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So verhütet Österreich

Die Österreicher verhüten wenig und haben viele falsche Vorstellungen und Ängste.
Die Österreicher verhüten wenig und haben viele falsche Vorstellungen und Ängste.
Verhütungsreport 2019 zeigt Rückgang bei hochwirksamen Mitteln.

Immerhin: Die meisten Frauen (83 Prozent) und Männer (89 Prozent) sind mit ihrer Sexualität zufrieden und auch Mann würde gerne „Verhütungsverantwortung“ übernehmen. Der nunmehr 3. österreichische Verhütungsreport (Gynmed-Report) ist da. Die repräsentative Umfrage wurde von Integral bei 1782 Frauen und Männern im Alter von 16 bis 49 Jahren durchgeführt und sie bestätigt: Die Österreicher verhüten wenig und haben viele falsche Vorstellungen und Ängste.

Weit verbreitet ist der Glaube, dass die Fruchtbarkeit der Frau sich auf 0 bis 3 oder höchstens sieben mögliche Schwangerschaften im Leben beschränkt. „Eine fatale Fehleinschätzung, die mitverantwortlich ist, dass sich Österreich auch im negativen europäischen Spitzenfeld bei Schwangerschaftsabbrüchen befindet“, erklärt DDr. Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums in Wien und Initiator des Reports. Dazu kommt die seit einigen Jahren zu beobachtende „Hormonangst“, die dazu führt, dass die wirksamen Methoden immer ­weniger angewendet werden.

Zu wenig darüber reden

Der Gynmed-Report zeigt auch ein großes Verhütungsmissverständnis zwischen Männern und Frauen. Während die meisten Männer resigniert zur Kenntnis nehmen, dass sie mit den aktuellen Methoden wenig bis keine Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit haben, sind Frauen überzeugt, dass dies den Männern egal ist, sie nicht darüber nachdenken oder es ihnen sogar recht ist. Hier gibt es also großen Kommunikationsbedarf zwischen den Geschlechtern. Denn 39 Prozent der Männer würden eine wirksame reversible Methode anwenden, wenn es eine solche gäbe. Es sind sogar 53 Prozent unter denen, die bereits eine schlechte Erfahrung mit der Verhütungsabhängigkeit von der Partnerin gemacht haben.

Langzyklus wird vermieden

Seit einigen Jahren ist eine zunehmende Hormonskepsis zu beobachten. „Frauen möchten verhüten, ohne in die natürlichen Abläufe im Körper einzugreifen“, so Psychologin Elisabeth Parzer. Entsprechend schwierig gestaltet sich deshalb die Entscheidung für eine Verhütung. Denn die wirksamen Methoden basieren auf Hormonen, mit Ausnahme der Kupferspirale und der Sterilisation.

Die widersprüchliche Überzeugung nicht in den Körper einzugreifen, zeigt sich auch unter den Frauen, welche die Pille, das Pflaster oder den Ring anwenden. 52 Prozent von ihnen machen jeden Monat eine 7-tägige Pause, wodurch eine Blutung künstlich ausgelöst wird. 69 Prozent von ihnen begründet dies mit der (falschen) Vorstellung, dass dies besser für den Körper sei.

Verhütung soll leistbar sein

„Es ist zu hoffen, dass die Politik die bisherige Untätigkeit in der Prävention ungewollter Schwangerschaften überwindet“, erklärt nun Fiala. Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, was von Fachkräften schon lange eingefordert wird, dass folgende Maßnahmen notwendig sind: regelmäßige Aufklärungskampagnen u. a. auch für Migranten, Kostenübernahme ärztlicher Beratung, wirksame Verhütungsmittel auf Krankenschein, denn viele Menschen können sich beispielsweise die sehr wirksame Spirale nicht leisten. „Diese überfälligen Maßnahmen sind im übrigen Westeuropa seit Jahrzehnten selbstverständlich. Denn: schlechte Verhütung führt nicht zu mehr Geburten, sondern nur zu mehr Schwangerschafts­abbrüchen“, so Fiala abschließend.

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