Schröder: Noch nicht ins Bett

Es ist Mitternacht in Washington (06.00 Mitteleuropäischer Zeit) und wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, ist immer noch nicht zu erkennen. Peter W. Schröder, Washington

Klar ist nur, dass George W. Bush und sein Herausforderer gleichermaßen der festen Überzeugung sind, die Schlacht gewonnen zu haben. Das verkünden jedenfalls die vorgeschickten Sprecher der beiden Kandidaten.

Die großen Fernsehsender des Landes verwirren die Nation derweil mit Zahlensalat: Die stramm rechte und für Bush durch dick und dünn gehende TV-Kette Fox hängt sich am weitesten aus dem Wahlfenster und teilt mit, dass Bush 237 der notwendigen mindestens 270 notwendigen Wahlmänner auf seiner Seite habe und Kerrys Hoffnungen mit 144 Wahlmännern am ziemlich seidenen Faden hängen. Wenn sich das als zutreffend herausstellen sollte, könnte sich Bush, der sonst spätestens um 22.00 Uhr ins Bett geht und schon zwei Stunden „über der Zeit” ist, beruhigt schlafen legen. Denn soviel Pech kann auch ein George Bush nicht haben, dass ihm der Wahlsieg bei diesem Stand noch aus den Händen gerissen würde.

Aber Prognosen sind eben nur Prognosen und keine Ergebnisse. Und die übrigen Senderketten präsentieren auch andere und für Kerry hoffnungsvollere Zahlen. ABC ist mit der Aussage, dass Bush gegenwärtig mit 237 Wahlmännerstimmen und Kerry mit 188 rechnen könne, schon etwas vorsichtiger. CBS errechnet 246 Stimmen für Bush und 199 für Kerry und der Nachrichtensender CNN 207 für Bush und 188 für Kerry.

Der zwischen allen Kanälen hin und her flippende Betrachter darf sich wundern: Alle Fernsehsender werden erhalten exakt dieselben Zahlen und machen daraus unterschiedliche Ergebnisse. Um 06.12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit prognostiziert dann auch CNN, dass die Mehrheit der Wähler in Florida für Bush gewesen sei. Das erhöht Bushs Wahlmännerstand auf 234 und Kerry bleibt bei seinen 188. Die magische Marke ist 270 Wahlmännerstimmen und die Zitterpartie geht weiter. TV-Kommentatoren verkünden: Bush und Kerry haben beide eine fifty-fifty- Chance, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Wir werden sehen.

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