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Studie: Ummet-Moschee in Feldkirch war Ort der Radikalisierung

Großteils bemühen sich die Moscheen in Vorarlberg um Integration.
Großteils bemühen sich die Moscheen in Vorarlberg um Integration. ©Steurer/APA
Die im Herbst 2018 aufgelöste Ummet-Moschee in Feldkirch hat mit dem Verteilen von Koran-Übersetzungen offenbar zur dschihadistischen Radikalisierung von Jugendlichen beigetragen.

Das geht aus einer vom Land Vorarlberg in Auftrag gegebenen Studie hervor, die sämtliche Moscheevereine in Vorarlberg in Augenschein genommen hat. Die Moscheegemeinden selbst verstehen sich als “Brückeninstitutionen”.

Die über 200 Seiten starke Studie, die von der Projektstelle “okay.zusammen leben” erstellt wurde, hat insbesondere den Beitrag der Moscheevereine zur Integration der muslimischen Bevölkerung untersucht. “Die Studie ermöglicht eine faktenbasierte und konstruktive Auseinandersetzung und ist somit ein wichtiger Beitrag für die Fortsetzung unseres Dialogs mit den lokal verankerten Moscheegemeinden auf Basis des Förderns und Forderns”, sagte der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) anlässlich der Präsentation der Studien-Ergebnisse.

Gespräch mit Historikerin Eva Grabherr

Dschihadistische Radikalisierung von Jugendlichen

Die Ummet-Moschee wurde von den Studienautoren als “politisch-salafitisch” beschrieben, die Betreiber der Moschee lehnten ein Gespräch mit den Autoren ab. Die Moscheegemeinde war Ausgangspunkt für Vorarlberger Aktivitäten im Rahmen der “Lies!-Kampagne”, bei der auch in Vorarlbergs Städten an aufgestellten Infoständen Übersetzungen des Korans verteilt wurden. Diese Kampagne habe stark zur dschihadistischen Radikalisierung von Jugendlichen in Deutschland und Österreich beigetragen, heißt es in der Studie. Ein Teil der damit angesprochenen Jugendlichen sei 2014/2015 in Syrien beim “Islamischen Staat” (IS) oder bei anderen dschihadistischen Organisationen gelandet.

In dem kleinen, etwa für 50 Personen geeigneten Gebetsraum hätten sich bis Herbst 2018 vor allem junge salafitische Vorarlberger mit tschetschenischem, dagestanischem, bosniakischem, türkischem, kurdischem und afghanischem Migrationshintergrund versammelt. Der Vorarlberger Verfassungsschutz und die Sicherheitsbehörden haben den Verein beobachtet, das gilt auch nach der Moschee-Auflösung für die in Vorarlberg verbliebenen aktiven Mitglieder. Die Ummet-Moschee wurde aufgelassen, weil das Mietverhältnis mit dem Verein aufgelöst wurde.

12.900 Personen mit Verbindung zu Moscheen

In Vorarlberg existierten zum Zeitpunkt der Studienerstellung (inklusive Ummet-Moschee) 37 islamische Gebetshäuser, rund 12.900 Personen – das sind nicht ganz 25 Prozent der muslimischen Bevölkerung des Landes – hatten und haben eine Mitgliederbindung an Moscheevereine. 32 Moscheevereine werden von fünf überregionalen Dachverbänden getragen, dabei handelt es sich um die AIF (Österreichische Islamische Föderation), ATF (Österreichische Türkische Föderation), ATİB (Türkisch-Islamische Union in Österreich), VIKZ (Verband Islamischer Kulturzentren) und die IZBA (Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich). Die anderen fünf waren bzw. sind Einzelvereine.

“okay.zusammen leben”-Geschäftsführerin Eva Grabherr nannte die Studie eine wichtige Informationsgrundlage für die gemeinsame Gestaltung der Integration der islamischen Organisationen in die Vorarlberger Gesellschaft. “Sie erfasst die Moscheegemeinden als lokale Organisationen, die vernetzt sind mit der Vorarlberger Gesellschaft und unter hohem ehrenamtlichen Engagement den Vorarlberger Musliminnen und Muslimen eine Infrastruktur für deren religiöse Bedürfnisse bietet”, so Grabherr. Die Studie beschreibe aber auch die Geschichte der Organisationen, in welche die Moscheegemeinden eingebunden sind, und deren religionspolitische Ausrichtungen.

(APA)

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