. Während Kerry nach Ansicht von ersten Kommentaren in US-Sendern „präsidiabel“ und souverän wirkte, zeigte Bush einige Nervosität und verhaspelte sich manchmal.

Bush verteidigte die Invasion des Irak. Die USA hätten für den Irak-Krieg eine starke Koalition mit vielen Ländern, darunter Großbritannien, Polen und Australien gebildet. Bei einer Wiederaufbaukonferenz in Japan werde finanzielle Unterstützung erwartet. „Wir haben das Richtige im Irak getan“, betonte Bush. Die USA brächten den Irakern Freiheit von Diktator Saddam Hussein und freie Wahlen. Kerry habe in der Irak-Frage immer wieder seine Positionen gewechselt, warf Bush seinem Herausforderer vor. In diesem Krieg dürfe man aber seine Positionen nicht wechseln.

Kerry kritisierte, dass die USA 90 Prozent der Truppen im Irak stellten und mit 90 Prozent der Kosten des Irak-Krieges belastet würden. Der größte Partner der USA, Großbritannien, habe nur etwas mehr als 8.000 Soldaten im Irak eingesetzt. Kerry verwies auf seine eigene Kampf-Erfahrung im Vietnam-Krieg, daher würde er Krieg nur als letztes Mittel einsetzen. El-Kaida-Chef Osama bin Laden nutze den Irak-Krieg, um den USA einen „Angriff auf den Islam“ vorzuwerfen und Hass gegen die USA zu verbreiten. Als Präsident werde er mehr internationale Unterstützung für die USA sammeln und einen „intelligenteren Krieg gegen den Terrorismus“ führen. Den amerikanischen Soldaten im Irak rief Kerry zu: „Hilfe ist unterwegs“.

Die größte Bedrohung für die USA ist nach Ansicht von Kerry die Weiterverbreitung nuklearer Waffen, nach Ansicht von Bush die Weiterverbreitung nuklearer Waffen an Terroristen. Kerry warf Bush eine verfehlte Politik gegenüber Nordkorea und dem Iran vor, und warnte vor der nuklearen Aufrüstung in diesen Ländern, die während Bushs Regierung geschehe. Als Präsident würde Kerry gemeinsam mit internationalen Verbündeten gegen diese Bedrohungen vorgehen. Bush hingegen stellte klar, internationale Zusammenarbeit nur dann zu verfolgen, wenn sie nicht amerikanischen Interessen entgegenstehe. Als Beispiel führte er den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag an, dem die USA nicht beitreten würden weil sonst ausländische Richter über Amerikaner urteilen könnten.

Ein freundlicherer Ton zwischen den beiden Kontrahenten trat nur bei einer Frage des Moderators nach den Charakterzügen des anderen ein. Bush und Kerry tauschten kurz Komplimente über ihre Familien aus. Obwohl dies durch ein Abkommen zwischen den beiden Kandidaten untersagt werden sollte, war während der TV-Übertragungen der Reden eines Kandidaten auf den US-Networks oft der zuhörende andere Kandidat eingeblendet. Während Kerry dem Präsidenten zuhörte und manchmal spöttisch lächelte, war Bush manchmal mit einer nervösen Grimasse zu sehen.

Die 90-minütige Debatte wurde von zweiminütigen Schluss-Erklärungen beider Kandidaten beendet. John F. Kerry versprach als Präsident die USA in der Welt geachteteter und in der Heimat sicherer zu machen. George W. Bush kündigte an, er werde sich weiterhin für die Freiheit einsetzen und den erfolgreichen Weg der USA weitergehen. Die Debatte wurde von Moderator Jim Lehrer von PBS geleitet. Zwei weitere Präsidentschaftsdebatten – am 8. und 13. Oktober – sowie eine Konfrontation von Vizepräsident Dick Cheney und Senator John Edwards werden vor den Wahlen am 2. November noch folgen.

Blitzumfragen: Kerry Sieger

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat John Kerry ist ersten Blitzumfragen zufolge der Sieger des Fernsehduells mit Amtsinhaber George W. Bush. 46 Prozent der Befragten fanden, dass Kerry sich bei der mit Spannung erwarteten Debatte am Donnerstagabend besser geschlagen habe als Bush, wie aus einer Gallup-Umfrage für den Nachrichtensender CNN hervorging. 37 Prozent gefiel der Präsident besser. Der Umfrage zufolge haben 46 Prozent der Befragten nach der ersten Konfrontation der beiden Kontrahenten im Fernsehen eine bessere Meinung von Kerry als vorher; 21 Prozent sagten das über Bush.

Einen ähnlichen Tenor hat eine Umfrage für den Fernsehsender CBS, für den 200 noch unentschlossene Wähler befragt wurden. Danach erklärten 44 Prozent Kerry zum Sieger des Duells, 26 Prozent Bush. Nach einer Befragung für den Sender ABC hatte Kerry für 45 Prozent die Oberhand, für 36 Prozent war es der Präsident.

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