So wird Nico Rosberg heute noch Weltmeister

Hamilton und Rosberg schütteln sich vor dem finalen Duell noch einmal die Hände.
Hamilton und Rosberg schütteln sich vor dem finalen Duell noch einmal die Hände. ©AP
Die Hände reichten sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg nur für die Kameras. Vor ihrem finalen Duell um den Formel-1-Titel ist zwischen den beiden Mercedes-Piloten der Psycho-Zweikampf offen ausgebrochen. "Er hat alles zu verlieren, ich habe alles zu gewinnen", sagte Rosberg am Donnerstag in Abu Dhabi.
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Der Deutsche kündigte zudem für das gesamte Wochenende eine Verunsicherungstaktik gegen den britischen WM-Spitzenreiter an. “Ich muss versuchen, ihn so gut wie möglich nervös zu machen”, erklärte Rosberg. Hamilton mahnte prompt zur Fairness: “Wir sind keine Kinder. Wir wissen, was richtig und was falsch ist.”

Nico Rosberg wird Weltmeister, wenn…

  • er in Abu Dhabi gewinnt und Hamilton nicht über Rang drei hinauskommt
  • er Zweiter wird und Hamilton nicht über Rang sechs hinauskommt
  • er Dritter wird und Hamilton nicht über Rang sieben hinauskommt
  • er Vierter wird und Hamilton nicht über Rang neun hinauskommt
  • er Fünfter wird und Hamilton nicht über Rang zehn hinauskommt

Lewis Hamilton wird Weltmeister, wenn …

  • er vor Nico Rosberg landet
  • er Zweiter wird
  • er Dritter wird und Rosberg nicht über Rang zwei hinauskommt
  • er Vierter wird und Rosberg nicht über Rang zwei hinauskommt
  • er Fünfter wird und Rosberg nicht über Rang zwei hinauskommt
  • er Sechster wird und Rosberg nicht über Rang drei hinauskommt
  • er Siebter wird und Rosberg nicht über Rang vier hinauskommt
  • er Achter wird und Rosberg nicht über Rang vier hinauskommt
  • er Neunter wird und Rosberg nicht über Rang fünf hinauskommt
  • er Zehnter wird und Rosberg nicht über Rang sechs hinauskommt
  • er ohne Punkte bleibt und Rosberg nicht über Rang sechs hinauskommt

Rosberg braucht Hilfe von Hamilton

Doch Rosbergs Lust auf Attacke war schon bei seinen ersten Auftritten auf dem Yas Marina Circuit spürbar. 17 Punkte muss er am Sonntag im letzten Saisonrennen aufholen, um doch noch Weltmeister zu werden. Ein Sieg reicht dem 29-Jährigen trotz der Vergabe doppelter Punkte nur dann, wenn Hamilton höchstens Dritter wird. “Im Sport ist es schon oft so gekommen”, meinte Rosberg und stichelte: “Ich brauche Hilfe von Lewis, damit er nicht Zweiter wird. Ich hoffe, ihm fällt was ein.”

Mit 10:5-Saisonsiegen liegt Hamilton im internen Vergleich klar vorn. Aber Rosbergs Konstanz und Beharrlichkeit sowie sein bemerkenswerter Umgang mit einer Schwächephase im September und Oktober hielten die Titel-Hoffnung bis zum Schlussakt am Leben.

Keine Stallorder von Mercedes

Die Mercedes-Spitze will in den finalen Schlagabtausch nicht mehr eingreifen. “Wir lassen ihnen weitestgehend freie Hand. Beide sind gute Jungs, keiner von beiden ist hinterhältig”, erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Die Chance, im Schlussakt noch um die WM-Krone fahren zu können, will Rosberg mit beiden Händen packen. “In meiner Karriere ist das natürlich der Höhepunkt, ein richtig cooles Gefühl”, beteuerte er. Nach Rekordweltmeister Michael Schumacher und dem künftigen Ferrari-Piloten Sebastian Vettel könnte Rosberg der dritte deutsche Formel-1-Champion werden.

Entsprechend aufgedreht wirkte Rosberg nach seiner Ankunft in Abu Dhabi, forsch und fröhlich plauderte er über seine Taktik für die kommenden Tage. Hamilton dagegen saß in sich gekehrt im großen Pressesaal, wollte offenbar so wenig wie möglich von seinem Gefühlskosmos preisgeben. “Ich habe genug Erfahrung in meiner Karriere gesammelt, um auf diese Situationen vorbereitet zu sein”, versicherte der Weltmeister von 2008 kühl.

Hamilton will nicht wieder verlieren

Dreimal schon hatte Hamilton im letzten Saisonrennen noch Aussichten auf den Titel. 2007 als Neuling verspielte er noch alles und musste Kimi Räikkönen passieren lassen. Nach seinem Triumph im dramatischen Finale 2008, als er in der letzten Kurve noch Felipe Massas WM-Traum platzen ließ, hatte er zwei Jahre später erneut das Nachsehen. Im packenden Vierkampf setzte sich damals Red-Bull-Pilot Vettel durch.

WM-Kicker als Vorbild für Rosberg

Rosberg will sich ohnehin nicht an den schmutzigen Duellen wie einst zwischen Alain Prost und Ayrton Senna orientieren, sondern lieber an den Fußball-Weltmeistern. “Das ist wie für die Nationalspieler ein WM-Finale mit einem 0:1-Rückstand”, beschrieb er seine Ausgangslage und verwies dann auf den Triumph von Joachim Löws Auswahl in Brasilien: “Das ist schon eine Inspiration für mich, das Kämpferherz, das sie gezeigt haben.”

(APA/Red.)

 

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