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Schlichter Charme für buntes Leben

©VMH/ Philipp Steurer
Hohenems - Architektur auf das gemeinsame Leben abgestimmt: Beate und Thomas Nadler-Kopf aus Hohenems haben sich für ein besonderes Wohnkonzept entschieden.
Wohnmaschine mit Charakter

Nackte Tatsachen haben in der Architektur eine viel verblümtere Bezeichnung. Allein schon, dass vor den knallharten Fakten das Wort architektonisch gesetzt wurde, lässt einen Interpretationsspielraum zu. Der schweizerisch-französische Architekt und Möbeldesigner Le Corbusier, der den Begriff „architektonische Tatsachen“ kreiert hat, nimmt dabei die Funktionalität der Maschine zum Vorbild für die Gebäudegestaltung. Daraus resultiert auch die umgangssprachliche Bezeichnung Wohnmaschine. Gemeint sind klare und einfache Körper, die sich aus den geometrischen Grundformen des Rechtecks, Kreises und Quaders zusammensetzen. Ein baugestalterischer Stil, dessen Ursprung in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts festgelegt werden kann und der heute noch Bestand hat.

Ein U aus der Vogelperspektive

Den Beweis tritt die Architektin Beate Nadler- Kopf mit ihrem 2003 gebauten Bungalow an. Sie bildet aus zwei Rechtecken ein L, wobei das eine – der Schlafzimmertrakt – parallel zum Altbestand positioniert wurde. So ergibt sich aus der Vogelperspektive betrachtet ein U, das einen herrlichen grünen Innenhof umschließt. Eine Ruheoase, die sowohl vom Bungalow als auch vom Rheintalhaus aus zugänglich ist. „Unser Hofgarten ist der Bezugspunkt“, erklärt die 42-Jährige. „Er ermöglicht durch die Sträucher zur Straße hin eine Introvertiertheit, die wiederum ein offenes, vorhangloses Wohnen möglich macht.“ Vorhänge würden nämlich nicht ins Wohnkonzept der Familie passen. Ebensowenig wie Bilder oder sonstige Accessoires. Einzig die tänzelnden Flammen im off enen Kamin stehen für einen Anflug an Romantik. Doch nicht nur Le Corbusier war richtungsweisend, Nadler-Kopf orientierte sich auch an der Einfachheit der skandinavischen Architektur. Doch was war ausschlaggebend für die Entscheidung zur Schlichtheit. „Ich versuche immer einen Ort zu analysieren und auf ihn einzugehen“, ist ihre Antwort. Dass dabei die Stilrichtung eine ganz andere sein kann, zeigt die Revitalisierung des Freihofes in Sulz.

Für den stimmigen Umgang der vorhandenen historischen Bausubstanz und dem neuen Betriebskonzept als „Haus der Zukunft“ wurde sie mit dem Staatspreis für Architektur ausgezeichnet. Genau diese Harmonie ist es, die aus einem Gebäude einen Lebensraum macht. „Wohnraum muss nämlich in erster Linie dem Alltag standhalten“, ist Nadler-Kopf überzeugt. „Als wir damals 2003 einzogen“, erzählt sie, „hatte unsere Tochter gerade die Schafblattern.“ Das hieß für die dreiköpfige Familie erst einmal „Hausarrest“ für die nächsten drei Wochen. „Doch nachdem wir diese Zeit problemlos ausgehalten haben, wusste ich, unser Bungalow funktioniert“, freut sie sich noch heute. Dabei fi ndet das wirkliche Wohnen nur in einem Raum statt.
Die Kunst, die dahinter steckt, ist die Positionierung. Nadler-Kopf schafft Wahlmöglichkeiten in alle Himmelsrichtungen. Einen Ostplatz mit Blick in den Innenhof, einen Westplatz mit Blick auf das Haus des Bruders, das sich ebenfalls noch auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück befindet. Auch gibt es eine Leseecke, eine Fernsehecke und den Esstisch, der auch alternativ als Spiel- und Arbeitsplatz dient. Nadler-Kopf gibt sich außerdem in der Farb- wie auch in der Interieurwahl zurückhaltend. Es dominieren Naturtöne, die sich aus der Materialauswahl ergeben wie Lehm, Backsteine, Eiche und Schiefer. „Dass der Raum bunt wird, dafür sorgen wir“, schmunzelt die Architektin, „wir bringen schon ganz schön Leben in die vier Wände.“ Apropos bunt: Das trifft auch auf die Möbel zu. Zwar nicht was die Farbe, jedoch was die Internationalität betriff t. Die Stühle kommen beispielsweise aus Skandinavien, das Sofa aus Italien, der Tisch aus Übersaxen usw.

DATEN & FAKTEN

Bungalow in Hohenems,

Beate und Thomas Kopf mit Tochter Lina (10 Jahre)

Baujahr: 2003

Wohnfläche: 130 m²

Grundstück: 2500 m² (Haus und Garten des Bruders mit eingerechnet)

Architektin: Beate Nadler-Kopf

Energie: Gas und Solar, wobei auch der Altbestand mitbeheizt wird.

Konstruktion: Es handelt sich um einen Massivbau, der auf Piloten gesetzt wurde. Die massive Holzbalkendecke ist im Wohnbereich sichtbar. Die Klinker bzw. Backsteine dienen als Blickfang und wiederholen sich auch im Außenbereich.

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