Seilbahnensprecher zu Rauch: "Völlig lächerlich - was heißt hier fürchten"

"Am Ende war es eine betriebswirtschaftliche Entscheidung."
"Am Ende war es eine betriebswirtschaftliche Entscheidung." ©VN-VOL.AT-Silvretta Montafon
"Wenn jetzt alles noch komplexer wird, wird es eines Tages gar keine Investitionen mehr geben", sagt der Sprecher der Vorarlberger Seilbahnen. "Jahrelanges Planen und Investieren wird sich nicht spielen."
Rauch: Seilbahnen fürchten Umwelt-Prüfungen
Aus für Speicherteich Schwarzköpfle

Der Seilbahnen-Fachgruppengeschäftsführer der Wirtschaftskammer Vorarlberg hat Stellung bezogen - zum Rückzug der Silvretta Nova vom Speichersee Schwarzköpfle sowie den neuesten Aussagen von Grünen-Chef und Landesrat Johannes Rauch.

Im Gespräch mit VOL.AT sagt Michael Tagwerker: "Die Unsicherheit und die Dauer waren ein Grund für die Silvretta Nova, die Reißleine zu ziehen. Die Betreiber wurden vonseiten der Behörde ja teils an der Nase herumgeführt. Erst hieß es Ja, dann wieder Nein. Das macht einen müde mit der Zeit. Dass man sich dann wieder anderen Projekte zuwendet, ist für mich einleuchtend."

Die Konsequenzen für den Wintertourismus

Die künstliche Beschneiung wird in Zeiten des Klimawandels für die Schigebiete ein immer wichtigerer Standortfaktor. Die erforderliche Infrastruktur erfordert im Regelfall auch die Anlage von Speicherseen, die einen mitunter beträchtlichen Landschaftseingriff darstellen.

"Wichtig für das Land"

Gefragt nach den Auswirkungen des Speichersee-Aus für den Wintertourismus in der Region erklärt der Spartensprecher: "Es hat zunächst keine spürbaren Konsequenzen, sofern der Naturschnee nach wie vor kommt. Kurzfristig hat es vor allem Konsequenzen für die Bauwirtschaft. Die Bauwirtschaft baut jetzt nicht. Grundsätzlich ist aber auch klar, dass eine technische Beschneiung prinzipiell notwendig ist, um ausreichend Pisten zur Verfügung zu stellen. Denn der Wintertourismus ist wichtig für das Land."

Tagwerker über Rauch: "Völlig lächerlich"

Vorarlbergs Umwelt-Landesrat Johannes Rauch ist laut jüngsten Aussagen der Überzeugung, dass die Vorarlberger Seilbahnwirtschaft die Umweltprüfungen fürchte. Tagwerker entgegnet in diesem Punkt dem Grünen-Politiker energisch:

"Völlig lächerlich - was heißt fürchten. Grundsätzlich will jeder Investor so wenig bürokratischen Aufwand wie möglich haben, um ein UVP-Verfahren legal zu umgehen. Darum gab es ja auch die frühzeitigen Absprachen mit den Behörden. Das Projekt wurde dann stufenweise abgearbeitet. Weil die Gutachter (Bußjäger/Ennöckl, Anm.) zum Schluss gekommen sind, eine UVP ist notwendig, sind die Betreiber ebenfalls zum Schluss gekommen: Der Aufwand ist zu groß. Kein Investor im Land möchte unnötig bürokratischen Aufwand haben."

"Pragmatische Entscheidung"

Tagwerker spricht in diesem Zusammenhang von einer reinen Kosten-Nutzen-Abwägung, die seitens der Silvretta Montafon Bergbahnen GmbH getroffen wurde. "Am Ende war es eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Die Entscheidung wurde pragmatisch getroffen, nicht emotional, wie es Herr Rauch darzustellen versucht."

Zeitenwende für die Seilbahnwirtschaft?

Rauch spricht im APA-Interview von einer Zeitenwende für die Seilbahnwirtschaft. Wie sehen die Vorarlberger Seilbahnen diese Aussage? "Wenn er mit Zeitenwende meint, das jetzt alles noch genauer, noch komplexer, noch schwieriger wird, wird es eines Tages gar keine Investitionen mehr geben."

Jedes Seilbahnprojekt sei sehr komplex, aufwändig und mit großen Verfahren verbunden. "Wenn es noch komplexer wird", so Tagwerker gegenüber VOL.AT, "wird es in Zukunft schwierig, dass jemand noch Geld in die Hand nimmt".

"Jahrelanges Planen und Investieren wird sich nicht spielen"

Es brauche einen gewissen Planungshorizont im Sinne von: "In fünf Jahren bin ich durch. Jahrelanges Planen und Investieren wird sich nicht spielen. Da müssen wir schauen, dass es in der Waage bleibt", fordert Tagwerker. "Sonst kriegen wir die Menschen nicht mehr in den Arbeitsprozess."

Natur ist wichtig

Das heiße aber nicht, "dass man die Naturrechte niederbügelt. Natürlich ist die Natur wichtig. Ohne intakte Natur kriegen wir keine Gäste her".

(Red.)

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