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"Sehe keine Übermannschaft"

Dennoch will sich Austria-Lustenau-Trainer Edi Stöhr keine Gedanken bezüglich Titelchancen in der ADEG-Erste-Liga machen.

Als Spieler wurde Edi Stöhr vom Stürmer, der im Nachwuchs schon mal acht Tore in einem Match und rund 60 in einer Saison erzielte, zum Verteidiger umfunktioniert. Als Austria-Trainer sucht er zwei Tage vor dem Derby in Altach nach der richtigen Formation.

VN: Warum weiß die Öffentlichkeit so wenig über den Privatmann Edi Stöhr?
Edi Stöhr (schmunzelt):
Gerade gestern wurde dieselbe Frage im Fernsehen an einen Prominenten gestellt. Er hat gemeint: Privat heißt deshalb privat, weil es privat ist – also das Gegenteil von öffentlich. Das kann ich so unterschreiben. Es ist ein gro­ßer Unterschied zu dem, was ich tue. Was Fußball betrifft, so bin ich gerne bereit, darüber zu reden. Privat bin ich eher langweilig, wie viele andere auch. Ich bin glücklich verheiratet, habe einen Sohn, schaue gerne Fußball und lese gerne.

VN: Sie waren selbst Fußballprofi. Wie würden Sie heute als Trainer den Spieler Stöhr charakterisieren.
Stöhr:
Ein Trainer (Anm. d. Red.: Helmut Richert, Ingolstadt) hat einmal gesagt: Der Edi würde bei mir immer spielen, selbst mit Gipsfuß. Ich denke, ich war ein talentierter Fußballer mit einem starken linken Fuß, allerdings eher ungeschliffen. Auch war ich ein absoluter Mannschaftsspieler, vielleicht einer der Gründe, warum ich es nie in höhere Sphären geschafft habe.

VN: Hätten Sie heute einen Edi Stöhr gerne als Ballkünstler in ihrer Mannschaft?
Stöhr:
Ja, schon. Auch wenn ich ein Profi war, mit dem man viel reden musste. Ich wollte immer gerne wissen, warum etwas zu tun ist. Das versuche ich nun als Trainer zu vermitteln. Ich gebe Vorgaben und erkläre meinen Spielern auch, wieso und warum wir etwas machen.

VN: Es scheint, als könnten Sie besonders gut mit jungen Kickern umgehen – warum?
Stöhr:
Ist es so? Vielleicht, weil ich mir einfach schon sehr früh Gedanken über den Trainerjob gemacht habe. Dabei bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass nicht alt oder jung wichtig ist, sondern nur gut und nicht gut zählt. Für junge Spieler spricht, dass ihre Verhaltensweisen noch nicht so ausgeprägt sind wie bei alten. Somit sind sie leichter zu formen. Außerdem ist mein Sohn inzwischen älter als zwei Drittel meiner Mannschaft. Zwar nicht viel, aber immerhin. Deshalb weiß ich genau wie die Burschen ticken.

VN: Ist die junge Truppe schon reif für den Titel­gewinn?
Stöhr:
Grundsätzlich verstehe ich ja diese Frage. Aber ich versuche meine Akteure so zu erziehen, dass sie sich keine Gedanken über solche Szenarien machen – weder positiv noch negativ. Was ich aber sagen kann ist, dass sich nicht nur einzelne Spieler, sondern auch die Mannschaft gesamt weiterentwickelt hat. Dazu gehören auch Rückschläge, das ist nur normal. Insgesamt sehe ich in der Liga aber keine Übermannschaft.

VN: Am Samstag steigt das Derby in Altach. Ist das nur eines von 33 Saisonspielen, eines von insgesamt 18 Derbys oder geht es da um mehr? Etwa ums Prestige?
Stöhr:
Ein Derby Erster gegen Zweiter birgt natürlich viel Brisanz in sich, auch wenn erst zwölf Runden gespielt sind. Es hat sich inzwischen herauskris­tallisiert, dass da die zwei im Moment besseren Mannschaften aus Vorarlberg aufeinandertreffen. Nichtsdestotrotz: Wir machen weiter unsere Arbeit.

VN: Durch die Ausfälle von Torhüter Mario Krassnitzer und Daniel Ernemann sind Sie zu Umstellungen gezwungen. Sind weitere Veränderungen geplant?
Stöhr:
Natürlich habe ich meine Überlegungen. Klar ist: Für Ernemann rückt Christoph Stückler ins Abwehrzentrum, auf den Außenpositionen werden Mario Leitgeb und Mario Bolter verteidigen. Stürmer Edi Salkic kehrt zurück, und eventuell wird auch Jürgen Kampel in die Mannschaft rücken. Da gibt es viele Varianten, etwa mit Patrick Salomon auf der Seite. Aber wir haben ja noch drei Trainingstage und da kann vieles passieren. Ich muss auch schauen, wie es Danijel Micic geht, der eine Sehnenprellung erlitten hat.

VN: Eine Frage brennt noch auf der Zunge. Wann werden die Fans Stürmer Amadou Rabihou wieder spielen sehen?
Stöhr:
Da gibt es von mir keine Prognose. Amadou war diese Woche in Innsbruck bei einem Arzt. Dieser hat ihm für zwei Monate Ruhe verordnet, also: Ich weiß es nicht. Wenn nötig, werden wir lange warten.

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