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Schuldenerlass für Haiti?

Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit mindestens 112.000 Toten und riesigen Zerstörungen hat die internationale Staatengemeinschaft erste Vorschläge für den Wiederaufbau vorgelegt.
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Bei einer Haiti-Konferenz im kanadischen Montreal regte Kanadas Außenminister Lawrence Cannon am Montag einen umfassenden Schuldenerlass für den bitterarmen Karibikstaat an. Der Verzicht auf die Rückzahlung müsse als eine Möglichkeit auf den Verhandlungstisch, betonte der Minister. Die Schulden Haitis bezifferte er auf etwa eine Milliarde Dollar (710 Millionen Euro).

In Brüssel kamen die EU-Außenminister zusammen, um sich vor der für März geplanten internationalen Geberkonferenz für Haiti auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Sie beschlossen, etwa 300 paramilitärisch ausgebildete Gendarmen für mehr Sicherheit in Haiti zu entsenden. Deutschland will sich nicht mit Polizeikräften beteiligen, weil vor allem französisch sprechende Polizisten in der einstigen Kolonie Frankreichs gefragt seien.

Nach Angaben von Kanadas Premierminister Stephen Harper braucht Haiti mindestens ein Jahrzehnt lang ausländische Hilfe, um das Land wieder aufzubauen. Es sei keine Übertreibung zu sagen, dass die Welt zehn Jahre harter Arbeit in Haiti erwarten, sagte er zu den Ministern. “Ich möchte mit diesem Treffen den Beginn eines Aufbauplanes für Haiti sehen, der effektiv und abgestimmt ist für das nächste Jahrzehnt”, sagte Harper nach Angaben der “Toronto Sun”. Jeder Dollar, jede Spende und die Arbeit jedes Helfers müssten so effizient wie möglich eingesetzt werden.

Haitis Premierminister Jean-Max Bellerive setzt auch auf die Rückkehr von Exil-Haitianern. “Wir brauchen eine direkte, anhaltende Unterstützung von ihnen. Die Katastrophe hat die Auswanderung aus Haiti noch verstärkt. Deshalb müssen wir die Leute ermutigen zurückzukommen.” In Montreal lebt eine der weltweit größten Gruppe von Exil-Haitianern. Die Überweisungen der im Ausland lebenden Haitianer machen Schätzungen zufolge ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes aus.

Vom Frankfurter Flughafen startete unterdessen ein Frachtflugzeug mit 75 Tonnen Hilfsgütern. An Bord waren unter anderem Anlagen zur Trinkwasser-Aufbereitung, Fahrzeuge, Generatoren, Lebensmittel und Medikamente. Sie kamen vom Technischen Hilfswerk (THW) und weiteren deutschen Hilfsorganisationen. Die Maschine hatte Lufthansa Cargo kostenlos zur Verfügung gestellt. Der russische Regierungschef Wladimir Putin sicherte unterdessen den 75 in Russland eingeschriebenen Studenten aus Haiti zu, dass der Staat ihre Studiengebühren übernimmt. Viele Studenten könnten wegen des Erdbebens keine Unterstützung mehr aus der Heimat erhalten, sagte er nach Angaben der Agentur Ria Nowosti.

Derweil steigt die Zahl der Obdachlosen in Haiti: Das UNO-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit bis zu einer Million Menschen, die dringend Zuflucht suchten. Die Zahl der Toten geben die Vereinten Nationen mit 112.250 an, etwa 194.000 Menschen seien verletzt worden. Berichte über Unruhen bei der Verteilung von Lebensmitteln bestätigten die UNO zwar, bezeichneten sie jedoch als “kleine Vorfälle”, bei denen niemand zu Schaden gekommen sei. “Die Verteilung der Lebensmittel läuft extrem gut”, sagte Anthony Banbury von der UNO-Mission MINUSTAH.

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