Super Bowl XLVIII: Die größe Show der Welt

Seattle Seahawks gegen Denver Broncos um die Vince Lombardi Trophy im Super Bowl XLVIII.
Seattle Seahawks gegen Denver Broncos um die Vince Lombardi Trophy im Super Bowl XLVIII. ©EPA
In der Nacht von Sonntag auf Montag findet in new York die 48. Super Bowl statt. Und alles am Super Bowl ist gigantisch: Die Zahl der Zuschauer, die Kosten für die Werbung, die Menge der verspeisten Hühnchenflügel.
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Riesiges Freiluft-Spektakel, Promi-Parade, das Land gebannt vor den Bildschirmen: In den USA laufen die Vorbereitungen für das größte Sportereignis des Jahres. Zum Kickoff beim Super Bowl der Football-Profiliga NFL sollen am Sonntagabend (18.30 Uhr Ortszeit) in New Jersey Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt herrschen. Und zum ersten Mal findet das Finale bei winterlicher Kälte unter freiem Himmel statt. Doch egal, wie sehr das die Spieler der Denver Broncos und Seattle Seahawks ärgern mag – das übliche Star- und Werbespektakel wird stattfinden.

Heiße Halbzeit-Show erwartet

Die Liste der angekündigten Promis ist lang, ganz oben steht für die publikumswirksame Halbzeitshow Pop-Sänger Bruno Mars (“Locked out of Heaven”) zusammen mit den Rockern Red Hot Chili Pepers (“Under the Bridge”). Vorher wird es schon bei der Nationalhymne feierlich: Für diesen Programmpunkt hat sich die klassische Sopranistin Renée Fleming angekündigt.

Highlight beim Super Bowl: Die Werbung

Auch zu den Werbespots während des Spiels sind Neuigkeiten durchgesickert. Sie gelten traditionell als Teil des Spektakels: Firmen gestalten spezielle 30-Sekünder nur für dieses Event. 2013 kostete die Ausstrahlung eines einzigen Spots stolze vier Millionen Dollar (rund 3 Millionen Euro).

In diesem Jahr ist eine Bier-Werbung mit niedlichem Hundewelpen vorab Gesprächsthema, ebenso ein mit Kino-Aufwand umgesetzter Deo-Werbespot mit dem Motto “Make love, not war”. Die Spots wurden vorab vorgestellt.

Volkswagen ist wieder mit einem Spot dabei, nach dem Riesenerfolg 2011 mit dem Werbefilm, der einen kleinen Jungen im Stars-Wars-Kostüm zeigte. In diesem Jahr preisen die Wolfsburger die Laufleistung ihrer Fahrzeuge mit dem Spruch: “Every time a Volkswagen hits 100 000 miles, a German engineer gets his wings” (“Immer, wenn ein Volkswagen 100 000 Meilen gelaufen ist, kriegt ein deutscher Ingenieur seine Flügel” – eine Anspielung auf die Fliegerabzeichen, die Piloten erhalten).

Der Volkswagen-Werbespot

Das große Fressen

Die Nahrungsmittelindustrie schätzt, dass die Zuschauer 1,25 Milliarden Hühnchenflügel (das sind durchschnittlich vier pro Einwohner) und 27 Millionen Pizza-Stücke allein von den Herstellern Domino und Pizza Hut verdrücken werden.

Ansturm der Massen

Während das ganze Land dem Sonntag entgegenfiebert, blicken die Anwohner der großflächigen Sperrung am Broadway und dem wahrscheinlichen Superstau zwischen New York und New Jersey weniger enthusiastisch entgegen. Sie erwarten einen Ansturm von geschätzt 400 000 Besuchern, darunter allein 80 000, die das Spiel im Stadion sehen werden – für Eintrittspreise von durchschnittlich 2615 US-Dollar (rund 1900 Euro), wie das Ticketportal Seatgeek ausgerechnet hat. Die anderen werden das Spiel auf Zuschauerpartys überall in der Stadt oder im angrenzenden Bundesstaat New Jersey verfolgen.

Die Metropole selbst ist längst im Football-Fieber. Nur 40 Fahrtminuten vom Stadion in New Jersey entfernt ist das Zentrum von New York. Supermärkte verkaufen seit Wochen Deko, Fan-Gläser und aufblasbare Football-Tore, mitten im Big Apple ist eine sich über 13 Wohnblocks erstreckende Zone für Autos gesperrt worden. Auf dem “Super Bowl Boulevard” können Fans auf grünem Kunstrasen Tore schießen, eine Eisbahn runterrutschen, Konzerte besuchen und Autogramme von Football-Stars sammeln.

Bei alldem lastet ein hoher Druck auf New York und New Jersey, ein sicheres und gut organisiertes Super Bowl auf die Beine zu stellen. Alle erinnern sich noch an 2013, als in New Orleans ein halbstündiger Stromausfall das Spiel unterbrach.

Broncos gegen Seahawks in der Kälte

Im Kühlschrank um die Krone: Wer in diesem Jahr Meister der National Football League NFL werden will, muss nicht nur nervenstark, sondern auch wetterfest sein. Erstmals findet das Finale nicht im wärmeren Süden oder einer geschlossenen und beheizten Arena statt, sondern in einem offenen Stadion in New Jersey. Der Super Bowl könnte für die Denver Broncos und die Seattle Seahawks zum Snow Bowl werden.

Zum wichtigsten Spiel der Saison sind Temperaturen um den Gefrierpunkt vorausgesagt. “Ich denke, es kommt trotzdem noch mehr auf den Gegner an als auf das Wetter”, stellt Denvers Peyton Manning klar. Er ist nach Craig Morton und Kurt Warner der dritte NFL-Quarterback, der es mit zwei Teams ins Finale geschafft hat. Und er wäre bei einem Sieg der erste, der die Vince-Lombardy-Trophy mit zwei Mannschaften gewinnen würde. 2007 hatte Manning mit den Indianapolis Colts den Titel geholt.

Auf der anderen Seite steht Russell Wilson. Der 25-jährige Spielmacher der Seahawks hat bereits eindrucksvoll bewiesen, dass man auch als eher kleiner Quarterback (1,80 Meter) groß auftrumpfen kann. Wilson spielt erst seine zweite Saison, ist aber längst zu einem Star aufgestiegen und zeigte sich im Vorfeld so cool wie ein Routinier. Sein Motto: “Hab’ ein Lächeln im Gesicht, genieße den Moment und schlage zu, wenn ein entscheidender Spielzug ansteht.”

Denver Offense gegen Seattle Defense

Die Voraussetzungen für ein Football-Fest scheinen gegeben. Denver, bei den Buchmachern leicht favorisiert, stellt die beste Offensive der Liga, Seattle die stärkste Verteidigung. Manning, der so viele Touchdowns (55) in dieser Saison geworfen hat, wie kein Quarterback zuvor, trifft auf die Seahawks-Defensive, deren Spezialität es ist, das Pass-Spiel des Gegners zu unterbinden.

Seattle wiederum ist laufstark und hat in Marshawn Lynch einen der besten Runningbacks der Liga. Wenn der 1,78 Meter große und 98 Kilo schwere Modellathlet zu seinen unwiderstehlichen Läufen ansetzt, schrien in der Vergangenheit bei Heimspielen die Fans schon mal so euphorisch auf, dass die Messinstrumente im stadionnahen Pazifik-Institut für Seismologie ein leichtes Erdbeben anzeigten.

In beiden Teams gibt es neben den Superstars auch Rollenspieler, die mit ihren Stories in den vergangenen Tagen die Sympathien ihrer Landsleute gewonnen haben. Denvers Cornerback Champ Bailey bespielsweise. Der 35-Jährige steht in seiner 15. NFL-Saison erstmals im Endspiel. “Es gibt viele Spieler bei uns, mich eingeschlossen, die dieses Match für ihn gewinnen wollen”, sagt Manning.

Günstiger dank Kälte – Seit Tagen wird gefeiert

Neben dem Sport bietet der Super Bowl auch immer eine riesige Show. Seit Tagen schon feiern die Menschen mitten in Manhattan auf dem Super-Bowl-Boulevard. Zahlreiche Celebrities haben es sich nicht nehmen lassen, für das Big Game in den Big Apple zu kommen. Frieren, frösteln, Football – diese Kombination ist für viele ohnehin nicht neu. Denn American Football gilt eher als Wintersport.

Und für die Fans haben die niedrigen Temperaturen sogar etwas Gutes: Die Ticketpreise fallen täglich um bis zu 100 Dollar. Am Donnerstag betrug der Durchschnittspreis für eine Finalkarte 2465 Dollar. Das sind laut Wirtschafts-Magazin “Forbes” 34 Prozent weniger als unmittelbar nach den Halbfinals am 19. Januar.

Roger Goodell braucht natürlich keinen Eintritt zu zahlen. Der NFL-Commissioner musste sich aufgrund des Austragungsortes Kritik gefallen lassen. Nun will er zeigen, dass ein Open-Air-Super Bowl auch im kalten Norden machbar ist. Deshalb wird Goodell das Spiel nicht aus einer Loge oder VIP-Box verfolgen, sondern draußen sitzen. So wie die 79 000 Fans auch.

(dpa)

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