Schlaues Leintuch aus Vorarlberg meldet Nässe im Patientenbett

Auf diese Leintücher sind Edelstahlgarne als leitende Strukturen gestickt
Auf diese Leintücher sind Edelstahlgarne als leitende Strukturen gestickt ©Bilderbox (Symbolbild)
Hohenems - In Pflegeheimen müssen die Schwestern alle zwei Stunden händisch prüfen, ob die Leintücher der Patienten trocken sind. "Schlaue" Betttücher mit Feuchtigkeitssensoren sollen künftig melden, wenn sie nass sind, und die für Personal wie Patienten unangenehme Prozedur obsolet machen.

 

Auf diese Leintücher sind Edelstahlgarne als leitende Strukturen gestickt, die über ein Sender-Empfänger-System (aktive RFID – radio frequency identification – Chips) dem Pflegepersonal im Schwesternzimmer signalisieren, wenn sie nass sind und getauscht werden sollten, so Günter Grabher vom Vorarlberger Textil-Forschungsinstitut V-trion im Gespräch mit der APA.. Diese Edelstahlgarne sind nicht hart und starr wie Draht, sondern “vom Charakter her weich und textil wie Wollgarn” so Grabher.

Das gemeinsam mit anderen Unternehmen entwickelte Hightech-Betttuch wird schon in den nächsten Monaten im Pflegeheim Dornbirn eingesetzt, sagte er. Auch eine Weiterentwicklung sei schon im Gang. “Mit diesen leitenden Textilstrukturen kann man auch die Temperatur messen, und somit feststellen, ob sich ein Patient im Bett befindet oder nicht”, erklärte er. Dies wäre speziell bei Demenzkranken im Eigenheim hilfreich.

Verbesserte Wundheilung

Außerdem würde das Institut derzeit an Bandagen arbeiten, die den Stand der Wundheilung anzeigen. “Wenn sich eine Wunde entzündet, ändert sich der pH-Wert in der Wunde, und dies wird durch eine Bandage mit integrierten Messstreifen nach außen hin angezeigt”, sagte Grabher. Dadurch müsse man einen Verband nicht oftmals wechseln, um die Wunde zu kontrollieren, wobei immer wieder frisch gewachsene Zellen abgerissen werden. “Es sollte dementsprechend die Wundheilung fördern, wenn man den Zustand objektiv von außen beurteilen kann”, erklärte er.

Das V-trion Forschungsinsitut mit Sitz in Hohenems, das kürzlich außerordentliches Mitglied des Dachverbands der angewandten Forschungsinstitute “Austrian Cooperative Research” (ACR) wurde, entwickelt weiters gestickte Carbonfasern für Elektroauto-Karosserien und textile Elektroden für deren Batterien. Die Arbeit an Hightech-Textilien sei eine Reaktion auf Schließungen und das Abwandern von großen Textilbetrieben aus Vorarlberg, wo diese Industrie traditionell stark ist, so das ACR in einer Aussendung.

Bodensee Textil-Kooperations-Forum

“Inzwischen werden 50 Prozent der in Europa produzierten Textilien nicht klassisch als Kleidung oder Möbelstoffe verarbeitet, sondern laufen in technische Bereiche wie Automobilindustrie, Medizintechnik, Bauindustrie, Luft- und Raumfahrt”, so Grabher. Vorreiter sei die Flugzeugindustrie, wo schon viele sogenannte “Smart textiles” im Einsatz und erprobt seien, das größte Potenzial sei aus der Automobilindustrie zu erwarten.

Am 23. Oktober findet eine große Konferenz zum Thema statt: Beim “2. Internationalen Bodensee Textil-Kooperations-Forum 2014” in Bregenz werden Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz über den Einsatz von intelligenten Textilien informieren. Auch im Rahmen der diesjährigen Alpbacher Technologiegespräche werden “Advanced materials” und “Smart textiles” im Rahmen eines Treffens der Nationalen Clusterplattform am 22. August diskutiert.

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