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Stillwater - Gegen jeden Verdacht: Kritik und Trailer zum Film

Eine junge Frau aus den USA soll gemeinsam mit ihrem Freund in Italien die britische Mitbewohnerin umgebracht haben - der Fall von Amanda Knox sorgte vor Jahren weltweit für Schlagzeilen. Nach der Ermordung von Meredith Kercher 2007 wurde Knox in Italien zunächst wegen Mordes verurteilt, 2015 aber endgültig freigesprochen. Nun kommt ein prominent besetzter Hollywoodfilm in die Kinos, der auffällig viele Parallelen zu diesen Ereignissen hat.

Im neuen Drama von Tom McCarthy reist Matt Damon nach Marseille, um nicht nur seine Tochter im "Taken"-Stil zu befreien, sondern auch etwas über Liberté, Égalité, Fraternité und die Liebe zu lernen. "Stillwater" (ab Donnerstag im Kino) wurde inspiriert von Amanda Knox, die nach fast vier Jahren in einem italienischen Gefängnis für den Mord an ihrer Mitbewohnerin freigesprochen wurde. Sie ist nicht erfreut - zu Recht.

Stillwater - Gegen jeden Verdacht: Kurzinhalt zum Film

Tom McCarthy, der Drehbuchautor und Regisseur, der einen Oscar für "Spotlight" (2015) gewann, hat inzwischen auf den Artikel reagiert, den Amanda Knox über seinen Film "Stillwater" gepostet hat. Er habe "tiefes Mitgefühl für sie und das, was sie durchgemacht hat". Sie hat ihn beschuldigt, dass sein Drama von dem profitiert, was sie "mein Trauma ohne meine Zustimmung" nennt. "Es verstärkt das Bild von mir als schuldige Person", schrieb Knox. Und damit hat sie nicht ganz Unrecht. Im Film gibt es eine Szene, die andeutet, dass die Figur nicht unschuldig ist. "Stillwater" spielt nicht nur locker mit den Fakten des Falls, sondern benutzt ihn, um die klischeehafte Geschichte eines weißen, rechtsgerückten Amerikaners zu erzählen, dem die Franzosen den Kopf waschen.

In "Stillwater" reist Matt Damons Bill Baker nach Marseille, um seine entfremdete Tochter Allison (eine fehlbesetzte Abigail Breslin), der ähnliches wie Knox widerfahren ist, aus dem Gefängnis zu holen. Sie verbüßt eine Haftstrafe für die Ermordung ihrer Freundin, obwohl sie behauptet, dass der wahre Mörder ein junger Araber ist, der noch auf freiem Fuß ist. Die Anwälte interessiert das nur wenig, also nimmt Bill den Fall selbst in die Hand und beginnt Bourne zu spielen.

Er ist ein bodenständiger Bauarbeiter aus Oklahoma, mit einer Baseballkappe auf dem Kopf und einer patriotischen Weißkopfadler-Tätowierung auf seinem Arm. Er ist ein Kerl, der sich Junkfood in den Mund stopft, bevor er in sein Zimmer in einem Best Western eincheckt. Vor jeder Mahlzeit betet er. Und obwohl er aussehen soll wie der stereotype amerikanische Hinterwäldler, verleiht ihm Matt Damon gelegentlich einen Hauch von weichherziger Nuance, während er von Szene zu Szene schlurft. Er wirkt die meiste Zeit über sanftmütig, aber unter der Oberfläche brodelt die Wut. Er spricht die Sprache nicht und versteht auch die französische Kultur nicht.

Stillwater - Gegen jeden Verdacht: Die Kritik

Tatsächlich verlieren die Filmemacher fast das Interesse an Allisons Fall, als Bill die unwahrscheinlichste Beziehung der Filmgeschichte eingeht. Er zieht bei der hübschen, aufgeschlossenen französischen Theaterschauspielerin Virginie (Camille Cottin) und ihrer kleinen Tochter Maya (Lilou Siauvaud) ein, und er wird zuerst zum Ersatzvater und dann zum Geliebten. Nach einem Leben voller Gewalt, Alkohol und Drogen fühlt Bill sich erlöst und die Romantik blüht. L'amour, toujours.

Für eine Weile führt ihre Beziehung zu einigen interessanten interkulturellen Auseinandersetzungen, von einer Diskussion über Waffen bis hin zur Behandlung von Rassisten und Einwanderern. Und dann plötzlich gegen Ende bringt ihn ein unverschämter Zufall auf die Spur des mutmaßlichen Mörders und verwandelt Bill praktisch im Handumdrehen vom Bauarbeiter in eine Art heldenhaften Vater wie Liam Neeson in "96 Hours". Natürlich gibt es den Elefanten im Raum, dem der Film lieber ausweicht. Auf die Frage, ob Bill Donald Trump gewählt hat, sagt er, dass er ein Ex-Sträfling ist und deshalb nicht wählen darf und verrät nichts weiter, bevor die Szene schnell weitergeht.

Tom McCarthy, sein Ko-Autor Marcus Hinchey und die beiden französischen Autoren, mit denen sie zusammengearbeitet haben, Thomas Bidegain und Noé Debré ("Dämonen und Wunder"), scheinen alle zu wollen, dass wir den amerikanischen "Redneck" ein bisschen besser verstehen, aber am Ende versteht man wirklich gar nichts. Leider, obwohl es auf Tiefe abzielt, ist "Stillwater" am Ende so seicht wie der Neusiedler See. Schwer vorstellbar, dass dieser Film bei seiner Premiere in Cannes eine fünfminütige Standing Ovation erhielt.

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(APA/Red)

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