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Unmenschlichkeit in Nonnentracht

Erbitterte Gegner: Schwester Aloysius (Renan Demirkan) und Pater Flynn (Wolfgang Seidenberg).
Erbitterte Gegner: Schwester Aloysius (Renan Demirkan) und Pater Flynn (Wolfgang Seidenberg). ©Veranstalter/Kulturbühne AmBach

In der erfolgreichen “Applaus”-Reihe AmBach gab´s den amerikanischen Psycho-Thriller “Zweifel”.

Götzis. Ein beklemmender Psycho-Thriller des amerikanischen Autors John Patrick Shanley,
das Vierpersonen-Stück “Zweifel”, hatte kürzlich auf der Kulturbühne AmBach seine österreichische Erstaufführung. Shanley nennt sein mehrfach preisgekröntes Bühnenstück (Uraufführung 2004 in New York) eine “Parabel”. Ja “Zweifel” kann hier als Gleichnis gelten für das Sprichwort “Argwohn isst mit dem Teufel aus einer Schüssel”; denn eine sittenstrenge, selbstgerechte Schuldirektorin in Nonnentracht, die unbegründet einen ihrer Lehrer, den Priester Flynn, wegen seiner Weltoffenheit aus ihrer Schule verbannen will, beweist in der Tat, dass Verleumdung und Verdächtigungen, welche den Gehassten in den Ruin treiben, wahrlich teuflische Waffen sind. Das Stück spielt 1964 in New York an einer katholischen Schule in der Bronx.
Eine besondere Pikanterie besitzt “Zweifel” natürlich deshalb, weil eine Nonne mit wilden Lügen den Priester Flynn verfolgt und madig macht und erst in der Schlussszene sich immer noch selbstgerecht und heuchlerisch fragt, ob ihr hässliches Tun nicht doch “zweifelhaft” war. Der Plot in Kurzform: Der Priester Pater Flynn nimmt sich eines diskriminierten Jungen der Schule besonders herzlich an, was Schwester Aloysius als Vorwand nimmt, um ihn als quasi Kinderverführer zu verleumden und loszuwerden. Flynn muss die Schule wirklich wegen erfundener “Verfehlungen” verlassen; es widerfährt ihm aber danach noch Gerechtigkeit.

Grandiose Schauspielerin

In der dicht-konzentierten Regie von Harald Demmer und der herben Ausstattung von Manfred Schneider, der vor dunklem Bühnenhintergrund mit beweglichen weißen Stangen Räume imaginiert, geschieht eine Story, die durch die Figur der hassenden Nonne unwillkürlich den Zuschauer emotionell aufheizt. Die Trägerin der Hauptrolle, die 1955 in Ankara geborene und in Deutschland lebende Schauspielerin (Filme, TV, Bühne), Autorin mehrerer Bücher, Moderatorin und Laudatorin, Renan Demirkan, interpretierte die eiskalte Schwester Aloysius mit perfidem Hass und zynisch-nervösem Gebärdenspiel. Ihr Kontrahent, Pater Flynn alias Wolfgang Seidenberg versuchte vergeblich, gegen die Wand des Vorurteils und der Verleumdung anzurennen. Nadine Nollau als sanftmütige und zwischen Nonne und Priester stehende Schwester James und Karin Boyd als aufgewühlte Mutter des Jungen ergänzten das Mimenquartett eindrucksvoll. Der Schluss wirkte zu abrupt. Die Nonne hatte im Zweifel (welchem eigentlich?) gegen (!) den Angeklagten gehetzt, und dieses Verbrechen verlief im Stück eigentlich im Sand, da es ohne jedwede Konsequenz für die Tätern blieb.

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