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Unternehmensinsolvenzen in Vorarlberg auf den tiefsten Stand seit über 20 Jahren

Privatinsolvenzen stabilisieren sich in Vorarlberg auf Vorjahresniveau.
Privatinsolvenzen stabilisieren sich in Vorarlberg auf Vorjahresniveau. ©Symbilbild/Bilderbox
Die Firmenpleiten sind in Vorarlberg gegenüber dem bereits niedrigen Vorjahresniveau um weitere 18 Prozent auf 132 Fälle zurückgegangen. Diese positive Bilanz wird durch einige Großinsolvenzen getrübt. Die Privatinsolvenzen stabilisieren sich auf Vorjahresniveau.

Wie der KSV 1870 berichtet, sind die Firmenpleiten in Vorarlberg gegenüber dem bereits niedrigen Vorjahresniveau um weitere 18 Prozent auf 132 Fälle zurückgegangen. Damit erreichen die Firmeninsolvenzen den niedrigsten Wert seit 1991 – damals sind nur 115 Firmen insolvent geworden. Das aktuelle Insolvenzniveau liegt über die Hälfe unter dem bisherigen Negativrekord, der im Jahr 2010 mit 288 Firmenzusammenbrüchen aufgestellt worden ist.

Diese positive Bilanz werde durch einige Großinsolvenzen getrübt. Die Insolvenzverbindlichkeiten bei diesen Großinsolvenzen betragen zirka 43 Prozent der gesamt Insolvenzverbindlichkeiten in Vorarlberg. Gegenüber dem Vorjahr sind die Schulden der insolventen Unternehmen gleich um 18,6 Prozent auf 48 Mio. Euro zurückgegangen. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ist um 27,6 Prozent auf 531 gestiegen.

KSV 1870
KSV 1870 ©KSV 1870

Die Branchenanalyse zeigt für Vorarlberg einen Mix aus Verlierern und Gewinnern. Die Lebens- und Genussmittelbranche hat von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend im abgelaufenen Jahr um 7 Insolvenzen am stärksten zugelegt, gefolgt vom Gastgewerbe, der Bauwirtschaft und der Transportbranche. Positiv haben sich die unternehmensbezogenen Dienstleister, die Maschinen und Metallbranche sowie die KFZ Branche entwickelt.

KSV 1870
KSV 1870 ©KSV 1870

Wien ist heuer das einzige Bundesland mit einem Anstieg der Firmenpleiten (+ 1,4 Prozent) und liegt auch mit 1.691 Fällen deutlich an der Spitze im Bundesländerranking. Vorarlberg liegt mit 132 Fällen erfreulicherweise an der letzten Stelle im Bundesländervergleich.

Resümee und Ausblick auf das Jahr 2016

In den vergangenen 25 Jahren sind in Vorarlberg in mehreren Insolvenzwellen mit vielen Insolvenzrekorden insgesamt rund 5.100 Betriebe in die Pleite geschlittert (siehe Folie 9 im Anhang zu diesem Kommentar). Vorarlbergs Wirtschaft hat sichtlich aus den Krisen gelernt und zeigt sich in den Jahresstatistiken mit dem seit 2010 anhaltenden Abwärtstrend bei den Firmeninsolvenzen für die kommenden Herausforderungen laut KSV 1870 gut gewappnet.

Angesichts der jetzt schon mehrere Jahre anhaltenden schwachen Konjunktur, der Zurückhaltung bei den Investitionen und dem stagnierenden Konsum der privaten Haushalte sei ein so niedriges Insolvenzniveau keine Selbstverständlichkeit, wie der KSV 1870 betont.

Privatinsolvenzen stabilisieren sich in Vorarlberg auf Vorjahresniveau

411 Privatkonkurse wurden bei den Vorarlberger Bezirksgerichten in diesem Jahr eröffnet. Das sind um 7 Verfahren oder 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Bundesweit haben die Schuldenregulierungsverfahren heuer um 5,7 Prozent zugenommen. Der durchschnittliche Schuldenstand pro Privatkonkurs lag heuer in Vorarlberg bei 119.800 Euro, gegenüber 124.000 Euro im Vorjahr. 64 Prozent der Konkurse betreffen Männer und 36 Prozent Frauen. Bei den Männern ist die Altersgruppe 41 bis 45 Jahre am stärksten betroffen und bei den Frauen sind es die 31 bis 35-jährigen.

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KSV 1870 ©KSV 1870

In 63 Prozent aller Privatkonkurse gelang es den Schuldnern, sich mit den Gläubigern auf einen Zahlungsplan zu einigen. In weiteren 34 Prozent der Fälle läuft ein Abschöpfungsverfahren ebenfalls mit dem Ziel einer Restschuldbefreiung. Der Privatkonkurs, der deshalb auch als Schuldenregulierungsverfahren bezeichnet wird, erweist sich daher für viele hoffnungslos verschuldete Konsumenten als der Rettungsanker aus der Schuldenfalle.

Resümee und Ausblick auf 2016

Der Anstieg der Arbeitslosenquote auf ein Rekordniveau, also der Jobverlust, ist grundsätzlich ein Treiber für die Privatinsolvenzzahlen. Das historisch niedrige Zinsniveau sorge laut KSV für ein Gegengewicht. In diesem Spannungsfeld entwickelt sich die Zahl der Privatinsolvenzen in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich und ergibt für Österreich insgesamt ein Plus von 5,7 Prozent. In Vorarlberg könne man die leichte Steigerung der Privatkonkurszahlen mit einer trotz Steigerungen noch immer vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote in Verbindung bringen. Das besonders niedrige Zinsniveau unterstützt Schuldner, die an der finanziellen Belastungsgrenze agieren, beim Einhalten ihrer Ratenverpflichtungen, motiviere aber auch zum weiteren Schuldenmachen. Hier kann sich schon eine neue Schuldenfalle geöffnet haben, die bei steigenden Zinsen zuschnappen werde. Aber das sollte 2016 noch nicht Realität werden. Im Gegenteil sollte die 2016 in Kraft tretende Steuerreform gerade in den unteren Einkommensschickten, aus denen die meisten Schuldner stammen, zu etwas Entspannung bei drückenden Schulden beitragen. Der KSV erwartet für 2016 wieder nur einen leichten Anstieg bei den Privatinsolvenzen in Vorarlberg.

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