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Speditionskartell aufgedeckt: Vorarlberger Firmen beteiligt

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Spediteure. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wirft 40 Spediteuren illegale Preisabsprachen vor und hat den Fall beim Kartellgericht eingebracht. Betroffen sind unter anderem die Gütertochter der staatlichen ÖBB Rail Cargo Austria (RCA) und der Lauteracher Großkonzern Gebrüder Weiss.
Grafik: Geldstrafen des Kartellgerichts
BWB hat Speditionskartell aufgedeckt
Kartellverdacht: Das Schweigen der Speditionen
VOL Live-Reporter Ulrich Schwendiger über das Schweigen der Speditionen

Post nicht betroffen

Drehscheibe der Absprachen soll der Zentralverband für Spedition und Logistik sein, der private Lobbyingverein der Spediteure. Laut BWB gab es im Verband ein Gremium namens „Speditions-Sammelladungs-Konferenz“ (SSK), in dem die Absprachen stattfanden. Der Kronzeuge der BWB soll Branchenkreisen zufolge von der Spedition Schenker kommen. Nicht betroffen von den Ermittlungen ist die Post, die ebenfalls Mitglied des Zentralverbandes ist. Ebenfalls nicht betroffen sind Frächter, wie der Verband der Güterbeförderer gestern betonte. Zur Erklärung: Frächter transportieren Waren via Lkw, während Spediteure den Güterverkehr neutral vermitteln, also über Straße, Schiene, See- und Luftfracht. Insgesamt hat der Zentralverband Spedition rund 1500 Mitglieder. Das Ermittlungsverfahren ist vom Ausmaß her mit dem Verfahren gegen das Aufzugskartell vergleichbar, der bisher größten Kartell-Causa in Österreich, teilte die BWB mit. Die mutmaßlichen Preisabsprachen betreffen den Preis und die Kundenaufteilung für den Transport von Stückgut in den Jahren 1994 bis 2007. Die BWB hat beim Kartellgericht Bußgelder beantragt – zunächst in unbestimmter Höhe. Gegen den Kronzeugen, der zur Aufdeckung der Kartelle beigetragen hat, wurde keine Strafe beantragt. Das Kartell verstößt nach Auffassung der BWB gegen das Europäische Kartellverbot.

Strafgelder fließen an Bund

Im heimischen Schienen-Spediteursbereich habe die SKK seit 1999 kooperiert. „In fortlaufenden, organisierten Zusammenkünften wurden marktsensible Informationen ausgetauscht sowie Tarife und das Vorgehen bei der Verrechnung der Lkw-Maut abgestimmt“, teilte die BWB mit. BWB-Chef Theodor Thanner: „Wir haben in diesem Fall intensiv ermittelt, um das Kartell aufzudecken, denn solche Absprachen fügen den Verbrauchern enorme Schäden zu.“ Die BWB spricht von einem „Hard-Core-Kartell“, in dem es eine geheime Absprache auf derselben Stufe der Produktions- und Vertriebskette geht, um Wettbewerb unter ihnen auszuschalten oder zu beschränken. Die Kompetenzen der BWB reichen hin bis zu einer Hausdurchsuchung. Etwaige Strafgelder gehen in das Bundesbudget.

Keine Auskunft

Die betroffene Branche selbst gibt sich wortkarg. Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA), an deren Spitze der Ex-Kühne + Nagl-Chef Friedrich Macher steht, bestätigte Ermittlungen. Man arbeite an einer Antwort auf die „BWB-Anfrage“, mehr wolle man zu dem laufenden Verfahren nicht sagen. Frank Angerer, Sprecher der Gebrüder Weiss, bestätigt gegenüber den VN das Einlangen der BWB-Unterlagen: „Wir prüfen das“, hält auch er sich bedeckt. Manfred Zaletel von Schenker Röthis seinerseits verweist auf VN-Nachfrage zu Schenker Wien. Kühne + Nagl verweigerte jegliche Auskunft. Thanner gibt sich jedenfalls zuversichtlich, er geht davon aus, dass die Kartellmitglieder zur Verantwortung gezogen werden.

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