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Tourismus in Schröcken auf der Überholspur

Noch im November soll es auch bei Lisas soweit sein. Das Haus präsentiert sich mit einer klassischen Schindelfassade, am Innenausbau wird intensiv gearbeitet.
Noch im November soll es auch bei Lisas soweit sein. Das Haus präsentiert sich mit einer klassischen Schindelfassade, am Innenausbau wird intensiv gearbeitet. ©STP
Im Walserdorf läuft derzeit die größte Bettenoffensive der Region.

Schröcken Viele Jahre stand Schröcken im Schatten anderer Tourismuszentren der Talschaft. In Warth, Mellau und vor allem Damüls wurden Hotel- und Appartementprojekte realisiert, die Gemeinde am Fuße des Hochtannbergs geriet mehr ins Hintertreffen, denn dort stand in den vergangenen Jahren den privaten Initiativen sogar die Schließung des Traditionshotels Mohnenfluh gegenüber. Es ist nur noch als Personalunterkunft genutzt und Planungen für eine Nachnutzung nehmen erst jetzt Fahrt auf.

Dorfbahn in der Warteschleife

Seit vielen Jahren ist damit auch ein baureifes Projekt für eine Liftanbindung des Ortszentrums ans Skigebiet (von Kirchenbühel auf den Falkenkopf) in der Schublade. „Es ist wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn zusätzliche rund 500 Betten eine entsprechende Frequenz garantieren“, beschreibt Bürgermeister Herbert Schwarzmann die Vorgabe der Liftgesellschaft und durfte sich in den vergangenen Jahren über „viele erfreuliche Schritte in diese Richtung“ freuen.

Größere Investitionen wurden 2015/16 in Oberboden (Alpin Chalet Schröcken) und auf Nesslegg (Chalet-Dorf Aadla) getätigt, beide Projekte verfügen über jeweils rund 50 Betten. Weiteren Bettenzuwachs gab es in den vergangenen Jahren auch beim Haus Berghof oder im Hus 23. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Trotz dieser Initiativen blieb die seit vielen Jahren diskutierte Dorfbahn in der Warteschleife. 2010 wurde zwar ein Vorprüfungsverfahren eingeleitet, das Projekt wurde aber mit Verweis auf eine notwendige Erhöhung der Bettenkapazität um etwa 500 Einheiten auf Eis gelegt.

Projekte blieben Luftschlösser

Für das Erreichen der zusätzlichen 500 Betten waren vor allem zwei Projekte die großen Hoffnungsträger: Nesslegg und Mohnenfluh-Areal. In Nesslegg schien man dem Ziel 2013/14 schon sehr nahe. Ende 2013 wurde das Behördenverfahren für eine Anlage mit Appartements und Restaurant durchgeführt. Rund 200 Betten waren geplant, realisiert wurde das Vorhaben jedoch nicht. Geplatzt ist einige Jahre später auch ein Mega-Projekt einer Nachnutzung des Mohnenfluh-Areals. Von einem neuen Luxushotel, eingebettet in ein Maisäßdorf, war die Rede – und 2018 wurde ein Projekt präsentiert, das mit rund 400 Betten eine neue Dimension erschließen sollte.

Durchbruch mit The Heimat

Beide Großvorhaben verliefen im Sand, doch dann brachte ein neuer Betreiber zunächst auf Nesslegg den Durchbruch: The Heimat wurde präsentiert – neue Betreiber, neues Konzept. Plötzlich ging alles sehr schnell, schon Tage nach der Präsentation fuhren die Bagger auf und seit Herbst 2018 werden rund 57 Millionen Euro verbaut. Ende 2022 soll eröffnet werden – einschließlich modernisierter Altbau (ehemals Hotel Widderstein) 135 Hotelzimmer und 40 Apartements, rund 400 Betten.

Ehemaliges Mohnenfluhareal

Die gleiche Größenordnung soll auf dem ehemaligen Mohnenfluh-Areal entstehen, auch hier hat ein Besitzerwechsel den Durchbruch gebracht. 2019/20 hat Marie-Luise Dietrich mit der Heimboden V Immobilienentwicklung GmbH das Areal und noch zusätzliche Flächen im Umfeld erworben, so dass jetzt rund 23.000 m2 zur Verfügung stehen, auf denen Architekt Johannes Kaufmann ein Hotel und Chalet-Dorf plant. Ähnlich wie bei The Heimat sind auch unterhalb des Kirchenbühels rund 400 Betten vorgesehen.

Aktuelle Bauaktivitäten

Bevor hier die Baumaschinen auffahren, kann sich Schröcken über Projekte freuen, die weit fortgeschritten oder genehmigt sind:

» In Schröcken-Oberboden, wo an Stelle einer alten Werkhalle ein Appartement-Haus mit 13 Einheiten und rund 70 Betten entstand, haben dieser Tage die ersten Gäste eingecheckt.
» Beim ehemaligen Haus Elisabeth – jetzt Lisas – das von bisher 16 auf 30 Betten erweitert und mit zusätzlicher Infrastruktur ergänzt wurde, hat Stefan Moosbrugger aus Mellau dem Gebäude eine heimelige Schindelfassade verpasst. Rund 80.000 Lärchenschindeln wurden auf knapp 450 m2 Fassade verbaut, an der Fertigstellung wird gearbeitet und im Spätherbst sollen die ersten Gäste einziehen.
» Unweit davon wird von der Schröckener Tischlerfamilie Georg und Steffi Schwarzmann das Berghaus Schröcken, ein aus drei Objekten bestehendes „Basecamp für Bergfreunde“ errichtet. Auf dem ersten Haus wurde der Firstbaum aufgezogen, an den beiden anderen wird gearbeitet, insgesamt werden mehr als 100 Betten zur Verfügung stehen.
» Für ein weiteres Projekt in Schröcken-Oberboden (Sonnberg Aparts) von Natter-Wohnbau mit etwa 50 Betten gibt es einen rechtsgültigen Baubescheid. Planer Johann Muxel will noch heuer mit dem Bau der Zufahrt und der Baustellen-Einrichtung beginnen. Spatenstich ist im Frühjahr 2022 vorgesehen.

Mehr als 1000 Betten

Läuft alles nach Plan, wird Schröcken sein Bettenangebot von derzeit rund 900 Einheiten in wenigen Jahren allein mit diesen Vorhaben (The Heimat, Mohnenfluh, Berghaus Schröcken, Sonnenhof, Sonnberg Aparts und Lisas) um mehr als 1000 Betten aufstocken und somit mehr als verdoppeln. Im Ranking der Wälder Gemeinden liegt Schröcken derzeit an siebter Stelle. Mit den neuen Projekten wird Schröcken mit rund 2000 Betten auf den zweiten Platz hinter Damüls vorrücken und Au, Bezau, Mellau, Schoppernau und Warth überholen. STP

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