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Testamente: Vizepräsidentin von weiterem Beschuldigten schwer belastet

Dornbirn - Markus H. spricht von Ratz-Drohung im Dezember 2009: "Sonst sind Sie Ihren Job los!"

Testamentsaffäre. Der Dornbirner Familienvater Markus H., Bruder des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Testamentfälschers Jürgen H., belastet die Vizepräsidentin des Landesgerichts Vorarlberg, Kornelia Ratz, in seinen Aussagen massiv. Im den VN vorliegenden Vernehmungsprotokoll schildert Markus H. (47), wie Richterin Ratz ihn privat zu ihr nach Hause eingeladen hat und wie ihm von der Richterin angeblich mit Jobverlust gedroht wurde.

Wäre ein Testament hilfreich?

Doch zunächst zur bekannten Aussage des mutmaßlichen Drahtziehers Jürgen H. (45). Demnach habe alles mit einem Anruf von Ratz am Arbeitsplatz von H. im Bezirksgericht Dornbirn im Jahr 2004 begonnen. “Sie redete um den Brei herum, dass ihr bekannt sei, dass manches am BG Dornbirn anders laufe”, gab Jürgen H. der Polizei zu Protokoll. “Sie erklärte mir auch, dass es eine riesige Ungerechtigkeit sei, wenn die Leute, die sich dauernd um den armen, auf Hilfe angewiesenen Willi Mutschler gekümmert haben, […] nun deshalb nichts bekommen sollten, weil er kein schriftliches Testament hinterlassen hat. […] Ansonsten werde das ganze Vermögen versplittert. Das letztgenannte Argument habe ich noch gut in Erinnerung”, gab Jürgen H. am 27. Jänner 2010 zu Protokoll. “Ich habe sie dann direkt gefragt, ob ein plötzlich auftauchendes Testament hilfreich wäre. Dies hat sie bejaht.” So soll Ratz – nach Schilderung der beschuldigten Fälscher – vorgegangen sein, was die Vizepräsidentin des Landesgerichts heftig bestreitet. Übrigens: In der aktuellen Fassung des Protokolls revidierte Jürgen H. die Aussage, dass Ratz bei ihm ein Testament bestellt hätte. Sie habe lediglich gesagt: “So ein Testament wäre gut.”

Neue Aussage bekannt

Nun bringen VN-Recherchen ans Tageslicht, dass eine zweite Aussage – nämlich die des Bruders von Jürgen H. – Kornelia Ratz bereits am 8. Jänner schwer belastete. Der 47-jährige Bankangestellte schildert, wie er erstmals vom Erbschaftsfall Willi M., einem Verwandten der Richterin Ratz, erfuhr: “Mein Bruder Jürgen hat mich angerufen und mir gesagt, dass er etwas ‚ganz Spezielles‘ habe. […] Er hat gesagt, dass er eine Art Lotto-Sechser gemacht habe.” Die Fälscher benötigten Markus H., um als Legatar mit einer Vollmacht sozusagen als Strohmann aufzutreten. Ihm sei bewusst gewesen, dass er nur den Boten spielt, aber auch etwas dafür bekommen sollte. Vor allem den Versuch der Richterin, die zusätzlichen Erben aus dem Testament zu drängen, bekam Markus H. zu spüren: “Ich erhielt einen Anruf von Frau Dr. Kornelia Ratz an meinem Arbeitsplatz. Sie wolle mit mir über diese Angelegenheit reden. Sie hat sich mir gegenüber als ,Tochter der Erbin‘ vorgestellt. Sie fragte mich, ob ich zu ihr privat nach Hause kommen wolle. Ich reagierte zögerlich; sie fragte mich, ob ich Angst hätte”, erinnert sich Markus H. an den Anruf aus dem Jahr 2005. Wenig später kam es angeblich zu dem Treffen bei Frau Ratz zuhause. „Zuerst wurde privater Smalltalk betrieben. Dann die Sprache auf das Legat. […] Irgendwann fiel jedenfalls das Wort ,Nazis‘. Sie fragte mich, ob […] ich in Verbindung mit Nazis gebracht werden wollte. Sie sagte, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen werde, dass dieses Legat nicht zum Zuge kommt. Nötigenfalls werde sie die Medien zu Hilfe nehmen“, so die Schilderung in der Aussage. Ratz machte dann angeblich ein Geldgebot, wenn er auf seinen Anspruch verzichte: „Frau Ratz hat mir dann ein konkretes Angebot gemacht, das lag in etwa bei 12.000 Euro.” Schließlich wurden 23.000 Euro herausgehandelt, am 22. 7. 2005 kam es zur Übergabe. “Frau Ratz ist […] zu mir gekommen. […] Wir haben uns im Halbstock an einen Tisch gesetzt. Ich habe die Verzichtserklärung unterfertigt und sie hat mir 23.000 Euro in Bar übergeben.”

Drohung im Dezember 2009?

Man dachte, der Rest sei bekannt: im November 2009 wurde Markus‘ Bruder Jürgen H. verhaftet, Kornelia Ratz sagte den VN kürzlich, sie habe damals auch den Testamentsfall als verdächtig angezeigt. Bis dahin habe sie keine Zweifel am Testament gehabt. Markus H.s Aussage zeigt jedoch, dass die Geschichte weiterging: Am 14. Dezember 2009 habe das Telefon an Markus H.s Arbeitsplatz, einer Dornbirner Bank, geklingelt. “Sie hat mich im Büro angerufen und energisch gefordert, das Geld an sie zurückzubezahlen; ich wisse ganz genau, warum. Wenn ich ihr nicht innerhalb von zehn Minuten Bescheid gäbe, würde sie den Vorstand informieren […], dann sei ich meinen Job los.” Noch zwei weitere Telefonate seien gefolgt, Ratz habe zuletzt am 23.12.2009 auch eine E-Mail gesendet.

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