Schattenseite des Wohlstands

Reinhard Bertsch, Primus Huber und Thomas Gamon.
Reinhard Bertsch, Primus Huber und Thomas Gamon. ©Elke Kager Meyer
Archivar Thomas Gamon über die Veränderung der Kulturlandschaft von Nenzing

Das Klima verändert sich. Weltweit, aber auch in jeder einzelnen Region für sich. Der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon stöberte in seinen Unterlagen und fasste sein diesbezügliches Wissen in einen Vortrag zusammen. Der Abend zum Thema „Kulturlandschaft von Nenzing früher“ vergangene Woche lockte ein interessiertes Publikum in den Wolfhaus-Dachboden. „Kulturlandschaft nennt man ganz simpel eine von Menschen gestaltete und beeinflusste Landschaft.“ Unsere Landschaft würde ganz anders aussehen, hätten nicht Menschen eingegriffen, nannte Thomas Gamon dafür verschiedene Beispiele – vom Ackerbau bis hin zum Gipfelkreuz. Einige der wenigen verbliebenen Naturlandschaften sei hingegen ein Gebiet von Kühbruck auf dem Weg in den Nenzinger Himmel rechts und links der Straße taleinwärts. In seinem Vortrag blickte Thomas Gamon ins 19. Jahrhundert zurück. „Damals übernahm die Gemeinde die Versorgung der Bevölkerung mit jenen Lebensmitteln, die nicht zur Verfügung standen, beispielsweise Getreide oder Obst.“ Detail am Rande: In Nenzing und Beschling wurde früher Wein angebaut, nach mehreren Missernten und Schädlingsbefall wurde vorwiegend Most anstelle von Wein in den Kellern gelagert. Während einer Warmphase im 13. und 14. Jahrhundert seien viele Burgen und Städte entstanden, Getreide wurde bis in die Hochlagen angebaut. „Das Klima hat die Landschaft immer schon entscheidend geprägt.“

Heubargen

Das Heuen von steilen Hängen sei hingegen ein Zeichen von Armut gewesen. Im Laufe des Abends widmete Thomas Gamon den Heubargen im Ort ein besonderes Augenmerk. Rund 200 davon sind im Gemeindegebiet noch erhalten. Das Heu wurde vorwiegend mit dem Heuschlitten ins Tal gebracht. Primus Huber drehte bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit Reinhard Bertsch, Paul Meyer sowie dem inzwischen verstorbenen Martin Borg einen Film über diese alte Tradition – dieser wurde erstmals öffentlich präsentiert.

Walgau-Wiesen-Wunderwelt

Der Vortrag in Nenzing fand im Rahmen der Walgau-Wiesen-Wunderwelt statt. Diese Initiative kann in den kommenden Wochen auf mehrere Veranstaltungen verweisen: Am Freitag, 27. September lädt Monika Muther unter dem Motto „Vielfalt schauen“ zu einem Streifzug durch die Kulturlandschaft Gasünd oberhalb von Bludenz, am 30. September findet um 19 Uhr in Satteins (Bibliothek) ein Vortrag von Tobias Gut „Mit heimischen Kräutern durchs Jahr“ statt. Auch im Oktober sind verschiedene Veranstaltungen und Vorträge geplant. Alle Infos: www.walgau-wunder.at . 

 

 

 

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Gemeinde
  • Schattenseite des Wohlstands
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen