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Schicksalhafte Brücke wird Gedenkstätte

Ruth Roduner-Grüninger und Robert Kreutner enthüllen die Gedenktafel.
Ruth Roduner-Grüninger und Robert Kreutner enthüllen die Gedenktafel. ©Margarethe Ruff
Denkmal für Paul Grüninger und andere Fluchthelfer entstand durch Initiative der Grünen dies- und jenseits des Rheins.
Paul-Grüninger-Brücke

Erich Billig war 14 Jahre alt, als die Nationalsozialisten in Österreich die Macht übernahmen. Als man seinen Vater ins KZ deportierte, beschloss die Mutter, ihr Sohn müsse fliehen. Sie selber blieb in Wien und wollte versuchen, den Vater frei zu bekommen. Erich sah seine Mutter nie wieder. Mit zwei älteren Bekannten fuhr er los bis nach Altach. Ein Gendarm führte sie abends zum Alten Rhein. “Wir sind geradewegs in die Hände eines Schweizer Zollbeamten gelaufen und frühmorgens zurückgeschickt worden. Das zweite Mal halfen uns zwei Schweizer Fluchthelfer über den Alten Rhein, versteckten uns über Nacht bei ihrer Familie und fuhren uns am nächsten Morgen, auf einem kleinen Laster versteckt, nach St. Gallen zur
Flüchtlingshilfe. Polizeihauptmann Paul Grüninger sagte die erlösenden Worte zu mir: ‘Du kannst bleiben’, so der Bericht des Zeitzeugen, der später aktiv mithalf, Grüninger zu rehabilitieren.

Denn Paul Grüninger hat zwar viele hundert Menschen vor der nationalsozialistischen Vernichtung gerettet, indem er ihnen den Aufenthalt in der Schweiz ermöglichte, musste dazu allerdings Schweizer Gesetze übertreten. Im August 1938 wurde eine totale Grenzsperre für Flüchtlinge verfügt. “Das Boot ist voll” hieß die unselige Parole. Mit dem Ergebnis, dass über 24.000 Flüchtlinge – vor allem Juden – in den Kriegsjahren nach geglückter Flucht wieder zurück nach Deutschland und damit in den sicheren Tod geschickt wurden. 1939 wurde Grüninger wegen seiner Flüchtlingshilfe fristlos entlassen und 1940 vom Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Erst 1993 wurde
er rehabilitiert. Er sagte von sich: “Ich schäme mich meiner Verurteilung nicht, ich bin stolz darauf, vielen Hunderten schwer Bedrängten das Leben gerettet zu haben.”

Der Vorschlag der St. Galler und Vorarlberger Grünen, den Grenzübergang Hohenems-Diepoldsau als Paul-Grüninger-Brücke zu benennen, wurde von der Vorarlberger Landesregierung, der Gemeinde Diepoldsau, der Stadt Hohenems und der St. Galler Kantonsregierung unterstützt. Damit erhält das Rheintal eine angemessene Gedenkstätte zur Würdigung seiner herausragenden Persönlichkeit, stellvertretend aber auch für alle anderen Menschen, die damals Flüchtlingen geholfen haben. Sie setzt damit aber
auch wichtige Signale, weil es heute wieder Gruppierungen gibt, die schreiben “Das Boot ist voll”, so LAbg Bernd Bösch. Für Kantonsrat Meinrad Gschwend soll die Benennung der Brücke die Menschen dies- und jenseits der Grenze miteinander verbinden, aber auch an unsere Eigenverantwortung gegenüber Schutzsuchenden gemahnen. Regierungsrat Willi Haag (St. Gallen), Landesrat Rainer Gögele, Gemeindepräsident Roland Wälter (Diepoldsau) und Bürgermeister Richard Amann (Hohenems) würdigten den Anlass entsprechend. Ruth
Roduner-Grüninger, Tochter des Polizeikommandanten, Hanno Loewy, Zeitzeuge Robert Kreutner und Historiker Stefan Keller, Wolfgang Marcus (Denkstättenkurator
Oberschwaben), Manfred Lucha (LA Baden-Württemberg) sprachen über Grüningers Lebensweg, über Verfolgung und Flucht. Trotz des unfreundlichen Wetters stieß
der Festakt auf sehr großes Interesse in der Bevölkerung. So ist Martha Domig mit ihren Enkellinnen aus Fontanella angereist weil sie findet, dass solche Erfahrungen an die Jugend weitergegeben werden müssen.

Anschließend wurden die beiden Brückenschilder und die Informationstafel enthüllt. Zum Abschluss spielte ein Bläser-Quintett der Militärmusik Vorarlberg den Hauptmann-Grüninger-Marsch, der von Jakob d’Orange 1938 zu Ehren seines Retters komponiert wurde. 

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