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US-Panzer im Zentrum von Tikrit

Die US-Streitkräfte sind am frühen Montag ins Zentrum der umkämpften irakischen Stadt Tikrit vorgerückt.

Auf dem Hauptplatz in der Innenstadt hätten etwa 20 US-Panzer Position bezogen, berichteten Augenzeugen. US-Bomber hätten in der Nacht massive Angriffe geflogen, die Brücke über den Fluss Tigris sei schwer beschädigt. Vier Kampfhubschrauber der US-Luftwaffe kreisten in geringer Höhe über der Stadt. Im Zentrum Bagdads wurden US-Marines in der Nacht von vermeintlichen Heckenschützen beschossen. Vom irakischen Präsidenten Saddam Hussein fehlte weiter jede Spur. US-Präsident George W. Bush drängte Syrien mit scharfen Worten zur Zusammenarbeit mit den USA.

Bei ihrem Einmarsch in Tikrit stießen die amerikanischen Truppen auf sporadischen Widerstand. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, die Truppen hätten nicht versucht, Tikrit zu besetzen. Die Heimatstadt und Hochburg des entmachteten Staatschefs Saddam Hussein war bisher die letzte große irakische Stadt, die noch nicht von den Koalitionstruppen kontrolliert wurde. Sie gilt als möglicher Zufluchtsort des Saddams. Der irakische Oppositionsführer Ahmed Jalabi sagte dem US-Nachrichtensender CNN, es gebe Hinweise, dass sich Saddam in der Nähe von Tikrit aufhalte.

Einwohner berichteten, dass die Mehrzahl der hunderttausend Bewohner die Stadt bereits verlassen haben. Die irakischen Streitkräfte dürften es ihnen gleich getan haben. CNN zeigte verlassene Panzer und das verwaiste Hauptquartier der bisher regierenden Baath-Partei. Am Sonntagabend waren laut Al Jazeera Verhandlungen zwischen 22 Stammesführern und US-Soldaten über einen Waffenstillstand gescheitert. Die Stammesführer hätten angeboten, ihre Kämpfer würden die Waffen niederlegen, wenn die Amerikaner keine Plünderungen zuließen und keine kurdischen Kämpfer in die 180 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt einmarschieren ließen.

In Bagdad waren in der Umgebung des Hotels Palestine, in dem internationale Journalisten untergebracht sind, Schüsse zu hören. Der Schusswechsel zwischen den Marines und den Heckenschützen dauerte laut CNN rund zwei Stunden. Anschließend seien drei Verdächtige festgenommen worden. Bei einem Schusswechsel in einem Vorort Bagdads seien nach ersten Berichten vier US-Soldaten festgenommen worden.

Die US-Truppen stellten die DNS von Saddam Hussein und anderen irakischen Führern sicher, wie Franks weiter mitteilte. Sie werde nun mit DNS-Proben von Leichen verglichen, die am Ort von Bomben- und Raketenangriffen auf die irakische Führung gefunden worden seien. US-Oberkommandierender Tommy Franks betonte, dass die USA die Vertreter des Regimes „bis zum Ende jagen“ werden.

„Sie (die Syrer) müssen nur mit uns kooperieren“, sagte Bush in Washington. Zu einem militärischen Vorgehen gegen Damaskus wollte er sich nicht äußeren. Er erhob aber den Vorwurf, Syrien sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen. Das Beispiel des Irak zeige, dass „wir es mit der Vernichtung von Massenvernichtungswaffen ernst meinen.“ US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beschuldigte Damaskus, hohe Vertreter der irakischen Führung zu beherbergen. Außerdem würden syrische Kämpfer im Irak gegen US-Truppen eingesetzt. Der stelltvertretende syrische Botschafter in Washington, Imad Mustafa, entgegnete, die US-Regierung betreibe „eine Kampagne der Falschinformation und Irreführung“.

Derweil bestätigte die US-Armee, dass Saddams Halbbruder und Berater, Watban Ibrahim Hassan Tikriti, beim Versuch gefasst worden sei, nach Syrien zu fliehen. Watban steht auf der US-Liste der 55 meist gesuchten irakischen Regierungsvertreter. Allerdings soll sich der ehemalige Innenminister in jüngster Zeit Saddam entfremdet haben. Wie aus US-Regierungskreisen weiter verlautete, stellte sich auch der führende irakische Atomwissenschaftler Jaffar el Jaffar den US-Truppen im Irak. Man erwarte sich von ihm Aufschluss über das irakische Atomprogramm. Zudem wurde bekannt, dass Jemen dem bisherigen irakischen Botschafter in Ägypten, Muhsen Khalil, Asyl angeboten habe.

In Bagdad will das US-Militär im Laufe des Tages seine Bemühungen verstärken, die anhaltenden Plünderungen in den Griff zu bekommen. Man hoffe, dass bald bis zu 3.000 Polizisten wieder im Dienst seien, sagte ein Sprecher. Im südirakischen Nassiriyah ist für Dienstag nach Angaben des US-Außenministeriums ein erstes Treffen zur Bildung einer Übergangsregierung geplant.

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