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Rheinbrücke in Hohenems mit neuem Namen: Zu Ehren von Paul Grüninger

Ruth Roduner-Grüninger und Robert Kreutner enthüllten die Gedenktafel.
Ruth Roduner-Grüninger und Robert Kreutner enthüllten die Gedenktafel. ©Stiplovsek
Hohenems - Brücke zwischen ­Hohenems und Diepoldsau trägt nun den Namen Paul Grüninger.

Eine bewegende Veranstaltung war es bereits, bevor sie kam. Der St. Galler Regierungsrat Willi Haag, der Vorarlberger Landesrat Rainer Gögele, die Bürgermeister von Diepolds­au und Hohenems, Roland Wälter und Richard Amann, sowie Hanno Loewy als Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems – alle hatten sie in Gedenken an den Lebensretter Paul Grüninger treffende Worte gefunden. Doch als dann Ruth Roduner-Grüninger, die 90-jährige Tochter des ehemaligen Polizeipräsidenten, gebrechlichen Schrittes ans Rednerpult trat, kam tiefe Ergriffenheit dazu.

Ruth Roduner-Grüninger erzählte von ihrem Vater. „Man hat ihn wegen seiner Handlungen entlassen. Er bekam keinen Lohn mehr, keine Pension. Es war als gelernter Lehrer für ihn unmöglich, einen neuen Beruf zu finden. Wir wussten oft kaum, wovon wir leben sollten.“ Und das alles deswegen, weil der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger 1938 bis 1939 gut 3600 mit dem Tode bedrohte Menschen über die Grenze in die Schweiz ließ und dabei seine Amtspflichten verletzte.

Lebensretter

„Ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe. Im Gegenteil. Wäre ich in derselben Situation, würde ich das wieder tun“. So zitierte die alte Frau ihren Vater, der in jener dramatischen Zeit Menschlichkeit und Mut über unmenschliche Verordnungen und Regeln stellte und auch mit Unterstützung von Helfern wie Alfons Eigenmann unvergessene Zeichen von Zivilcourage setzte. Tief unter die Haut ging den rund 200 Besuchern der Festveranstaltung in Diepoldsau auch der Auftritt des 75-jährigen Robert Kreutner.

Er war noch ein Kleinkind, als 1938 seine jüdischen Eltern mit ihm aus Wien nach Vorarlberg fuhren – und von dort in die Schweiz flüchteten. „Mein Vater wurde zuvor in Wien von den Nazis übel zugerichtet und schwer verletzt. Ich stehe heute an jener Stelle, wo ich mich mit meinen Eltern bereits 1938 befand. Dank Alfons Eigenmann und Paul Grüninger durften wir in der Schweiz bleiben.“

Zeichen des Gedenkens

Die Brücke von Hohenems nach Diepoldsau heißt seit gestern „Paul Grüninger Brücke“. Bei Wind, Regen und kalten Temperaturen gab es die Fest- und Erinnerungsreden in einem offenen Zelt. Viele politische Vertreter von beiden Seiten des Rheins waren anwesend, um dem 1972 in Armut verstorbenen ehemaligen Polizeikommandanten späte Anerkennung zuteil werden zu lassen.

Auf beiden Seiten der Brücke wurden Brückenschilder enthüllt. In der Mitte der Brücke enthüllten Ruth Roduner-Grüninger und Robert Kreutner eine Gedenktafel. Auf der österreichischen Seite spielte ein Bläserquintett der Militärmusik Vorarlberg den Hauptmann- Grüninger-Marsch. Initiert wurde das Gedenken an den mutigen Schweizer Polizisten von Grünen-Politikern aus Vorarlberg und der Ostschweiz.

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