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Sammeln um zu spielen seit 50 Jahren

Sammeln ist seine größte Leidenschaft: Reinhard Häfele vor einem seiner Prunkstücke
Sammeln ist seine größte Leidenschaft: Reinhard Häfele vor einem seiner Prunkstücke ©Bandi Koeck
Menschen aus der Heimat: Reinhard Häfele Frastanz. (BK) Sein Haus ist mehr als ein Museum, denn es ist viel lebendiger und Reinhard Häfele spielt mit seinen Exponaten.
Einblicke in eine andere Welt

Über dem Eingang thront eine überdimensionale Uhr aus dem frühen 17.Jahrhundert, welche durch ein kolossales Ziffernblatt auf der Innenseite des Hauses verbunden ist. Zu jeder vollen Stunde schlägt sie derart stark, dass das ganze Haus ehrfürchtig erzittert. Über das Wohnzimmer verteilt finden sich zahlreiche Phonographen und Grammophone, ein echter Federschmuck sowie ein originales Kriegshemd, Tomahawk und Mokkassins von den nordamerikanischen Plains-Indianern, eine sprechende Puppe, die Häfele von einem Sammler getauscht hat wie auch eine indianische Friedenspfeife aus der Sammlung des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol, die 1988 bei Sothebys New York versteigert wurde. “Natürlich liebe ich Antiquitäten aber ich sehe sie als meine Spielsachen. Mein Lebenssinn besteht darin, dass ich bis zum Lebensende sammle und spiele. Denn Spielen ist eine zweckfreie und deshalb sehr angenehme Tätigkeit! Andere suchen  Spiritualität, ich spiele (lacht)”. So definiert er den Begriff “Sammeln” neu.

Reisender, Suchender, Findender
Ganz prägend für Reinhard Häfele, der in Hohenems geboren, in Feldkirch aufgewachsen ist und seit vielen Jahren in Frastanz wohnt, waren seine Eltern. “Mein Vater war ein begabter Handwerker, wie auch der Großvater”, blickt er andächtig zurück. Seit 30 Jahren ist er Lehrer an der selben Schule in Götzis und setzte sich früh dafür ein, dass Spanisch als Freifach in der Hauptschule unterrichtet werden sollte. “Als Einzelkind hatte ich von Anbeginn viele erwachsene Bezugspersonen um mich, die mich in Themen einführten, an denen ich wachsen konnte”, sagt er. Seine Begeisterung für Tango hat er von seiner Mutter, die ihn schon früh für Jazz- und Tango-Musik begeisterte. “Um mich mit der Lyrik des Tangos zu befassen, benötigte ich Sprachkenntnisse. ”Hochmotiviert lernte er Spanisch. 1986 fuhr er an den Río de la Plata – die Wiege des Tango – und bereiste auch den Norden Argentiniens. Zehn Jahre später, 1996, kehrte er nach mehreren kürzeren Reisen nach Argentinien zurück und ging für ein Jahr in die Viehzucht auf eine kleine Ranch. Es folgten viele Reisen nach Mexiko, Kolumbien, Paraguay, Kuba… Die Liste ist lang.

Schätze vor dem 1. Weltkrieg
Doch wie begann eigentlich seine Sammelleidenschaft? “Als ich sechs Jahre alt war begann ich mit dem Sammeln – keine zeitgenössischen Sachen, es faszinierten mich nur alte Sachen” sagt einer der großen Sammler des Landes, der auch international einen Namen hat. Den kindlichen Abenteuer- und Schatzgräberdrang bezeichnet er als seine Wurzel. Alte Münzen waren das Erste, was ihn faszinierten. “Ich sammle mit den Gegenständen vor allem jene Epochen, die sie repräsentieren, keineswegs nur das ‚Material’”, will er sich klar von sog. “Hortern” unterscheiden. In der Mitte des Wohnzimmers steht ein großer Kachelofen, vor dem rund 2000 Jahre alte römische Ziegel verlegt sind. Sie stammen aus einem wichtigen Fund, den er schon als Volksschüler in Feldkirch gemacht hat. Die Ziegel hat man ihm dann überlassen, bevor die Fundstelle nach der archäologischen Aufnahme wieder zugeschüttet wurde. Und in der Garage steht neben einem Adler-Automobil von 1936 auch der erfolgreiche Mercedes 170, mit dem Häfele nun schon seit 33 Jahren ein gewohnter Anblick für viele auf Vorarlbergs Straßen geworden ist. Der Tacho zählt inzwischen 500.000 km, die Reinhard Häfele quer durch Europa zurück gelegt hat.

Zur Person:

Reinhard Häfele
Geburtsdatum: 25.05.1955
Wohnort: Frastanz
Hobbys: Sammeln und Restaurieren, Beschäftigung mit Geschichte
Lieblingslektüre: Gabriel García Márquez: 100 Jahre Einsamkeit
Lebensmotto: “Spielen wie ein Kind bis zum Lebensende!”
Zitat: “Wenn jemand meint, dass zwischen dem Menschen und einer Ameise ein Unterschied besteht, dann hat er überhaupt nichts verstanden!“

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