SOS-Kinderdorf: Schulschließungen erneut schlecht vorbereitet

SOS-Kinderdorf zu Lockdown: Pflichtschulschließung erneut schlecht vorbereitet.
SOS-Kinderdorf zu Lockdown: Pflichtschulschließung erneut schlecht vorbereitet. ©AFP/Symbolbild
Der Lehr-Auftrag dürfe nicht auf Eltern abgewälzt werden, kritisiert das SOS-Kinderdorf die erneuten Pflichtschulschließungen im zweiten Lockdown. Zudem lasse die Sonderbetreuungszeit für Eltern Fragen offen.

Das zweite Mal schlittern tausende Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern unvorbereitet ins Distance Learning. "Es kann nicht sein, dass man jetzt wieder die gesamte Last des Lehrens auf die Eltern abwälzt, weil man es nicht geschafft hat, geeignete Methoden für das Distance Learning von jüngeren Kindern zu finden. Es genügt einfach nicht, den Eltern mitzuteilen, welcher Lehrstoff zu vermitteln ist. Eltern sind keine Pädagoginnen und Pädagogen. Das ist kein Unterricht, wie er vom Gesetz vorgeschrieben ist. Kinder haben ein Recht auf Bildung – und zum Unterricht verpflichtet sind Lehrerinnen und Lehrer, nicht die Eltern", so Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

"Ungleichheiten werden vertieft"

Im Distance Learning fänden Kinder außerdem sehr unterschiedliche Bedingungen vor. Das werde die Ungleichheit in der Entwicklung, die sich schon nach dem ersten Lockdown abzeichne, weiter vertiefen, fürchtet Moser. "Besonders Kinder mit Lernschwächen, in beengten Wohnverhältnissen oder mit schlechter technischer Ausstattung werden im Lernfortschritt weiter zurück fallen. Bis sie womöglich komplett den Anschluss verlieren", ist Moser besorgt.

"Im Unterschied zu den höheren Klassen, die mittlerweile große Fortschritte im Umgang mit Distance Learning gemacht haben, sind viele Volks- und Mittelschulen nicht besser vorbereitet als im Frühling. Das ist dramatisch in Anbetracht der drastischen Auswirkungen, die mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt sind", so Moser.

"Es ist schwer nachvollziehbar, dass sich der Bildungsminister von der aktuellen Situation überrascht zeigt und es nicht absehbar fand, dass es erneut zu diesem Lockdown kommen würde. Warum wurde die Zeit seit Juli nicht für eine bessere Vorbereitung für den Ernstfall genutzt?", fragt Moser weiter.

Sonderbetreuungszeit lässt Lücken

Viele Fragen offen lasse auch die geplante Sonderbetreuungszeit für Eltern von Kindern unter 14 Jahren. Laut noch nicht endgültig beschlossenem Antrag könne sie nur beansprucht werden, wenn die Schule oder der Kindergarten wegen Quarantäne geschlossen wird. Das wäre für Familien eine Verschlechterung zum ersten Lockdown, so Moser. Denn im Frühling konnten Eltern im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber auch Sonderurlaub nehmen, wenn eine Betreuung an der Schule oder im Kindergarten möglich war. "Für viele Familien bedeutet das eine noch angespanntere Situation als beim ersten Lockdown – sie sind mit Home Office und paralleler Kinderbetreuung auf sich alleine gestellt. Offenbar hat man in den letzten Monaten nichts dazu gelernt. Den Familien, die dieses Jahr bereits Unglaubliches geschultert haben, wird einmal mehr die ganze Last übertragen", so der Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

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(Red.)

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