Rochade in Huber-Führung

Götzis - Grossnigg legt operative Funktionen zurück – Girardi und Boenke bilden Führungsspitze.

Zu einer Zäsur ist es bei der Hauptversammlung der Textilgruppe Huber Mitte Juni gekommen. Der österreichweit als „Parade-Sanierer“ gehandelte Dr. Erhard F. Grossnigg, der für Huber seit der Übernahme von Benger Textil vor 25 Jahren immer wieder beratend, in den letzten sechs Jahren sogar als Vorstand tätig war, hat jetzt beim Traditions-Textiler sämtliche operativen Funktionen niedergelegt. Zugleich wurde Grossnigg als Mitglied in den von Dr. Michael Schur präsidierten Aufsichtsrat gewählt.

„Außerdem verbleibe ich als Aktionär in der Holding. Ich vertrete 26 Prozent, wobei 14 Prozent mir selbst gehören – die mehrheitlichen 74 Prozent hält Benger Brands, ein australisch-malaiisch-chinesisches Konstrukt“, erläuterte Grossnigg auf unsere Anfrage. Der gebürtige Linzer, der in Vorarlberg u. a. als 50 Prozent-Gesellschafter der Sleepwell Kauffmann GmbH fungiert und dem Stiftungsbeirat der Rhomberg-Gruppe angehört, zieht ein zufriedenes Resümee der Ära Grossnigg in der Huber Holding AG, unter deren Dach die Marken Skiny, Hanro und Huber firmieren. „Huber geht’s, trotz Krise, recht ordentlich, die Company steht de facto schuldenfrei da. Und wir werden, bei nur knapp weniger Umsatz als 2008, 2009 mit schwarzen Zahlen abschließen“, gab sich der als Geschäftsführer der Huber Beteiligungs GmbH und der Huber Tricot GmbH zurückgetretene Grossnigg überzeugt.

Der Vorstand der Huber Holding AG besteht aus Mathias Boenke (Marketing/Vertrieb) und Mag. Stefan Girardi (Finanzen / Produktion). In der Huber Tricot GmbH liegt die Alleingeschäftsführung bei Mag. Stefan Girardi. Auch dieser zeigte sich im Gespräch mit uns „nicht unglücklich, dass die Krise den Wäschebereich zumindest bis heute etwas weniger arg gebeutelt hat als z. B. die Hersteller von Oberbekleidung. Aber auch wir haben den Abschwung nahen gesehen, haben deshalb schon 2008 unser Umsatzbudget für 2009 entsprechend zurückdotiert und liegen zum Halbjahr sehr exakt in diesem Fahrplan“, berichtete Girardi heute von einem ca. achtprozentigen Umsatzminus verglichen zum ersten Halbjahr 2008.

In die Ära Grossnigg fiel nicht nur der 100. Geburtstag des 85 Prozent der Österreicher auch heute noch bekannten Labels, der letztes Jahr „in mehreren Tranchen“ (am Firmensitz, im Festspielhaus, in Wien) gebührend gefeiert wurde. Auch die Übernahme von Geschäftsbereichen der Harder Wolff Wäsche vor zweieinhalb Jahren, mit der zumindest anfänglich 140 Wolff-Jobs gerettet schienen, war eine markante Phase in Grossniggs Vorstandschaft. Der Troubleshooter musste mit dem Abstieg der europäischen Textilsparte ebenso umgehen wie mit der ganzen Wucht der Globalisierung, gegen die Huber immer wieder mit Innovationen und Investitionen ankämpfte. Der Gründer des heutigen Textilkonzerns, Josef Huber, würde sich in der nunmehr in Mäder konzentrierten Huber-Produktion kaum noch zurecht finden geschweige ,froh’ fühlen, was Huber Tricot laut Werbeslogan bekanntlich bewirkt: Wird heute doch ein Pyjama in 13, ein BH in 14, eine Herrenunterhose mit Eingriff in gar nur 4 Minuten genäht. Die jährlich verarbeitete Stoffmenge liegt bei weit über 10 Mill. Laufmetern.

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