Russischer Militärkonvoi in Ukraine eingedrungen

Keine Kampfpause nach Treffen Putin-Poroschenko
Keine Kampfpause nach Treffen Putin-Poroschenko
Anzeichen für ein direktes russischen Eingreifen in der Ukraine mehren sich: Die Ukraine meldete am Mittwoch das Eindringen eines russischen Militärkonvois im Osten des Landes. Regierungschef Arseni Jazenjunk warnte davor, Russland plane, im Winter die Gasversorgung an die EU zu blockieren. Auch Polens Geheimdienst sagt, in der Ukraine seien reguläre russische Armeeinheiten im Einsatz.
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Nach Angaben des ukrainischen Militärs drang der russische Militärkonvoi im Osten des Landes ein und erreichte zunächst den Ort Amvrosiyivka an der Grenze. Es handelt sich laut einem ukrainischen Armeesprecher über eine Kolonne aus hundert Fahrzeugen, darunter Panzer, Truppentransporter und Grad-Raketenwerfer, die sich auf dem Weg in die Ortschaft Telmanowe befinde. Die Fahrzeuge seien mit einem Dreieck oder einem weißen Kreis markiert. Telmanowe liegt rund 80 Kilometer südlich der Separatistenhochburg Donezk und 20 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Aus Russland gab es zunächst keine Stellungnahme. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Weiter Kämpfe in der Ostukraine

In der Ostukraine gingen die Gefechte weiter. Nördlich des angeblichen Grenzübertritts aus Russland tötete die ukrainische Armee nach eigenen Angaben in den Orten Horliwka und Ilowaisk rund 200 Separatisten und vernichtete Panzer und Raketensysteme. In den Kämpfen seien in den vergangenen 24 Stunden 13 ukrainische Soldaten ums Leben gekommen und 36 verletzt worden.

Will Russland der EU den Gashahn zudrehen?

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk berichtete indes von der angeblichen Absicht Russlands, der EU im Winter den Gashahn zuzudrehen. Jazenjuk sagte am Mittwoch in Kiew, “wir kennen Pläne Russlands, selbst den Gastransit in die EU in diesem Winter zu blockieren.” Rund die Hälfte der russischen Gaslieferungen an die EU fließt durch die Ukraine.

Polens Regierungschef Donald Tusk warnte am Mittwoch im polnischen Parlament, die russische Armee setze reguläre Einheiten in der Ukraine ein. Die polnischen Sicherheitsdienste hätten entsprechende NATO-Angaben bestätigt. “Das Problem der Ukraine ist ein Problem der Sicherheit Polens”, sagte Tusk. Die bulgarische Regierung plant laut einem Strategiepapier, wegen der “unmittelbaren Gefahr” aus Russland neue Raketensysteme anzuschaffen. Polen, Ukraine und Bulgarien wollen beim NATO-Gipfel am 4. September auf ein Handeln des Verteidigungsbündnisses drängen.

Weiterer russischer Hilfskonvoi angekündigt

In Moskau kündigte die Regierung inzwischen an, einen weiteren Hilfskonvoi in die Ostukraine zu schicken. Am Dienstag hatten sich die Präsidenten Wladimir Putin und Petro Poroschenko in Minsk getroffen. Dabei habe man sich auf einen vom Roten Kreuz begleiteten Konvoi geeinigt, sagte ein Sprecher Putins. Allerdings war die Auswirkung der aktuellen Ereignisse auf die Ankündigung unklar.

Russische Soldaten festgenommen

Die Regierung in Kiew führte indes auf ukrainischem Territorium festgenommene russische Soldaten bei einer “Pressekonferenz” vor. Sichtlich eingeschüchtert sagte einer der Gefangenen: “Wir sind uns bewusst, dass alles in Wirklichkeit nicht so ist, wie es das russische Fernsehen zeigt.” Ihm sei nun erklärt worden, dass die Ukraine von russischem Boden aus beschossen werde.

“Diesen Krieg brauchen wir nicht”

“Wenn tatsächlich die russischen Streitkräfte schießen, dann kann ich nur um eines bitten: Jungs, das ist nicht nötig. Diesen Krieg brauchen wir nicht”, appellierte der russische Soldat, wie das Internetportal Ukrainskaja Prawda am Mittwoch berichtete.

Das ukrainische Militär hatte die Fallschirmjäger nach eigenen Angaben etwa 20 Kilometer im Landesinneren festgenommen – kurz vor einem Krisentreffen zwischen den Präsidenten Petro Poroschenko und Wladimir Putin in Minsk am Dienstag. Putin bestätigte, dass russische Soldaten bei einer Patrouille auf ukrainisches Gebiet gelangt seien. Auch die Soldaten räumten ein, sie hätten nicht bemerkt, die russisch-ukrainische Grenze überschritten zu haben.

(APA)

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