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„Umgang auf Augenhöhe – egal, mit wem“

©Sams
Mit 148 Mio. Euro erwirtschaftet Werner Gunz Warenhandel auch heuer wieder ein Rekordergebnis. WANN & WO traf den vision­ären Unternehmer und SCRA-Präsidenten beim ­Firmensitz in Mäder.

WANN & WO: Ihre Firma ist ein Paradebeispiel für gelebtes Unternehmertum – was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Werner Gunz: Wir agieren stark, sind stark in der Bewegung und immer auf der Suche nach neuen Chancen, Nischen und Märkten. Das geht natürlich auch oft mit Niederlagen einher. Die gehören aber genauso dazu. So finden wir immer wieder offene Türen.

WANN & WO: War Ihnen der Handel in die Wege gelegt?

Werner Gunz: Zumindest Lebensmittel. Aufgewachsen bin ich auf einer Landwirtschaft, später habe ich erste Verkaufserfahrungen in Ferialjobs beim Nahversorger gesammelt. Nach einer leitenden Verkaufstätigkeit bei Ölz in Dornbirn entschlossen sich mein Bruder und ich 1996 unsere Firma neu aufzubauen – der Grundstein war gelegt. Anfangs bewegten wir uns mit einem klassischen Import-Unternehmen beim Umsatz im Bereich von 2 Millionen, heuer werden es 148 Millionen Euro werden. Dieses Wachstum stellt uns permanent vor große Herausforderungen, gerade im Zusammenspiel zwischen Mengen, Absatzmärkten und der Produktion.

WANN & WO: Wie hat sich Ihr Segment in den letzten 30 Jahren verändert, gerade in Hinblick auf den globalen Wettbewerb?

Werner Gunz: Völlig, kein Stein blieb mehr auf dem anderen – schon wegen der EU. Wir haben uns vom Import- zum Exportunternehmen entwickelt. Wir hatten zwar Handelsbeziehungen zu Lieferanten, mussten uns aber die Märkte selbstständig erschließen. Wir folgten dem Trend der Eigenmarken, inzwischen erzeugen wir 90 Prozent unseres Gesamtumsatzes mit diesen Produkten. Wir haben uns jedes Jahr gesteigert und legen uns die Latte hoch mit dem Fokus auf das Wesentliche.

WANN & WO: Wieso hat sich Ihr Bruder aus dem Unternehmen verabschiedet?

Werner Gunz: 2013 trennten sich unsere Wege im Guten. Dadurch dass seine Kinder nicht in der Firma tätig waren und meine Kinder die Unternehmensnachfolge antreten werden, lag sein Ausscheiden auf der Hand.

WANN & WO: Wie beurteilen Sie das heiß diskutierte Spannungsfeld zwischen regionalem Einzelhandel und dem Online-Handel?

Werner Gunz: Mit unseren Produkten sind wir klassisch im stationären Handel vertreten. Zumal wir uns in vielen Schwellenländern bewegen, die erst am Anfang dieses Prozesses stehen. Im Lebensmittelbereich stehe ich dem Ganzen skeptisch gegenüber. Die Firmen, die sich in diese komplexe Feld begeben, stehen vor enormen Herausforderungen. Diese sind diese besonders im Bereich Logistik extrem gefordert. Bei uns zuhause wird großer Wert auf regionale Kost, am besten vom Landwirt um die Ecke, gelegt. Gesunde Ernährung, bewusste Re­­duktion von Fleischkonsum und nachhaltiges Einkaufen sind für uns von großer Bedeutung.

WANN & WO: „Friday For Future“ – welchen Einfluss haben nachhaltige Themen auf Ihre Unternehmenskultur?

Werner Gunz: Ich muss der ganzen Bewegung ein großes Kompliment aussprechen. Die Jugend hat absolut Recht, wenn sie ein Thema anspricht, das von unserer Generation vernachlässigt wurde. Ich beschäftige mich schon lange mit Nachhaltigkeit und wir haben in vielen Bereichen auch viel Geld in die Hand genommen. Wir investieren in Gemeinwohl-Projekte jährlich zwischen zwei und drei Millionen Euro. Dabei geht es uns neben Ökologie und Klimaschutz um Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit. Die Firma Gunz ist zu 100 Prozent CO2-neutral. In unserer Niederlassung in Magdeburg, welche doppelt so groß wie Mäder ist, produzieren wir mit Hilfe von Photovoltaik den kompletten Strom selber und speisen noch eine große Menge ins öffentliche Netz ein. In Mäder bauen wir unsere Photovoltaik-Kapazitäten weiter aus, verwenden Öko-Strom und heizen seit heuer ausschließlich mit Vorarlberger Biogas. Die Menge an CO2-Emissionen, welche wir nicht vermeiden können, neutralisieren wir mit hochwertigen Klima-Zertifikaten in Zusammenarbeit mit einem VKW-Projekt in Äthiopien. Im Bereich Solidarität und Gerechtigkeit haben wir einen eigenen Sozialfond, der jährlich mit 100.000 Euro ausgestattet wird. Hier kommen in Not geratene Mitarbeiter bzw. Institutionen in der Kummenberg-Region zum Zug. Unsere Mitarbeiter sind am jährlichen Betriebserfolg beteiligt. Im letzten Jahr erhielt jeder Mitarbeiter eine Prämie von knapp 4000 Euro, unabhängig von Position, Alter, Geschlecht und Nationalität. Es werden hier keine Unterschiede gemacht, alle Mitarbeiter sind für den Gesamterfolg gleichermaßen verantwortlich.“

WANN & WO: Welche Bedeutung hat das Thema „Fairtrade“ für Sie?

Werner Gunz: Für uns ist dieser Begriff kein Marketing-Instrument, sondern eine Philosophie. Viele Firmen „kaufen“ sich dieses Siegel, wälzen die Mehrkosten dann aber auf den Endverbraucherpreis ab. Wir haben die Preise belassen und selber kompensiert – allein bei der Schokolade reden wir in unserer Produktpalette von 1500 Tonnen. Der Kakao stammt nun aus dem Fairtrade-Bereich, in unseren Fällen zumeist aus Westafrika. Wir sind der mit Abstand größte Fairtrade-Partner im Bereich Kakao für Fairtrade Österreich und stehen für ein Prozent des weltweit gehandelten Fairtrade-Kakaos. Wie gesagt, ich stamme selbst aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Nur wenn wir den Bauern, gerade in Afrika oder in Entwicklungsländern, Wertschätzung entgegenbringen und nicht versuchen, sie mit einer Dumping-Preis-Politik kleinzuhalten, lassen sich Probleme wie die Migrationswellen lösen. Hier nehmen wir gerne eine Botschafterrolle ein – weltweit. Unternehmer stehen mehr denn je in der Pflicht, gerade in diesen Bereichen. Gemeinwohlbilanz statt Gewinnmaximierung. Und ein Umgang auf Augenhöhe, egal mit wem.

WANN & WO: Seit 2018 vertreiben Sie auch Fan Food für den FC Bayern und Dortmund. Wie ist der Deal zustande gekommen?

Werner Gunz: Wir sind auf die Vereine zugegangen und haben uns wieder ein neues Marktmodell gesucht. Zunächst entstand die Kooperation mit dem FC Bayern, kurz darauf folgte der BVB. Inzwischen sind wir im Lebensmittelbereich der größte Lizenznehmer der beiden Vereine. Und mit Paris St. Germain folgt demnächst eine weiterer Partner.

WANN & WO: Stichwort Fußball – wieso haben Sie sich erneut entschieden, beim SCR Altach eine Führungsrolle einzunehmen?

Werner Gunz: Gemeinsam mit Peter Pfanner bilde ich die Doppelspitze. Ich bin Altacher und identifiziere mich schon lange mit dem Verein. Der Club besitzt eine hohe Anziehungskraft, inzwischen auch über die Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus. Interessanterweise spült es mich, egal wo ich bin, immer nach vorne (schmunzelt).

WANN & WO: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Werner Gunz: Ich bin Realist. Altach bewegt sich auf hohem Niveau, was für einen Verein wie den SCRA nicht selbstverständlich ist. Man darf sich durch eine Serie von Niederlagen nie den Blick auf das Gesamte schlecht machen lassen. Inzwischen können wir auf eine Infrastruktur blicken, um die uns andere Vereine aus ganz Österreich beneiden. Unsere Nachwuchsabteilung ist die größte des ganzen Landes. Natürlich ist die erste Mannschaft unser Zugpferd. Trotzdem ist der SCR Altach viel mehr als die Summe seiner Teile. Und in der jetzigen Situation müssen wir uns mit dem Thema Abstiegskampf auseinandersetzen. Wir blicken dem Ganzen aber ruhig entgegen – denn wir wissen um unsere Stärken.

WANN & WO: Klaus Schmidt meinte einmal, man habe „zu viel in Stein, und zu wenig in Bein“ investiert?

Werner Gunz: Damit hat er aus seiner damaligen Sicht als Trainer vielleicht recht. Aus Sicht des Vorstandes haben meine Vorgänger für die letzten Jahre aber weitere, zusätzliche Schwerpunkte gesetzt, womit ich mich zu 100 Prozent identifiziere. Mit dem Stadionbau und der Installierung des Trainingscampus haben wir das gesamte Vereins-Portfolio erweitert, wovon wir die nächsten Jahre profitieren werden. Der Spagat zwischen sportlichem Erfolg und einer nachhaltigen, schuldenfreien Vereinsführung ist nicht einfach. Jetzt gilt es wieder, für Stabilität im Team zu sorgen.

WANN & WO: Zurück zum Geschäft: 2020 werden Sie das Unternehmen an Ihre Kinder übergeben. Wie bereitet man sich auf so einen Generationenwechsel vor?

Werner Gunz: In einem Jahr übernehmen mein Sohn Stefan und Schwiegersohn Michael Temel zur Gänze die Geschäftsführung. Aktuell ist unsere Tochter Simone ebenfalls in der Geschäftsführung vertreten, sie scheidet demnächst aus der Führung aus, da sie ihr erstes Kind erwartet. Vor fünf Jahren habe ich meine Mitarbeiter informiert, dass ich am 10. November 2020 meinen letzten Arbeitstag begehen und alles abgeben werde. Das Thema „Loslassen“ beschäftigt mich und ich habe mich diesbezüglich mit vielen Unternehmern, die einen ähnlichen Prozess hinter sich hatten, ausgetauscht. Darum habe ich dafür einen langen Zeitraum eingeplant, für mich eigentlich absolut untypisch. Das Schwierigste an diesem Prozess ist das Eingeständnis, dass man selbst nicht mehr der Wichtigste ist. Wichtig ist das System des Unternehmens an sich. Ich kann inzwischen zugeben, dass mich meine Kinder überholt haben. Und deshalb kann ich den Wechsel genießen.

Kurz gefragt ...

Was machen Sie nach einer Altach-Niederlage?
Ich sehe mich als Ansprechpartner, der die Menschen tröstet. Egal ob Fans, Sponsoren oder Mannschaft, ich versuche, die Leute wieder zu motivieren. Und ich denke an das nächste Spiel. Siege und Niederlagen sind Etappen auf dem Weg.

Wie weit geht die Fan-Liebe? Stecken Sie privates Kapital in den Verein?
Null, gar nichts. Wir sind ganz normale Sponsoren. Altach hat keine finanziellen Gönner und agiert unabhängig. Transfers sind Sache von Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführung.

Was bringt Sie zur Weißglut?
Aufgrund meiner Lebenserfahrung habe ich gelernt, mit meiner Energie hauszuhalten. Oberflächlichkeit und Inkonsequenz sind aber immer noch Dinge, die mich aufregen.

Welchem internationalen Club drücken Sie die Daumen?
Bayern und dem BVB (schmunzelt). Und der Frankfurter Eintracht, wegen dem besonderen Verhältnis zu Adi Hütter.

Welches Produkt aus Ihrem Sortiment ist Ihr kulinarischer Favorit und warum?
Wir haben 1200 Produkte, hauptsächlich im Preis-Einstiegs-Segment. Unsere Artikel sind bei uns zuhause nicht übermäßig vertreten. Stolz bin ich auf die Stiratini Brotgebäckstangen – hier haben wir quasi eine Vorreiterrolle in der Markteinführung inne.

Ihre liebste Altach-Anekdote?
Ich kann mich noch gut an unser erstes Bundesliga-Spiel im Jahre 2006 gegen Salzburg erinnern, damals mit Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus am Ruder. Ich habe immer noch das Bild vor Augen, wie die beiden Granden des weltweiten Fußballgeschäfts, beide im feinen Nadelzwirn, auf einer Bierbank im Schnabelholz Platz nehmen. Es erinnert mich immer an die Anfänge, und wie weit wir inzwischen gekommen sind.

Lieblingsbücher?
Viele Biografien, aktuell gerade über Pele.

Ihre wichtigsten Apps auf dem Smartphone?
Ich bin ein Mensch, der sich gerne auf das Wesentliche fokussiert. Während wir in der Firma großen Wert auf das Thema Digitalisierung legen, versuche ich mich privat in diesem Bereich zu reduzieren. Also nutze ich mein Smartphone zum Telefonieren, SMS und für E-Mails. Die einzige App die ich wirklich nutze, versorgt mich mit Fußball-Zwischenständen (schmunzelt).

Zur Person

Wohnort, Alter: Altach, feiert heute seinen 59. Geburtstag
Familienstand: Verheiratet, vier Kinder, vier Enkel
Beruf, Funktion: Geschäftsführung Gunz Warenhandel, gemeinsam mit Peter Pfanner Präsident des SCR Altach
Hobby: Wandern und Skifahren im Ländle, Mobilität (E-Bike)

Die aktuelle Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

(Wann & Wo)

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