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„Traute mich nicht aus dem Haus“

Renate Moser, InterSky
Renate Moser, InterSky ©sams
InterSky-Gründerin Renate Moser war die erste Frau an der Spitze einer Fluglinie. W&W sprach mit ihr über das Ende der Airline.

WANN & WO: Das InterSky-Ende jährt sich in den kommenden Tagen zum vierten Mal. Denken Sie noch oft an die Zeit zurück?

Renate Moser: Ja, das begleitet mich ständig. Was als wirklich wunderbare Sache gestartet hat, ist sehr tragisch geendet. Ich habe nach 2015 praktisch drei Jahre lang nicht gelebt.

WANN & WO: Was ist in den vergangenen vier Jahren passiert?

Renate Moser: Der Konkursprozess hat mich wirklich aus der Lebensbahn gerissen. Ich bin in diesen drei Jahren Zeit nie außer Haus gegangen. Ich konnte nicht. Ich habe mich immer davor gefürchtet, dass die Leute mit dem Finger auf mich zeigen. Als ich vergangenes Weihnachten das letzte Flugzeug verkauft hatte, kippte eine Art Schalter in mir. Mittlerweile habe ich endlich das Gefühl der totalen Freiheit: Ich kann mich bewegen, wie ich will. Ich kann fröhlich und lustig sein. Ich kann, ohne mich groß aufzubrezeln, in die Stadt fahren und niemanden kümmert es.

WANN & WO: Sie waren 2001 die erste Frau weltweit, die eine Flug-linie gegründet und geleitet hat. War das für Sie eine große Sache oder haben Sie da gar nicht weiter darüber nachgedacht?

Renate Moser: Warum hätte ich das als Frau nicht machen sollen? Ich bin nicht unbedingt eine Gleichberechtigte, für mich ist es selbstverständlich, dass Frauen, wenn sie es wirklich wollen, mindestens genau so viel tun können wie Männer. Und ich bin in diesem Zusammenhang immer noch der Meinung, es wäre alles gut gegangen, wenn ich nicht einen gravierenden Fehler lange vor dem Ende von InterSky gemacht hätte bzw. wenn ich dort mit einer Frau statt einem Mann gesprochen hätte.

WANN & WO: Welchen Fehler denn?

Renate Moser: Wir waren noch zu Rheintalflug-Zeiten im Team Lufthansa. Bei einem Empfang war ich einmal mit den hohen Führungsebenen im Gespräch um die Leitung des damals gerade neugegründeten Teams. Ich sagte dann, ohne das böse zu meinen, dass die Verantwortlichen noch lernen müssten, mit den kleinen Airlines umzugehen. Einer der Herren hat das aber offenbar sehr schlecht aufgenommen und mir für immer übel genommen. Und ich bin fest der Meinung, dass Frauen untereinander in Führungsebenen nicht so wären.

WANN & WO: Sie sind also der Meinung, dass diese simple Aussage das InterSky-Ende besiegelte?

Renate Moser: Zuerst einmal flogen wir kurz darauf aus dem Team Lufthansa, dann kam die Sache mit der Verbindung Friedrichshafen-Köln. Ich glaube ganz fest, obwohl es eigentlich zu viel der Ehren ist, dass die Lufthansa-Tochter Germanwings die 40 Millionen Euro Verlust nur in Kauf genommen hat, um uns mit dieser Flugverbingung zu schaden.

WANN & WO: InterSky hatte über fünf Millionen Euro Passiva angehäuft, aber nur diese Flugverbindung sei das Zünglein an der Waage gewesen?

Renate Moser: Friedrichshafen-Köln war unsere „Cash Cow“. Als die Lufthansa-Tochter Germanwings anfing, ebenfalls diese Verbindung zu fliegen, fiel unsere „Cash Cow“ weg. Im November 2015 fehlten uns schließlich die zusätzlichen zwei Millionen Euro für das Weihnachtsgeld der Mitarbeiter. Wir fanden einen Investor, aber der sagte uns kurzfristig ab. Da war ich wie in Trance. Bis heute erinnere ich mich nur noch an eine Sache vom Rest dieses Tages: Wie meine Katze zum ersten Mal überhaupt abends auf meinem Bauch lag, als würde sie mich von Dummheiten abhalten wollen.

WANN & WO: Nicht erst am Ende, auch gleich im zweiten Geschäftsjahr 2002 hatte InterSky finanzielle Probleme. Haben Sie sich damals Sorgen gemacht, ob die Gründung die richtige Entscheidung war?

Renate Moser: Nein, da muss man durch (lacht). Und es hat ja geklappt. Sehr gut sogar: Als wir noch in Bern saßen, habe ich den Schweizer Handels- und Industrieverbandspreis bekommen, hier in Vorarlberg das Silberne Verdienstzeichen. Ich wurde damals auch einmal gefragt, ob ich ein Alpha-Tier sei. Dabei wusste ich zu der Zeit gar nicht, was das ist (lacht).

WANN & WO: Aus heutiger Sicht: Waren Sie es?

Renate Moser: Damals auf jeden Fall. Anders geht es auch nicht. Man muss wissen, was man will und daran glauben. Aber diese Phase ist vorbei. Heute möchte ich einfach nur noch ich selber sein. Und ganz besonders Oma.

WANN & WO: Sie hatten sich 2006 aus der Firma zurückgezogen. Auch schon, um mehr Familie leben zu können?

Renate Moser: Ja, um viel mehr Familie leben zu können. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass alles gut läuft. Wir hatten damals auch ein Ferienhaus in Thailand gekauft, in dem wir eine Weile leben wollten.

WANN & WO: Sie sind 2011 doch nochmal eingesprungen, als ihr Sohn die Leitung aufgegeben hat.

Renate Moser: Das war nicht ganz freiwillig. Aber mein Sohn hatte sich anders orientiert und dadurch war es notwendig, dass jemand das Geschäft mit ganzem Herzen übernimmt. Das war nach den Jahren der Freizeit schon einschneidend.

WANN & WO: In den 2000er Jahren boomten die Billigfluglinien. Haben Sie das im Geschäft gemerkt?

Renate Moser: Gemerkt haben wir das schon. Aber regionale Airlines wie InterSky haben ein ganz anderes Umfeld. Die sind einfach hochpreisig und bestimmte Kunden entscheiden sich ganz bewusst dafür. Managern etwa mangelt es nicht an Geld, sondern an Zeit. Und da macht es einen Unterschied, ob ich drei Stunden nach Zürich und am gleichen Tag wieder drei Stunden zurückfahren muss, oder nur eine Stunde nach Altenrhein.

WANN & WO: Sind Sie selbst schon mit einem Billigflieger geflogen? Und merkten Sie einen Unterschied?

Renate Moser: Ja, erst kürzlich. Und den Unterschied merkt man definitiv. Das ist kein Fliegen mehr, das ist Busfahren in der Luft.

WANN & WO: Das Fliegen generell ist ja gerade in Zeiten von Fridays for Future und Klimakrise eine heikle Sache. Wie stehen Sie dazu?

Renate Moser: Ich bin ein großer Fan von Greta Thunberg und unterstütze den Klimaschutz. Aber die Frage ist, ob teurere Flüge die Lösung sind. Auf der anderen Seite finde ich es Wahnsinn, dass man Flüge so verschleudert und die Richtung der Billig-Airlines problematisch. Flüge unter 800 Kilometern zu verbieten, sehe ich ebenfalls skeptisch, die Wirtschaft muss ja irgendwie leben. Da muss man einen Spagat finden, der die Umwelt entlastet, während die Wirtschaft sinnvoll arbeiten kann. Das muss aus voller Überzeugung heraus getan werden. Unser Gewissen muss uns sagen, was zu tun ist, nicht der Staat.

WANN & WO: Sehen Sie die Politik gar nicht am Klimaschutz beteiligt?

Renate Moser: Oh doch, die Politik muss schon die Rahmenbedingungen schaffen. Das ist auch der große Verdienst von Greta Thunberg: Sie hat es geschafft, die Aufmerksamkeit von ganzen Regierungen zu bekommen. Das Schlimmste, was ich je gelesen habe, war wie der Herr Hofer die Grünen als eine Sekte bezeichnet hat. Ist der verrückt? Für mich wäre es der Horror, wenn es noch einmal zu Türkis-Blau kommt, der Klimaschutz ist wichtig.

Zur Person

  • Name: Renate Moser (77), geb. am 2. April 1942 in Wien
  • Familie: buddhistisch verheiratet mit Rolf Seewald, vier Kinder (zwei leiblich), fünf Enkel
  • Werdegang: 2001 Gründung und Leitung von InterSky gemeinsam mit Rolf Seewald, Rückzug 2006, Wiedereinstieg 2011 bis zum Konkurs 2015

Hier die aktuelle Ausgabe der Wann&Wo zum Nachlesen.

(Anja Förtsch / Wann & Wo)

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