Schulen in der Schule

Notwendig wurde der Neubau, weil die alte Schule zu klein geworden war und den schulischen Herausforderungen von heute nicht mehr genügte.
Notwendig wurde der Neubau, weil die alte Schule zu klein geworden war und den schulischen Herausforderungen von heute nicht mehr genügte. ©Roswitha Natter
Die vom Grazer Architekturbüro Feyferlik/Fritzer gebauten neuen Teile der Volksschule Lauterach-Dorf sind prinzipiell anders. Sie sind angelegt als Schulen in der Schule rund um einen „Marktplatz“.
Schöner Wohnen in Lauterach

In der neuen Volksschule Lauterach-Dorf wäre man gern wieder Schüler, gern aber auch Lehrer. Jedenfalls in dem neuen, seit Anfang des heurigen Schuljahres bezogenen Teil. So offen und freundlich ist diese von Licht durchflutete Architektur, in der umbauter Raum und freie Natur fast nahtlos ineinander übergehen. Denn die neue Lauteracher Schule ist prinzipiell anders. Angelegt – erstmals in Vorarlberg – als „Schule in der Schule“. Jeder dieser Cluster umfasst vier Klassen mit einem zentralen „Marktplatz“. Der mit rund 250 Quadratmetern etwa gleich groß wie die eigentlichen Klassenräume ist. Hier findet das „öffentliche“ Leben von Schülern wie Lehrern statt, hier werden die Schuhe gewechselt, die Mäntel aufgehängt, wird gespielt, in der Leseecke geschmökert, aber auch gelernt.

Denn wo was gemacht wird, ist in der neuen Lauteracher Schule nicht exakt definiert. Angepasst der hier praktizierten neuen Art der Pädagogik, die weitestgehend weg vom traditionellen Frontalunterricht auf Partner- und Gruppenarbeit bzw. jahrgangsübergreifendes Arbeiten setzt. „Noch gibt es in den dritten und vierten Klassen Noten“, sagt Karin Flatz, die Direktorin der Schule, die, genauso wie die für die Bildung zuständige Vizebürgermeisterin Doris Rohner, sehr glücklich über die „tolle Atmosphäre“ im neuen Haus ist.

Notwendig wurde der Neubau, weil die alte Schule zu klein geworden war und den schulischen Herausforderungen von heute nicht mehr genügte. Das EU-weit offene Bewerbungsverfahren bzw. den daraus resultierenden geladenen Wettbewerb hat das Grazer Büro Feyferlik/Fritzer haarscharf gegen die klare Kiste eines Vorarlberger Architekten gewonnen. Nicht zuletzt deshalb, da der Siegerentwurf das von der Gemeinde vorgegebene Konzept einer Clusterschule als einziges perfekt umsetze, so Rohner. Es sei eine Entscheidung für die Schüler gewesen, sagt sie, in Kauf nehmend, dass diese bis heute die Lauteracher als auch die Architektenschaft im ganzen Land spaltet. Der Zubau aus den 50er-Jahren wurde abgebrochen, das 80 Jahre alte Hauptgebäude wird kernsaniert und zukünftig nur mehr die Direktion, die Verwaltung und Sonderunterrichtsräume beherbergen. Ab 2017 sozusagen eingerahmt von den Neubauten, wie dem Turnsaal, der halb in die Erde eingegraben werden wird oder den zwei Clustern, die derzeit gerade nach dem Muster der bereits besiedelten gebaut und im kommenden Schuljahr bezogen werden.

Was angesichts der Grundstückssituation mitten im Dorf nicht einfach ist, nicht zuletzt deshalb, weil einige riesige alte Bäume erhalten werden müssen. Die neuen Schulräume sind ideal auf nur einer auf einem flachen betonierten Sockel sich horizontal ausbreitenden Ebene angelegt. Gebaut ist das Passivhaus als Hybrid aus Beton, Holz und viel Glas. Alle geschlossenen Flächen sind nach außen vertikal mit vorvergrauten Fichtenlatten verkleidet. Das aus Holz gebaute, von schlanken weißen Metallsäulen getragene Dach ist flach und zum größten Teil begrünt. Vom Freigelände rund um das Haus aus erschlossen durch eine Freitreppe, die in einer frei bespielbaren Außenklasse mündet. Als Puffer zwischen innen und außen ist jeder der Klassen ein nicht beheizbarer gläserner Wintergarten vorgelagert, der über einen auch als Sitzbank oder Bühne taugenden holzbeplankten Sockel betreten wird.

Die Wände sind weiß gestrichen und zum „Marktplatz“ hin gläsern genauso wie die Schiebetüren. Das Licht kommt von oben, von den Seiten und bei Bedarf von Lampen, die wie Ufos von der Decke baumeln. Die „wie alles andere an dieser Schule genial sind“, kommt Direktorin Karin Flatz ins Schwärmen. Die absoluten Lieblingsorte der Schüler sind allerdings die in jedem der zwei Marktplätze eingerichteten bekletterbaren kleinen Lesenischen. Die WC-Boxen sind ganz aus Holz genauso wie die Böden und Schränke. „Da ischt dir aber echt viel igfalla, Architekt“, hat ein Schüler seinen neuen „Arbeitsplatz“ spontan kommentiert. Zur ganz großen Freude von Wolfgang Feyferlik, der sich kaum ein größeres Kompliment vorstellen kann.

Daten und Fakten

Objekt: Volksschule Lauterach Dorf
Eigentümer: Marktgemeinde Lauterach
Bauherr:Immobilienverwaltung
Architektur: Architekturbüro Feyferlik/Fritzer, Graz mail@feyferlikfritzer.at
Statik: Johann Birner, Graz, office@dibirner.at
Fachplaner: Bauaufsicht: Gernot Thurnher, Feldkirch; Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär: LPS, Kindberg/Steiermark und Walter Pflügl, Bregenz; Elektro: optech, Graz; Bauphysik: Spektrum, Dornbirn; Baumbegutachtung: Topiaria, Kiel/Deutschland; Prüfstatik: gbd, Dornbirn; Baustellenkoordination: Kurt Gau, Feldkirch; Mitarbeit: Umweltverband und Energieinstitut Vorarlberg, Dornbirn
Wettbewerb: 5/2012
Planung: seit 5/2012
Ausführung: seit 6/2014–8/2017 (geplant)
Grundstücksgröße: 6482 m²
Nutzfläche: 3634 m²
Bauweise: Mischbauweise aus Beton- und Holzskelettbau: Fassade in Fichtenholz; geöltes Eichenparkett; Wände unverkleidet, in den Klassen teils geweißelt; Akustisch wirksame Decken mit Lamellen und „Gipskarton-Akustiksegeln“; Heizung mit Nahwärme über die Fußböden; automatische Nachtkühlung mit Oberlichten und Fenstern; Lüftungsgeräte in den Klassen
Ausführung: Baumeister: i+R Bau, Lauterach; Heizung, Lüftung, Sanitär: Opbacher, Fügen/Tirol; Elektro: Willi, Andelsbuch; Spengler: Rusch, Bregenz; Stahlbau Biedenkapp, Wangen/Allgäu; Zimmerer: oa.sys baut, Alberschwende; Trockenbau: Bohn, Dornbirn; Klocker, Dornbirn; Fenster: Zech, Götzis; Türen: Josef Feuerstein, Nüziders; Baumpflegeteam, Langen bei Bregenz
Energiekennwert: 21 kWh/m² im Jahr (Heizwärmebedarf)
Baukosten: 12,85 Mill. Euro brutto (gesamtes Bauvorhaben)

Quelle: Leben&Wohnen – die Immobilienbeilage der “Vorarlberger Nachrichten”

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

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