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Schröder: Alptraum-Ende ...

Bald ist es 10.00 Uhr in Europa und den Sieger der Präsidentschaftswahl wird die Nation möglicherweise erst in anderthalb Wochen präsentiert bekommen. Peter W. Schroeder, Washington

Wenn das immer realistischer erscheinde Alptraum-Ende der Wahl kommt, werden wie vor vier Jahren die Juristen am Zug sein und sie werden sich eine goldene Nase verdienen.

Zur Zeit hat Bush 249 Wahlmänner auf seiner Seite und Kerry 242. Entschieden ist alles, wenn jemand 270 Wahlmännerstimmen erreicht, aber soweit sind wir noch nicht und es kann alles noch etwas dauern.

Im Bundesstaat Wisconsin sind nach Mitteilung des dortigen Innenministers die Wahlhelfer so erschöpft, dass sie gegen ein Uhr nachts Ortszeit das Zählen einstellten und nach Hause gingen. In der Hälfte aller Wahlbezirke des Staates sind auch die elektronischen Wahlmaschinen kaputt und sie spucken keine Ergebnisse aus. So schnell wie möglich sollen Experten eingeflogen werden und die Computerkisten reparieren.

Auch im Bundesstaat Ohio, teilte der dortige Innenminister mit, kann das Endergebnis frühestens in zehn Tagen ermittelt und bekanntgegeben werden. Denn viel Zeit sei notwendig um die Gültigkeit jedes einzelnen der mehr als 120.000 „provisorischen Wahlzettel” festzustellen. Und den Wahlgesetzen des Bundesstaates zufolge dürften die „provisorischen” Wahlbriefe erst zehn Tage nach der Wahl geöffnet werden.

Rein rechnerisch können es sowohl Bush als auch Kerry ins Weiße Haus schaffen, aber der amtierende Präsident darf sich schon mal über einen symbolischen Sieg freuen. Den bisherigen Auszählungen zufolge hat er landesweit 51 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen, gegenüber 48 Prozent für Kerry und 1 Prozent für den unabhängigen Kandidaten Ralph Nader bekommen. In absoluten Zahlen ausgedrückt wurden für Bush bislang rund vier oder gar fünf Millionen Stimmen mehr als für Kerry gezählt.

Aber im antiquierten amerikanischen Wahlsystem spielt die Zahl der Stimmen keine Rolle. Entscheidend ist nur wer in den Einzelnen Bundesstaaten jeweils die Mehrheit erreicht und dann komplett das vorher genau festgelegte (und sich in etwa an der Bevölkerungszahl orientierende) Wahlmänner-Kontingent bekommt. Und so ist ja auch passiert, dass vor vier Jahren der Demokraten-Kandidat Albert Gore rund eine halbe Million Stimmen vor George Bush lag und trotzdem nicht Präsident geworden ist.

Das ist die Lage und noch in der amerikanischen Nacht machten sich Scharen von republikanischen und demokratischen Rechtsanwälten mit eilig gecharterten Jets auf den Weg nach Wisconsin und Ohio. Kurz nach 09.00 Uhr europäischer Zeit am Mittwochvormittag (03.00 Uhr Boston-Zeit) trat Kerrys Vizepräsidentschafts- Kandidat John Edwards (selbst ein Anwalt) im Bostoner Kerry-Fan-Hauptquartier vor die Menge und teilte mit: „Wer werden natürlich um jede Stimme kämpfen”. Da war der Jubel groß und niemand fragte sich, was da denn da zu Bejubeln gab.

Der ziemlich hemmungslos und stets und ständig für Bushs Republikaner Reklame machende Fernsehsender Fox beglückte seine Zuschauer mit der Prognose, dass Bush die 20 Wahlmänner von Ohio kassieren werde und damit 269 Wahlmänner auf seiner Seite habe. Kurze Zeit darauf meinten auch die Experten von NBC, dass Ohio für Kerry verloren sei. Damit kann es theoretisch zu einem absoluten Gleichstand kommen. Das böte die Aussicht auf eine Verfassungskrise.

Selbst eingefleischte Bush-Kritiker können sich da wünschen, dass Bush seinem Konkurrenten in irgendeinem Kerry zuneigenden Bundesstaat noch ein paar Wahlmännerstimmen abnehmen kann. Und die Amerikaner und die Welt werden sich fragen, warum sich die US-Nation nicht ein Wahlsystem und ein Wahlverfahren zulegt, das zu Zirkusveranstaltungen mutierende Wahlen verhindert.

Fazit: Amerika hat gewählt, aber wer in den nächsten vier Jahren Präsident sein wird, steht noch in den Sternen. George W. Bush hat nach Lage der Dinge die besseren Karten, aber die Hände für seinen Wahlsieg ins Feuer legen, will auch noch niemand. Ein französischer Philosoph hat einmal ausgerufen: „Amerika du hast es besser”. Aber da hat der gute Mann noch nichts von der Präsidentschaftswahl des Jahres 2004 gewusst.

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