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"Unsere Politik muss lernen, eigene Fehler zuzugeben!"

Altach-Geschäftsführer Christoph Längle auf der Fan-Tribüne der Cashpoint-Arena. Im Gegensatz zu vielen anderen Stadien in Österreich oder in der Schweiz dürfen weiterhin nur 500 Besucher ins Schnabelholz – trotz teurer Investitionen in ein Sicherheitskonzept.
Altach-Geschäftsführer Christoph Längle auf der Fan-Tribüne der Cashpoint-Arena. Im Gegensatz zu vielen anderen Stadien in Österreich oder in der Schweiz dürfen weiterhin nur 500 Besucher ins Schnabelholz – trotz teurer Investitionen in ein Sicherheitskonzept. ©Sams
Im Sonntags-Talk spricht Altach-GF Christoph Längle über Fußball in Zeiten der Pandemie, persönliche Herausforderungen und der Vision eines Clubs für alle Vorarlberger.

Von Joachim Mangard (WANN & WO)

WANN & WO: Wie sieht die aktuelle Situation beim SCR Altach aus

Christoph Längle: Auch mit der aktuellen Ampelschaltung auf Rot ändert sich für uns nicht allzu viel. Aktuell dürfen wir 500 Fans begrüßen, mit permanenter Maskenpflicht, auch am Sitzplatz, und ohne Gastronomie. Im Vergleich zu den anderen Clubs in Österreich bleiben wir in Vorarlberg klar im Nachteil (erst seit heute gilt für die restlichen Bundesliga-Clubs eine Obergrenze von 1500 Besuchern, Anm. der Red.). Und das, obwohl wir ein erstklassiges, ligaweites Sicherheitskonzept umgesetzt haben. Hier kann ich nur mit Unverständnis reagieren. Wir wurden ohne in die Entscheidungen miteingebunden zu werden vor vollendete Tatsachen gestellt.

WANN & WO: Schwingt hier schon Resignation mit?

Christoph Längle: Keinesfalls, vielleicht eher Enttäuschung und Wut. Natürlich verstehen wir als Verein und Arbeitgeber die Sorgen um die Bevölkerung. Ich möchte hier auch nicht jammern oder mit dem Finger auf andere Vereine zeigen. Es geht einfach um Verhältnismäßigkeit und die kurzfristige Art und Weise, wie solche Entscheidungen kommuniziert werden. Planbarkeit ist in so einer Situation ein Fremdwort. Wieso gerade hier in Vorarlberg ein restriktiver Sonderweg beschritten wird, ist mir ein Rätsel. Ich finde es einen übertriebenen Aktionismus an der falschen Stelle. Wir haben bis jetzt alle Vorgaben konsequent eingehalten und werden auch keine rechtlichen Schritte gegen die BH-Bescheide einleiten. Aktuell bestimmen nur Fallzahlen und Inzidenz-Werte die Diskussion und die weitere Vorgehensweise. Bis dato gab es noch keine einzige nachgewiesene Infektion eines Zuschauers auf einem Fußballmatch im österreichischen Profibetrieb. Vielleicht muss unsere Politik lernen, eigene Fehler einzugestehen.

WANN & WO: Wie steht es finanziell um den Verein?

Christoph Längle: Zum ersten Mal seit 2013 bilanzieren wir negativ, 131.200,38 Euro fehlen in der Clubkassa. Wir haben den Schaden trotz der immensen Ausfälle aber in Grenzen gehalten. Bei der BudgetErstellung rechnete man noch mit Einnahmen von durchschnittlich 3000 Zuschauern pro Spiel. Durch das ursprüngliche Sicherheitskonzept kam die Installation von Sitzschalen oder ein zusätzliches VIP-Zelt hinzu. Den Einsatz der Kurzarbeit haben wir im Vergleich zu manch anderen sehr pflichtbewusst so kurz wir möglich gehalten. Bis dato haben wir auch noch keinen Cent aus den zugesicherten Töpfen erhalten. Trotzdem sind wir wirtschaftlich gut aufgestellt. Wir sind auch in Sachen Transfers noch nicht am Ende angelangt. Wenn die Notwendigkeit besteht, haben wir auch hier Handlungsspielraum.

WANN & WO: Wie haben die Fans und Sponsoren auf die „Ticket-Lotterie“ reagiert?

Christoph Längle: An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen Unterstützern bedanken. Gerade im Frühjahr herrschte große Solidarität und unsere Gönner und Fans haben uns die Treue gehalten. Wir verstehen aber jeden einzelnen Dauerkarten-Besitzer, wenn er auf diese Situation ungehalten reagiert oder sein Geld zurückfordert. Zumal in Zeiten wie diesen jeder Euro umgedreht wird. Fußball und Sport haben aber gerade jetzt auch die Funktion, die Menschen zu begeistern und vielleicht eine kleine Auszeit vom schwierigen Alltag zu ermöglichen. Je länger aber Stadionbesuche wegfallen oder es Ausfälle in anderen Bereichen gibt, desto mehr schwindet die Identifikation.

WANN & WO: Stichwort Identifikation: Mit einer ehemaligen Gallionsfigur, in persona Adi Hütter, pflegst du ein freundschaftliches Verhältnis. Wie würdest du den Eintracht-Coach charakterisieren?

Christoph Längle: Adi war und ist ein persönlicher Freud von mir. Uns war damals immer klar, dass sich die Wege einmal trennen können. Seine Entlassung habe ich mitgetragen und damals auch so kommuniziert. Man kann vor ihm und seiner Arbeit in Frankfurt nur den höchsten Respekt zollen. Trotz seines großen Erfolges ist er stets am Boden geblieben und derselbe Adi von damals. Adi Hütter ist definitiv ein Freund fürs Leben.
WANN & WO: Altach als visionärer Verein – wie geht ihr in die Zukunft?
Christoph Längle: Unser Verein und unsere Marke leben von einem positiven, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Konzept. Wir wollen der Verein für Vorarlberg werden. Einerseits wollen wir unsere sportliche Stellung als bester Profi-Fußballclub im Land zementieren. Andererseits zielt unser Konzept auf eine gesamtheitliche Infrastruktur für die Region ab. Unser Standort für eine „Vorarlberg Arena“ ist ideal, zumal wir mit dem Nachwuchszentrum, der Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen wie dem FC Dornbirn oder der Akademie, den Trainingsplätzen, der verkehrstechnischen Anbindung, uvm. Faktoren aufweisen, die unsere Vision untermauern. Und die zielt auf mehr als drei bis vier Jahre ab.

WANN & WO: Gerade sportlich läufts ja nicht so rund (Interview fand vor der gestrigen Begegnung gegen die Admira statt) – wie gehst du mit „drohenden“ Krisenszenarien um?

Christoph Längle: Ein Verein wie Altach kann immer in Abstiegsgefahr kommen, wie fast jeder andere Club auch. Wir beweisen seit 16 Jahren, dass wir die Nummer eins im Ländle sind und haben uns in der Bundesliga etabliert. Das zeigt sich auch im guten Austausch mit Clubs wie Rapid oder Salzburg, zu denen wir ein enges Verhältnis pflegen. Auch Abstiege gehören in unserem Geschäft dazu, ohne dass ich hier den Teufel an die Wand malen möchte. Aktuell ist das Vertrauen in den Kader und den Trainer ungebrochen. Für kurzfristige Erfolge kann man immer in Spieler und die Mannschaft investieren. Wir verfolgen aber wie bereits erwähnt, ein langfristiges, für ganz Vorarlberg wertvolles Konzept. Das gilt auch abseits des Sports. Wir müssen alle an einem Strang ziehen und uns zusammenreißen, um diese Pandemie zu meistern.

Kurz gefragt...

  • SCR Altach? Leidenschaft und Liebe.
  • Fußball? Hat mir viel gegeben, auch eine Art Schule für das Leben.
  • Fans? Ohne Fans kein Fußball.
  • Weitere Lieblingsvereine? BVB, Liverpool und bei den Italienern schwanke ich zwischen Clubs wie Inter, der Roma und Juventus.
  • Fußball-Idol? Alessandro Del Piero.
  • Politik? Momentan damit im Clinch, möchte nicht mit den Handelnden tauschen.
  • Corona? Unsicherheit, fehlende Planbarkeit. Trotzdem gilt es, positiv zu bleiben – und sich für die Zeit nach der Pandemie weiterzuentwickeln.
  • Rivalität? Braucht es, um besser zu werden.
  • Niederlagen? Schwierig, damit konnte ich nie gut umgehen. Tun weh.
  • Siege? Vielleicht sollte ich lernen, sie mehr zu genießen und emotional auszukosten.
  • Nachwuchs? Wer nicht auf den Nachwuchs setzt, kann sich die Zukunft sparen.

Zur Person: Christoph Längle

  • Wohnort, Alter: Altach, 50
  • Familienstand: Verheiratet, zwei Töchter
  • Beruf, Funktion: Geschäftsführer SC Rheindorf Altach
  • Hobbys: Lesen, Spazieren, Puzzles, Musik

(WANN & Wo)

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