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Seine Freiheit in Libyen

Bludenz (VN) -  Peter Hinterreiter organisiert seit 20 Jahren Wüstentouren durch Libyen. Dort traf er auch Saif Gaddafi.
Es war für ihn das Land der Freiheit. Endlose Weiten, Wüste, Naturwunder. Er schwärmt vom Mückenkrater Waw Namus und den bunten Seen rundherum. Dem Akakus-Gebirge. Und vor allem von der Gastfreundlichkeit der Libyer. Peter Hinterreiter veranstaltet Erlebnisreisen quer durch die Wüste. Per Pickup, Motorrad oder Lkw. Eine Million Kilometer hat er bereits in Afrika zurückgelegt. Vier bis fünf Mal im Jahr fährt er nach Libyen. Fuhr, besser gesagt. Denn seit Februar ist es damit vorbei. Die Unruhen in der arabischen Welt machten auch vor Libyen nicht halt. Jetzt kämpfen dort die Rebellen um Freiheit. Und scheinen nach einem halben Jahr jetzt ihr Ziel erreicht zu haben: Muammar Gaddafis Regime steht vor dem Ende.

Stammesfehden

Hinterreiter schaut streng. Für ihn ist es kein Grund zum Jubeln. Dass Gaddafi als Diktator mitunter brutal war, das stellt er nicht in Abrede. Aber ob es jetzt besser wird? Der Bludenzer schüttelt den Kopf. „Es gibt genügend Stammesfehden. Wenn der Bürgerkrieg vorbei ist, werden sich die Stämme gegenseitig bekriegen. Das Volk wird von der Revolution wenig haben, auch in Zukunft werden ein paar korrupte Familien die Macht übernehmen“, sagt er. Und verweist auf die jetzige Lage in Ägypten und Tunesien. „Wo ist denn dort die Demokratie?“ Der 60-Jährige geht mit USA und Europa hart ins Gericht. „Jeder hat ja davon profitiert. Man hat Gaddafi jahrelang hochleben lassen, dabei war er damals wie heute der gleiche Diktator. Es geht auch jetzt nicht um die Leute, sonst hätte man in Syrien schon viel früher eingreifen müssen“, ist er sich sicher.

Motocross-Profi

Hinterreiter war Motocross-Profi. Sechs Jahre lang als Brotberuf. Dann eröffnete er ein Motorradgeschäft in Bürs, und baute nebenbei BMW zu Rallyeautos um. Die mussten natürlich getestet werden, erstmals 1983 in der algerischen Wüste. „Es sind dann immer mehr Leute geworden, und so bin ich dann zum Reiseveranstalter geworden“, blickt der Bludenzer zurück.Seitdem geht es regelmäßig nach Afrika. Im Pickup und 22 Tonnen 3-Achs-Lkw geht es nach Genua, mit der Fähre weiter nach Tunesien bis nach Libyen. Drei Tage dauert das.

Ballonfahrt mit Gaddafis Sohn

Gaddafis Sohn Saif al-Islam, der am Sonntagabend laut Rebellen in Tripolis festgenommen wurde, kennt Hinterreiter nicht nur aus den Nachrichten. Er war schon mit ihm Ballonfahren, mitten in der libyschen Wüste, vor über zehn Jahren. „Der Sohn eines Bekannten hat mit ihm in Wien studiert, so ist das entstanden“, erklärt er. Und verliert kein böses Wort über den Diktatorsohn. „Ein freundlicher junger Mann. Gebildet, höflich, fast schüchtern.“ Über Neujahr war Hinterreiter mit seiner Frau das letzte Mal in Libyen. „Touren nach Libyen wird es jetzt jahrelang nicht mehr geben. Das Geschäft ist tot. Es ist nicht absehbar, wann sich die Lage stabilisiert und wann sich die Leute wieder mittrauen“, sagt er achselzuckend. Seine nächsten Reisen gehen jedenfalls nach Algerien.

Zur Person: Peter Hinterreiter

  • Reiseveranstalter für Wüstentouren, bisher vor allem in Libyen
  • Geboren: 5. 9. 1950 in Bludenz
  • Laufbahn: gelernter Müller, Motocross-Profi, Inhaber eines Zweiradgeschäfts
  • Familie: verheiratet, zwei Kinder
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