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Sahneschnitte der Architektur

Götzis - Helga und Ulrich Tumler aus Götzis haben sich für den Ausbau des Dachbodens eines 250 Jahre alten Rheintalhauses entschieden. Daraus entstand ein architektonisches Sahneschnittchen.
Zuhause bei Familie Tumler in Götzis

Wenn i amol groß bia, gang i in Dachboda!“ Unzählige Male hat Mena Koch diesen Satz von ihrer Tochter gehört. Das Schmunzeln in ihrem Gesicht – während sie gerade für ihre Enkelin Clara einen Tee aufgießt – verrät daher deutlich, dass die Oma in Erinnerungen schwelgt und an damals denkt, als ihre Mädchen im „Ufzug“ (Dachboden für Vorräte und Brennholz) und im Zwischenboden in der Tenne das Schlaraff enland der Kinderfantasien erleben durften. Der Kindheitstraum der heute 45- jährigen Helga Koch-Tumler ging tatsächlich in Erfüllung. Das haben wahrscheinlich beide, Mutter wie auch Tochter, nicht wirklich für möglich gehalten. Doch die Weichen dafür wurden in den 90erJahren gestellt. Das Dach des 250 Jahre alten Rheintalhauses war desolat. Es herrschte Handlungsbedarf. Ein Teilabbruch stand dabei ebenso im Raum wie ein zweiter Neubau für die damals noch junge Familie Tumler. Die Entscheidung fiel letztlich ganz anders aus. Denn der dreifachen Mutter lag das alte Kulturerbe, in dem jetzt ihre Mutter Mena Koch wohnt, sehr am Herzen und so fasste Architekt Christoph Thöni den Raum ins Auge, den die Krankenschwester immer so geliebt hat: den Dachboden.

Die Voraussetzungen, die Helga und Ulrich Tumler ans Wohnen haben, sind denkbar einfach: „Wohnen heißt für mich Wohlfühlen“, erklärt sie. „Dazu gehören die räumliche Offenheit und die Wandelbarkeit.“ Über die gesamte Länge des ehemaligen Wirtschaftstraktes, des Zubaus sowie ein Teilstück des Rheintalhauses erstreckt sich jetzt eine Einheit aus Küche, Ess- und Wohnzimmer mit 180 Quadratmeter Gesamtfläche. Ein Bauphysiker berechnete exakt den Lichteinfall, so dass die Fenster entsprechend positioniert werden konnten. „Wir haben den ganzen Tag Sonne im Raum, angefangen früh morgens, wenn sie aufgeht, bis abends, wenn sie untergeht“, sagt die Hausherrin. Die Form der Architektur spiegelt das typische Satteldach wider. Durchbrochen von der Gaube, die vom Vorbestand, ein Zubau aus dem Jahr 1964, bestehen blieb. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zubaus befi nden sich das Kinderzimmer, das Bad und das Elternschlafzimmer. Optisch handelt es sich um einen Kubus, der jetzt das ehemalige asymmetrische Giebeldach ersetzt. Die Eingangssituation führt halboff en bis unters Dach. So wurde bewusst die Atmosphäre eines Stadels beibehalten. Auch der vertikale Holzschirm unterstreicht den Stadelcharakter.

Im Wohnraum selbst ist außer den beiden Sideboards, die das gesetzlich vorgeschriebene Geländer ersetzen, kein fix montiertes Möbel. „Ich mag es gerne, wenn ich je nach Lust und Laune alles neu gestalten kann“, erzählt Helga Koch-Tumler. So steht selbst der Flügel auf Rädern. Diese haben jedoch weit mehr Symbolcharakter, da das Instrument, das stolze 500 Kilos wiegt, sich des Gewichtes wegen einen relativ konstanten Standplatz sicherte. Und zwar vor den nach Süden ausgerichteten Fenstern direkt nach der Gaube. Die Katzen danken es und genießen schnurrend ein Sonnenbad. Helga Koch-Tumler wollte schon als Kind im Dachboden leben. „Do bruchscht amol viel Geld“, meinte ihr Vater dazu. Tatkräftig unterstützte er die beiden damals beim Isolieren oder Aufstellen der Ständerwände. Helga selbst stellte sich auf die Leiter und malte. Alles mit weißer Farbe. „Heute würde mir bunt schon gefallen“, denkt sie schon wieder über eine Veränderung nach.

DATEN & FAKTEN

Mehrfamilienhaus in Götzis (Rheintalhaus mit Bestandserweiterung),
Helga und Ulrich Tumler mit Lea (9), Clara (7) und Valentin (12) sowie Mena Koch

Wohnfläche: 130 m² (Gesamtfläche 180 m² abzüglich der Dachschrägen)

Grundstück: 750 m²

Architektur: Christoph Thöni

Holzbau: Mayer Holzbau, Götzis

Planung: knapp zwei Jahre

Bauzeit: Mai 1999 bis Mai 2000

Energie: Gasheizung (im Altbau Kachelofen)

Konstruktion und Geschichte: Es handelt sich um Elementebauweise. Die Teile wurden angeliefert und auf der Baustelle fertiggestellt. Aus einem rund 250 Jahre alten Rheintalhaus wurde ein Mehrfamilienhaus in einer gelungenen Komposition von Alt und Neu. Auch der Zubau aus dem Jahr 1964 wurde in das Ensemble integriert. Beim Rheintalhaus handelt es sich um ein Dreiraumhaus. Die Anordnung der Zimmer wurde herkömmlich belassen. Hier wohnt Mena Koch. Das Haus und Grundstück ist seit jeher im Besitz der Familie Koch. Gerne erzählt man sich die Geschichte von Nikodemus Koch, der als Säckelmeister (Kämmerer) beim Grafen von Montfort gearbeitet hat.

(VN/ Leben&Wohnen)

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