Schlechte Prognose: Delta-Variante wird uns vierte Corona-Welle bescheren

Die Delta-Variante dürfte das Infektionsgeschehen in Österreich bereits dominieren.
Die Delta-Variante dürfte das Infektionsgeschehen in Österreich bereits dominieren. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Eine vierte Welle an Corona-Infektionen wird es aufgrund der "erhöhten Transmissibilität" der Delta-Variante "mit hoher Wahrscheinlichkeit" geben. Laut Policy Brief des Covid-Prognosekonsortiums sind dabei aber sowohl Zeitpunkt als auch Höhe unklar.

Eine laut Gesundheit Österreich frühere Version des Briefs, der an die Landesbehörden verschickt wurde, hatte in der Nacht auf Donnerstag bereits das Online-Portal "OE24.at" veröffentlicht. In der nun endgültigen Version heißt es, dass die Maximierung der Durchimpfungsrate (Vollimmunisierung) "oberste Priorität" haben müsse.

Handlungsempfehlungen bei steigenden Infektionszahlen

In dem der APA ebenfalls vorliegenden Rohbericht des Briefes wird darüber hinaus auch eine Wiedereinführung diverser Maßnahmen - abhängig von den Fallzahlen und den Belastungen des Gesundheitssystems empfohlen. Die (aktuell in breiten Bereichen abgeschafften) FFP2-Maskenpflicht sollte demnach ab einem Schwellenwert einer risiko-adjustierte Sieben-Tages-Inzidenz von 25 wieder eingeführt werden. Derzeit liegt man mit zuletzt 7,3 Fälle pro 100.000 Einwohner freilich darunter - die Schwelle von 25 war am 6. Juni unterschritten worden.

Bei steigenden Hospitalisierungen auf den Normalstationen wird auch die Wiedereinführung des "Social Distancing" angeraten. Ein Anstieg der Hospitalisierungen lasse den Schluss zu, "dass mit dem angewandten Maßnahmenregime die Ausbreitung des Pandemiegeschehens nicht nachhaltig kontrolliert werden kann und weitere Maßnahmen erforderlich sind". Empfohlen wird für diesen Fall insbesondere die Wiedereinführung des Zwei-Meter-Abstandes, die Reduktion von Gruppengrößen und Auslastungsbegrenzungen. "Insbesondere dem Indoor-Bereich soll eine besondere Aufmerksamkeit zukommen", heißt es im Rohbericht.

Vierte Welle wegen Delta "mit hoher Wahrscheinlichkeit"

Sowohl im Rohbericht als auch in der Endversion betonte das Konsortium, dass aus vorliegenden Daten (vor allem aus Großbritannien) sich festhalten lasse, dass "die Delta-Variante deutlich übertragbarer (transmissibler), als die bislang dominante Alpha-Variante (B.1.1.7) ist". Erste Schätzungen würden auf eine Transmissibilität hindeuten, die etwa um 50 Prozent höher im Vergleich zur bisher dominanten Alpha-Variante sei. "Im Vereinigten Königreich ist die Delta-Variante derzeit mit einer Prävalenz von über 90 Prozent bereits dominant", hieß es.

"Daten der Varianten-Surveillance (...) legen nahe, dass die Delta-Variante auch in Österreich das Fallgeschehen bereits dominiert", schrieb das Konsortium. "Für die KW (Kalenderwoche, Anm.) 25 belief sich der Anteil der Delta Variante am Infektionsgeschehen bereits auf etwa 50 Prozent, in KW 26 auf über 60 Prozent." Die Experten rechnen bereits im Juli mit "ähnlichen Prävalenzen" wie im Vereinigten Königreich. Allerdings: "Eine genauere Schätzung der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Delta-Variante ist aufgrund des derzeit niedrigen Fallgeschehens mit großer Unsicherheit behaftet", betonte das Konsortium.

Rasche Zunahme der Delta-Fälle in Österreich zu erwarten

"Trotz der aktuell niedrigen Inzidenz ist eine rasche Zunahme der Delta-Variante mit Austausch der gegenwärtig dominierenden Alpha-Variante (...) in Österreich anzunehmen. Ein systemkritischer Belag in den Krankenanstalten ist im Sommer 2021 jedoch unwahrscheinlich", vermutet das Konsortium. Mittelfristig sei allerdings abzuwarten, ob abschwächende oder verbreitungstreibende Faktoren überwiegen.

Das Best Case-Szenario des Konsortiums geht von einer Vollimmunisierungsrate von 80 Prozent aus, die bei etwa 80 Prozent des Impftempos aus dem Juni 2021 erreicht würde. Hier "ist eine systemgefährdende Epidemiewelle bis Ende September sehr unwahrscheinlich", hieß es. Wird das Tempo beibehalten, aber nur eine Vollimmunisierungsrate von 60 Prozent erreicht, wäre eine systemkritische Auslastung der Intensivstationen weiter sehr unwahrscheinlich.

Schlüssel liegt beim Impftempo

Der Schlüssel liegt offenbar beim Impftempo. Bei 60 Prozent Vollimmunisierung und 60 Prozent des Impftempos von Juni 2021 könnte auch eine systemkritische Auslastung der Intensivstationen mit sich bringen. Dieses Szenario halten die Experten allerdings für unwahrscheinlich.

Das Konsortium betonte: "Bei einer Durchimpfungsrate (Vollimmunisierung) von 70 Prozent ist der hypothetische Schwellwert der Herdenimmunität für die Delta-Variante noch nicht erreicht, insbesondere in der kälteren Jahreszeit." Selbst bei einer Durchimpfungsrate von 70 Prozent (Vollimmunisierung) oder höher sei "davon auszugehen, dass es in Bevölkerungsgruppen mit geringer Durchimpfung zu größeren Clustern oder zur unkontrollierten Übertragung in diesen Bevölkerungsgruppen kommen kann". Deshalb, so das Konsortium: "Die Erhöhung der Durchimpfungsrate und der Impfbereitschaft in allen Bevölkerungsgruppen ist daher essenziell."

PCR-Tests sollen weiter angeboten werden

Außerdem empfahlen die Experten, "Maßnahmen, welche nur geringe Einschränkungen für die Bevölkerung bedeuten, jedoch zur Dämpfung des Anstiegs der Fallzahlen beitragen", beizubehalten. "Dies gilt insbesondere für die Aufrechterhaltung eines niederschwelligen und breitflächigen Testangebots vornehmlich mit PCR-Testverfahren."

(APA/Red)

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