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Stadt Hohenems wird blau - Bludenz bleibt in ÖVP-Hand

Hohenems wird blau - Bludenz bleibt schwarz.
Hohenems wird blau - Bludenz bleibt schwarz. ©VOL.AT/Steurer, Stiplovsek
Hohenems, Bludenz. Die viertgrößte Stadt Vorarlbergs ist am Sonntag von schwarz auf blau umgefärbt worden: Herausforderer Dieter Egger, FPÖ-Landesparteichef, hat die Wiederholung der Bürgermeisterstichwahl klar mit 55,75 Prozent gegen Amtsinhaber Richard Amann (ÖVP) gewonnen. In Bludenz bleibt alles beim Alten: ÖVP-Bürgermeister Mandi Katzenmayer gewann mit 54,56 Prozent.
Egger mit neuer Zukunft in Ems
Stadt Bludenz bleibt in ÖVP-Hand
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Der Sieg Eggers in der Nibelungenstadt wird auch zu Veränderungen in der Landespolitik führen. Egger (46) wird im Jänner sein Amt als FPÖ-Klubobmann im Landtag zurücklegen und vermutlich noch im Frühjahr als Landesparteiobmann Platz für einen Nachfolger machen. Das bekräftigte er in einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis in Hohenems. Wie angekündigt, wolle er sich auf das Bürgermeisteramt konzentrieren, dazu aber auch als “einfacher Abgeordneter” im Landtag “Sprachrohr für die Stadt” bleiben. Wann der Wechsel an der Spitze der Nibelungenstadt formal über die Bühne geht, war vorerst wegen der bevorstehenden Feiertage unklar. Egger will wegen der notwendigen Termine am Montag mit dem zuständigen Bezirkshauptmann sprechen.

Richard Amann: “Es tut mir leid für Hohenems”

Dennoch kündigte Wahlverlierer Richard Amann an, noch am Sonntag sein Büro zu räumen. Das Kapitel Stadtpolitik “ist erledigt”, “für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der qualitativ nicht schlechter sein wird”. Er war relativ gefasst vor die Journalisten getreten, glaubte aber, “die Stadt hätte etwas anderes verdient. Es tut mir leid für Hohenems”. Über seine berufliche Zukunft wollte der 59-Jährige nichts sagen. Vor seiner ersten Wahl zum Bürgermeister 2004 war Amann für ein großes Vorarlberger Bauunternehmen tätig.

Bernhard Amann als erster “externer” Gratulant

Dieter Egger war im “Medien-Center” der Stadt erst gar nicht aufgetaucht. In einem gegenüber liegenden Lokal am Schlossplatz hatten sich die FPÖ-Anhänger schon zu Mittag getroffen. Noch bevor das Ergebnis verkündet worden war, wussten die Egger-Getreuen offenbar schon Bescheid, verfielen in lautstarken, anhaltenden Jubel und hüllten den Vorplatz in blauen Rauch. Vizebürgermeister Bernhard Amann von den Emsigen/Grünen stellte sich dort als erster “externer” Gratulant bei Egger ein. Beide betonten dabei, “weiterhin” auf Sachlichkeit zu setzen. Bernhard Amann galt als einer der führenden Köpfe der bisherigen Ablehnungsfront gegen Egger. Er werde auf jeden Fall Vizebürgermeister bleiben, sagte Bernhard Amann. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,74 Prozent und damit unter der Stichwahl vom 29. März dieses Jahres.

Katzenmayer gewann Stichwahl-Wiederholung in Bludenz erneut

Die Stadt Bludenz bleibt hingegen in schwarzer Hand. Amtsinhaber und ÖVP-Kandidat Josef “Mandi” Katzenmayer gewann die Stichwahl-Wiederholung mit 566 Stimmen Vorsprung gegen SPÖ-Herausforderer Mario Leiter. Damit gelang der SPÖ die Rückeroberung der ehemals roten Bastion erneut nicht. “Knapp dran, aber jetzt wieder weit weg”, lautete lapidar der Kommentar des SPÖ-Landeschefs Michael Ritsch. Wenig enttäuscht zeigte sich hingegen der SPÖ-Kandidat. Das Ergebnis sei zurecht zustande gekommen, die SPÖ habe bereits bei den Gemeindewahlen ein einzigartiges Ergebnis geliefert. Leiter will weiter Vizebürgermeister und Stadtpolizist in der Alpenstadt bleiben.

Sieger Katzenmayer war deutlich erfreut, es sei “ein feines Gefühl”, sagte er in einer ersten Reaktion. Anders als immer wieder kolportiert, wird der 64-Jährige die volle Periode Bürgermeister bleiben. Die Wahlwiederholungen war notwendig geworden, nachdem der Verfassungsgerichtshof vermutete Unregelmäßigkeiten bei der Stichwahl im März in den beiden Städten bestätigt hatte.

Freude und Enttäuschung bei Parteichefs

Nach der Wiederholung der Bürgermeisterstichwahlen in Hohenems und Bludenz herrschte am Sonntag bei der FPÖ große Freude. SPÖ-Parteichef Michael Ritsch bedauerte die Niederlage des SPÖ-nahen Kandidaten Mario Leiter, Landeshauptmann und ÖVP-Parteiobmann Markus Wallner freute sich über den Sieg des ÖVP-Stadtchefs in der Alpenstadt, die Entscheidung der Hohenemser müsse man akzeptieren.

Waller: Ergebnisse sind zu respektieren

Die Ergebnisse der Bürgermeisterdirektwahlen in Hohenems und Bludenz seien zu respektieren, sagte Wallner in einer ersten Stellungnahme nach dem Vorliegen der Wahlergebnisse. Die Bevölkerung in Hohenems habe sich für einen Wechsel an der Spitze der Stadt entschieden, Bludenz hingegen habe dem amtierenden Bürgermeister weiterhin das Vertrauen geschenkt. In punkto Hohenems sei die Mobilisierung für Amann nicht in dem Ausmaß gelungen, wie das notwendig gewesen wäre, analysierte Wallner und dankte dem scheidenden Bürgermeister für seine Arbeit.

Dem Bludenzer Bürgermeister Mandi Katzenmayer gratulierte Wallner zum Sieg. Katzenmayer habe Führungsstärke bewiesen und damit punkten können. Angesprochen auf die Ursache der Wahlwiederholung – der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hatte die Stichwahl vom 29. März wegen Gesetzesbrüchen im Umgang mit Wahlkarten in beiden Städten aufgehoben – forderte der Landeshauptmann künftig “noch mehr Bedacht daraufzulegen, das Wahlgesetz auf Punkt und Beistrich einzuhalten”. “Ich bin sicher, dass alle aus der Wahlwiederholung die entsprechende Lehre gezogen haben”, so der ÖVP-Landeschef.

Ritsch: “Hätte Leiter den Bürgermeistersessel gegönnt”

SPÖ-Parteivorsitzender Ritsch gratulierte seinem FPÖ-Pendant Dieter Egger zum Sieg in dessen Heimatstadt. “Offenbar haben die Hohenemser die Verfehlungen bei der Stichwahl im März nicht goutiert”, sagte Ritsch. Das Ergebnis in Bludenz sei zu akzeptieren, “ich hätte Mario Leiter allerdings den Bürgermeistersessel gegönnt”. Immerhin seien die Verfehlungen in Bludenz gravierender gewesen als in der Nibelungenstadt. In einer ersten Analyse des Wahlkampfes meinte Ritsch, man hätte eventuell wie in Hohenems das Thema der Gesetzesbrüche stärker thematisieren sollen. Leiter habe aber auf jeden Fall einen “Wahlkampf mit Herz” geführt.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl bezeichnete das Ergebnis in Hohenems in einer Aussendung als “grandios” und “klaren Vertrauensbeweis” für Dieter Egger. Dieser wertete den Wahlerfolg nicht alleine für seine Person: “Es ist ein Tag der Gerechtigkeit und eine klare Absage an Unregelmäßigkeiten im Land.” (APA)

Alle Videos vom Wahltag im Überblick

Dieter Egger zum Wahlsieg

Hohenems: Der Abgang von Richard Amann

Bernhard Amann zum Egger-Wahlsieg

FPÖ Hohenems in Feierlaune

Dieter Egger vor dem Wahlergebnis

Hohenems: Die Erwartungen der Wähler

Bürgermeister Richard Amann bei der Stimmabgabe

Vizebürgermeister Bernhard Amann

Mandi Katzenmayer zum Wahlsieg

Mario Leiter zum Wahlausgang in Bludenz

Erwartungen der Bürger in Bludenz

Bürgermeister Mandi Katzenmayer hat gewählt

Mario Leiter hat gewählt

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