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Totschnig vor Bergen verunsichert

Skeptischer Blick und Sorgenfalten. An der Körpersprache von Georg Totschnig am Ruhetag der Tour de France ist nichts zu merken von der Vorfreude eines Kletterspezialisten auf die Bergetappen. | Tour-Special

Der Gerolsteiner-Kapitän ist enttäuscht, dass er bei seinem erklärten Saisonhöhepunkt weit von der Topform entfernt ist. Die Hoffnung, den siebenten Gesamtrang des vergangenen Jahres sogar noch zu übertreffen, war beim Tiroler am Tag vor der Bergankunft in Courchevel am Dienstag gering. Totschnig rangiert vor der entscheidenden Woche der Tour mit drei Alpen- und zwei Pyrenäen-Etappen 4:53 Minuten hinter Topfavorit Lance Armstrong. Es fällt ihm schwer, positive Gedanken zu fassen, er versucht es in Telefonaten mit Gattin Michaela. “Es ist ein Teufelskreis. Die Form ist nicht besser geworden, wie ich es an den ersten Tagen erhofft hatte, da grübelt man viel und schläft auch nicht so gut wie normal”, erklärte Totschnig. Eine Zwangspause wegen einer Erkältung nach der Tour de Suisse könnte die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte gemacht haben. Fehlende Regenerationsfähigkeit und Appetitlosigkeit deuten auf einen Virus hin, eine Blutuntersuchung sollte Klarheit bringen.

Wrolich, den Magenprobleme an den vergangenen vier Tagen viel Substanz gekostet haben, versucht als Zimmerkollege, Totschnigs Stimmung zu heben. “Dienstag ist der Tag der Wahrheit”, erklärte der Etappen-Zweite von Tours. “Da sieht jeder, wo er wirklich steht.” Wrolichs eigene Leistung war wegen der Verdauungsprobleme eingeschränkt. Mit Infusionen wäre alles leichter in den Griff zu bekommen, aber die sind bei der Tour verboten. Auf dem zehnten Teilstück (192 km) warten zwei große Steigungen, der Cormet de Roselend (1.968 m/20 km Anstieg) und die Bergankunft in Courchevel (2.004 m/22 km).

Ullrich trotz Schmerzen beim Atmen: “Jetzt erst recht”
“Bruchpilot” Jan Ullrich ist nicht kleinzukriegen. “Ich hatte niemals den Gedanken, die Tour aufzugeben”, meinte der T-Mobile-Kapitän, der am Montag nach seinem zweiten Sturz innerhalb von neun Tagen aussah, wie ein Boxer nach einem harten Kampf. Zwei Schwellungen über dem linken Auge waren am ersten Ruhetag die Blessuren des Sturzes vom Vortag, als Ullrich bergab in einer Linkskurve mit “etwa 60 Stundenkilometer” in den Graben stürzte und sich mehrmals überschlug. “Armstrong hat gewartet – dafür Chapeau”, lobte Ullrich die Fairness des Titelverteidigers. “Eine Rippenprellung, die ihn beim Atmen behindert, und zahlreiche Prellungen anderer Art am Körper”, lautete die Diagnose von Teamarzt Lothar Heinrich. Durch eine Röntgenaufnahme in einer Privatklinik in Grenoble konnte ausgeschlossen werden, dass der Pechvogel Brüche davongetragen hat. Auf der ersten großen Bergetappe nach Courchevel wird sich zeigen, wie Ullrich die Verletzungen unter Belastung verkraftet.

Entscheidung nach Tour: Discovery Channel oder T-Mobile
Alexander Winokurow, einer der Kandidaten für den Tour-Sieg 2005, wird sich direkt nach der Tour de France entscheiden, für welches Radsport-Team er in Zukunft fährt. “Ich möchte die Champs Elysées-Ankunft am 24. Juli abwarten. Die einzige Mannschaft, für die es sich lohnen würde, T-Mobile zu verlassen, wäre Discovery Channel. Die folgenden zwei, drei Jahre, die mir noch bleiben, werde ich mich ausschließlich auf die Tour de France konzentrieren”, sagte der Olympia-Dritte von Sydney am Montag in einem Interview. Mit seinen Ambitionen, die Tour in diesem Jahr gewinnen zu wollen, hielt Winokurow, im Moment Fünfter der Gesamtwertung 1:02 Minuten hinter Titelverteidiger Lance Armstrong, nicht hinter dem Berg. “Die Absprachen im Team sind klar: Die Mannschaft wird für denjenigen arbeiten, der am stärksten ist.” Konflikte mit seinem Team-Kapitän Jan Ullrich befürchtet Winokurow nicht.

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