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Routine wird das Sterben nie

(VN) Dornbirn - Auch Wolfgang Oberhauser lebt mit dem Tod. Als Bestatter 365 Tage und Nächte im Jahr.
Bestatter Wolfgang Oberhauser

Freie Tage? Wochenende? Da kann Wolfgang Oberhauser nur lächeln. „Grundsätzlich habe ich 365 Tage im Jahr Dienst.“ Den Grund dafür liefert das Leben, oder besser dessen Ende. Der 48-jährige Familienvater ist Bestatter. In einer Branche, die keine Betriebsferien kennt. Alle Jahre zu Allerheiligen würde sein Berufsstand in den Mittelpunkt rücken. Weil sich an diesem Tag Tausende Menschen dort aufhalten, wo Wolfgang Oberhauser fast täglich ist – am Friedhof.

Familienbetrieb

Der Tod. Für Wolfgang Oberhauser ist er seit fast drei Jahrzehnten Mittelpunkt des Lebens. Seit er seinem Vater, einem gelernten Tischlermeister, als Bestatter zur Hand ging. „Vater hat als Tischler begonnen, Einsargungen zu machen. Er übte dann mehr und mehr Bestattungstätigkeiten aus, hat sich in diesen Beruf sukzessive hineingearbeitet. Ich wollte selber immer Tischler werden und bin dann zwangsläufig in Vaters Fußstapfen getreten.“ Die Oberhausers stammen ursprünglich aus dem Leiblachtal. 1989 suchte man in Dornbirn einen neuen Bestatter, Oberhausers bewarben sich. „Und weil ich damals noch sehr jung war, entschied die Stadt zu unseren Gunsten. Man wollte damals in Dornbirn einen Bestatter für viele Jahre. Heute gibt es den Gebietsschutz ja längst nicht mehr“, erzählt Wolfgang Oberhauser. Sein Bestattungsunternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb. Die Frau arbeitet ebenso mit wie seine beiden Kinder. Dazu noch drei Gesellen.

Viel Erfahrung

350 Sterbefälle bearbeitet Wolfgang Oberhauser pro Jahr. Er erlaubt sich dabei, seine Erfahrung einzubringen. Keinesfalls jedoch Abwicklungen in Routine-Manier. „Es ist kein Fall so wie ein anderer. Jede Trauerfamilie hat ihre eigenen Umstände.“ Freilich hat Oberhauser gelernt, wie er mit den Angehörigen von Verstorbenen umzugehen hat. „Das spielt sich in einem breiten Spektrum ab. Bei den einen muss jedes Wort genauestens abgewägt werden, bei anderen ist gerade in solchen Situationen auch etwas Auflockerung gewünscht.“ Schon bei der Aufnahme persönlicher Daten weiß Oberhauser abzuschätzen, in welcher Verfassung seine Kunden sind. Wie er mit ihnen umgehen soll.

Gesichter des Todes

Der Tod hat für Oberhauser viele Gesichter. Das schrecklichste ist jenes von Kindern. Unauslöschlich sind für ihn die Bilder jener zwei Kinder, die sich vor Jahren in einer alten Kiste auf einem Bauernhof selbst einsperrten und qualvoll darin erstickten. „Da war ich zwei Wochen nicht ansprechbar“, ist noch immer ein Anflug von Verzweiflung in seiner Stimme. Sich selbst bezeichnet Wolfgang Oberhauser als gläubiger Mensch. „Ich bin überzeugt, dass es nach dem Tod ein Weiterleben gibt. Der Tod ist nicht unser Ende.“

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