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Urlaub - auch für pflegende Angehörige

Wenn Angehörige ihre geliebten Mitmenschen zu Hause pflegen, dann sollten auch sie Hilfe annehmen – dafür gibt es mittlerweile verschiedene Angebote.
Wenn Angehörige ihre geliebten Mitmenschen zu Hause pflegen, dann sollten auch sie Hilfe annehmen – dafür gibt es mittlerweile verschiedene Angebote. ©Peter Maszlen - stock.adobe.com
Frau R. befindet sich im Gewissenskonflikt – einerseits spürt sie das tiefe innere Bedürfnis nach einer Pause vom Alltag, andererseits möchte sie ihren kranken Mann nicht allein lassen.

Beinahe zeitgleich mit ihrem Ruhestand ist dieser nämlich an Alzheimer erkrankt; seit über drei Jahren ist Frau R. für die Betreuung zuständig. Die Pflege gestaltet sich immer intensiver und sie fühlt sich zunehmend an ihre Aufgabe und den Gatten gebunden. Daneben gibt es jedoch auch die Sehnsucht nach Urlaub.

Angespanntes Klima

Die Pflege von Angehörigen wird oft als Selbstverständlichkeit und familiäre Pflicht angesehen, die sich daraus ergebenden Belastungen jedoch häufig unterschätzt bzw. aus falschem Schamgefühl heraus verschwiegen. Manchmal sind es Forderungen der Kranken, oder aber auch die Erwartungen an die eigene Person, die unfrei machen und Menschen dazu bringen, gesunde Bedürfnisse hintenanzustellen. Aus Solidarität hält man dann oft gemeinsam still, während das private Klima immer angespannter wird. Der Appell an das Gewissen von Angehörigen kann zum Machtmittel der Kranken werden, um Wünsche und Bestrebungen notfalls mit Nachdruck durchzusetzen. Manchmal ist es auch das Mitleid, das die Pflegenden über die Maßen gefügig hält.

Mitgefühl

Wird die Frustration auf beiden Seiten irgendwann zu groß, hagelt es dann gegenseitig Vorwürfe. Unverständnis für das jeweilige Verhalten seines Gegenübers sowie die eigenen Grenzen der Belastbarkeit werden zur täglichen Herausforderung. Beide Parteien fühlen sich gelegentlich als Opfer, die Krankheit sowie deren Auswirkungen werden zur zentralen, gemeinsamen und lebensbestimmenden Aufgabe. Was in dieser Dynamik wirklich befreit, ist die Grundhaltung des Mitgefühls, sich selbst und dem anderen gegenüber. Hat man realisiert, dass jeder auf seiner eigenen Lebensreise ist und niemand weder Grund für das Leid eines anderen ist, noch es in der persönlichen Macht steht, dieses zu beenden, kann man bewusst Verantwortung für das eigene Schicksal übernehmen. Es ermöglicht weise dort zu unterstützen, wo man unvertretbar ist und sich auch rechtzeitig abzugrenzen, wo Überforderung droht bzw. die Pflege zu sehr auf Kosten der eigenen Lebensqualität geht.

Hilfe annehmen

Es ist legitim und zutiefst menschlich, um Hilfe zu bitten bzw. von professionellen Angeboten Gebrauch zu machen. Ein Sommer-Betreuungs-Plan, in den die erweiterte Familie miteinbezogen wird, hat sich oft als hilfreich erwiesen. Jenen, die weniger Vor-Ort-Hilfe leisten können, steht es offen, durch einen finanziellen Beitrag dafür zu sorgen, dass Leistungen von Fachkräften zugekauft werden oder ein Urlaubsbett in einer Betreuungseinrichtung bezahlbar wird. Auch wenn sich die Akzeptanz für solche Neuerungen anfangs schwierig gestalten kann, so hat jeder Angehörige das Recht auf Urlaub und ist selbst dafür verantwortlich, seine eigenen Bedürfnisse genauso wichtig zu nehmen wie jene des zu Betreuenden.

Und wer weiß, vielleicht bringen andere Menschen auch neue Lebendigkeit in den Alltag der zu Hause Gebliebenen. Mit Sicherheit jedoch tut eine Pause von der gewohnten Routine gut, ermöglicht den Pflegenden Energie zu tanken und den Kranken mit neuer Dankbarkeit auf deren Einsatz während des Jahres zu blicken. Es gibt also beiderseits gute Gründe für die wohlverdiente Auszeit, gerade jetzt in der Urlaubszeit.

Mag. Sabine Fleisch MSc ist Psychologin und Psychotherapeutin – mehr unter www.sabinefleisch.com

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