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Separatisten drohen Groß-Offensive an

Separatisten gehen in die Offensive.
Separatisten gehen in die Offensive. ©EPA
Nach dem Granatenbeschuss einer Bushaltestelle im ostukrainischen Donezk haben die prorussischen Aufständischen eine neue Großoffensive angekündigt. Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden - gegebenenfalls auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko am Freitag örtlichen Medien zufolge in der Großstadt Donezk.
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“Falls ich eine Gefährdung für die Donezker Erde von irgendeiner Siedlung sehe, werde ich diese Gefahr auch dort beseitigen”, drohte er. Bewaffnete Kräfte der selbstproklamierten “Volksrepubliken” Donezk und Lugansk (Luhansk) würden derzeit auf mehrere Orte in der Unruheregion Donbass vorstoßen.

Ukraine: “Russische Terrorgruppen” greifen an

Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates in Kiew, Alexander Turtschinow, sprach hingegen von “regulären Einheiten der russischen Streitkräfte”, die eine Offensive gestartet hätten. Die “russischen Terrorgruppen” griffen praktisch entlang der ganzen Frontlinie an, “nahe bei Donezk und im Süden”. Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Lage aber unter Kontrolle und würden zum Gegenangriff ausholen.

Rebellenführer Sachartschenko sagte zudem, dass es vorerst keine Angebote einer Feuerpause vonseiten der Aufständischen an die Zentralregierung in Kiew mehr geben wird. Mit der prowestlichen Regierung in Kiew würden die Aufständischen lediglich Gespräche über einen Gefangenenaustausch führen.

“Wenn Poroschenko kommt, werden wir sprechen”

Als Verhandlungspartner erkenne er nur noch Präsident Petro Poroschenko an. Die bisherige Besetzung der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sei “sinnlos”. “Wenn Poroschenko kommt, werden wir sprechen”, meinte der Separatistenführer.

Moskau forderte ein rasches Treffen der Krisen-Kontaktgruppe. Ohne neue Gespräche der Konfliktparteien unter Leitung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sei eine Deeskalation der Lage nicht in Sicht, sagte Vize-Außenminister Gennadi Karassin am Freitag in Moskau.

Beim Beschuss einer Bushaltestelle mit Granaten in Donezk waren am Donnerstag zahlreiche Zivilisten getötet worden. Regierungseinheiten und Aufständische geben sich gegenseitig die Schuld an der Tragödie. Der UNO-Sicherheitsrat und die Europäische Union verurteilten den Anschlag aufs schärfste und forderten eine “unabhängige Untersuchung”.

Putin macht Kiew für neue Gewalt verantwortlich

Der russische Präsident Wladimir Putin machte erneut die Ukraine für die jüngste der Gewalteskalation in den Konfliktregionen in der Ostukraine verantwortlich. Putin warf Kiew außerdem vor, nicht auf seinen Vorschlag reagiert zu haben, als ersten Schritt zur Umsetzung einer Feuerpause schwere Waffen hinter eine Demarkationslinie zurückzuziehen.

Die Außenminister der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands hatten am Mittwochabend in Berlin vereinbart, dass die Konfliktparteien ihre schweren Waffen aus einer Pufferzone entlang einer Demarkationslinie abziehen. Russland sicherte zu, in diesem Sinne auf die Rebellen einzuwirken.

Poroschenko kam am Donnerstagabend mit seinen wichtigsten Ministern zu Beratungen über die Lage im Osten des Landes zusammen. Dabei habe er angeordnet, bei Verstößen gegen die in Minsk im September vereinbarte Waffenruhe “dem Feind eine auf die Schnauze zu hauen”, zitierte die russische Agentur Ria Nowosti Poroschenkos Sprecher Swjatoslaw Zegolko.

Über 5.000 Tote in Ukraine-Krise bisher – 262 Tote in letzten Tagen

Der OSZE und UN-Schätzungen zufolge ist die Todesopferzahl seit Beginn des Ukraine Konflikts auf mindestens 5.086 gestiegen. “Wir befürchten, es könnte auch mehr sein”, sagte der UN-Menschenrechtssprecher Rupert Colville am Freitag in Genf. In den vergangenen neun Tagen seien 262 Menschen bei den Gefechten zwischen Armee und Separatisten ums Leben gekommen – “der tödlichste Zeitraum” seit September 2014, ergänzte Colville.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) beklagte unterdessen, neue ukrainische Sicherheitsvorschriften behinderten die Lieferungen von Hilfsgütern in das Krisengebiet in der Ostukraine und erschwerten das Leben der durch die Kämpfe vertriebenen Menschen zusätzlich.

(APA/Red.)

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