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Spaziergänge durch Lustenau

Viele interessierte Bürger schlossen sich trotz strömenden Regens dem Spaziergang zum Alten Rhein an, um von der Flucht der jüdischen Bevölkerung zu erfahren.
Viele interessierte Bürger schlossen sich trotz strömenden Regens dem Spaziergang zum Alten Rhein an, um von der Flucht der jüdischen Bevölkerung zu erfahren. ©bvs
 Am Wochenende fanden in Lustenau drei themenzentrierte Spaziergänge statt. Der Andrang war groß.
Spaziergänge durch Lustenau

 

Lustenau „Nur zwölf Prozent der Bevölkerung ist in Lustenau zu Fuß unterwegs“, erklärte Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter (Grüne). Im Gegensatz dazu fahren 56 Prozent mit dem Auto. Ein Trend, den die Marktgemeinde Lustenau aufzeigen möchte. Sie hat deshalb den Wiener Stadtforscher Eugene Quinn nach Lustenau eingeladen, um geführte Spaziergänge zu verschiedenen Themen anzubieten. Zu Fuß erkundeten zahlreiche interessierte Bewohner am Wochenende ihre Heimatgemeinde und lernten allerhand neues dazu. Drei Rundgänge fanden statt, weitere vier folgen am kommenden Wochenende.

Andere Perspektive zu Fuß

Zu Fuß Lustenau erkunden. Neue Wege einschlagen und dabei mit fremden Personen ins Gespräch kommen. Das ist für den Stadtforscher Quinn das Besondere am Spazierengehen. „Ich kann selbst bestimmen, wie schnell ich gehen möchte und mit wem ich einen kurzen Small Talk mache. Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad, bleibt mir vieles verwehrt. Ich bin schlichtweg zu schnell“, erklärte Quinn den interessierten Spaziergängern. Den Auftakt zu den themengeführten Spaziergängen machte am Freitag der Rundgang durch das Auer Ried, gefolgt vom Erkunden der Jugendplätze zu Nacht und den jüdischen Fluchtgeschichten am Alten Rhein.

Kreative Zeit in der Nacht

Etwas Kleinstadtgefühl entdeckte Quinn am Jugendplatz Habedere. Er zeigte am Samstagabend mit zwei Mitarbeitenden der offenen Jugendarbeit Lustenau (OJAL) den Spaziergängern beliebte Ecken und Plätze der Lustenauer Jugend. Trotz strömenden Regens waren ein paar Junge unterwegs, die sich kurzerhand dem Spaziergang anschlossen und von ihrer Zeit, während der vielen Corona-Lockdowns erzählten. Sie berichteten, wie sie sich in Lustenau wohlfühlen und wie das Leben als Jugendlicher in Lustenau ist. Aufmerksam hörten die Fußgänger zu und kamen ins Gespräch mit den Jugendlichen. „Beim Spazierengehen betrachtet man vieles aus einer anderen Perspektive. Man hat Zeit sich intensiver mit einem Thema auseinanderzusetzen“, so Quinn.

Rohr offen

Großes Interesse herrschte auch beim Rundgang zum Alten Rhein und den jüdischen Fluchtgeschichten während des zweiten Weltkrieges in die benachbarte Schweiz. Der Historiker Peter Niedermair und die Künstlerin Margit Bartl-Frank spazierten mit rund 50 interessierten Anwohnern vom Gutshof Heidensand zum Rohr am Alten Rhein. Niedermair und Bartl-Frank erzählten von mutigen Bürgern, die den Juden zur Flucht verhalfen und sie dadurch vom Tod retteten. Die Spaziergänger erfuhren auch was es mit der Parole „Rohr offen“ auf sich hatte. Wurde dies ausgesprochen, mussten die Flüchtlinge schnell das Rohr durchqueren, ehe der Grenzbeamte auf der Schweizer Seite wieder beim Ausgang vorbeischritt. Beim gemeinsamen Fußweg zurück zum Ausgangspunkt vertieften sich die Gespräche einzelner Spaziergänger und es wurde eine Verbindung zu aktuellen Fluchtgeschichten gezogen. Kommendes Wochenende wird die erfolgreiche Aktion mit weiteren vier Spaziergängen fortgesetzt. bvs

 

 

„Beim Spazierengehen kommt man mit fremden Menschen ins Gespräch.“ Eugene Quinn, Stadtforscher aus Wien.

 

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