SeneCura: Längle reagiert auf die schweren Vorwürfe

SeneCura-Regionaldirektor Christian Längle reagiert ausführlich auf die Vorwürfe.
SeneCura-Regionaldirektor Christian Längle reagiert ausführlich auf die Vorwürfe.
SeneCura: Profitorientierung auf Kosten der Heimbewohner? In einer ausführlichen Stellungnahme reagiert Christian Längle, Regionaldirektor SeneCura Vorarlberg, auf die Missstände.

VOL.AT: Wie beurteilen Sie aktuell die Qualität Ihrer Einrichtungen in Vorarlberg? Wie steht es in Sachen Pflege, Reinigungskräfte und Küche ums Personal?

Christian Längle: Unser zentrales Qualitätsmanagement prüft unsere Einrichtungen laufend, wir haben mindestens vier interne Audits pro Jahr. Zusätzlich führen wir auch jährliche Zufriedenheitsumfragen unter den Bewohner:innen und Angehörigen durch, um hier bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen einleiten zu können. Die letzte Umfrage, die im September und Oktober 2020 von unserem Qualitätsmanagement unter den Bewohner:innen und Angehörigen in anonymisierter Form durchgeführt wurde, ergibt für unsere Pflegeheime in Vorarlberg eine allgemeine Zufriedenheit (über alle Themen) von 95,6 Prozent (53,4 Prozent sehr zufrieden und 42,2 Prozent zufrieden), beim Thema Essen und Trinken waren 91,5 Prozent zufrieden, davon 49,8 Prozent der Befragten sogar sehr zufrieden. Es gibt natürlich immer wieder einzelne Beschwerden zum Essen, die wir individuell besprechen – generell sind die Bewohner:innen und ihre Familien aber mit der Verpflegung zufrieden. Wir sind sicher, dass sich das durch die Zunahme der Frischküche – hier legen wir einen verstärkten Fokus darauf, noch mehr frisch gekochte, regionale Produkte zu verwenden – noch steigern lässt.

Wir prüfen aber unsere Qualität nicht nur intern laufend, sondern stellen uns auch externen Zertifizierungen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Häuser dabei überzeugen können. Aktuell sind die SeneCura Häuser in Bludenz, Herrenried und Hohenems mit dem NQZ (Nationalen Qualitätszertifikat) zertifiziert, der höchsten Qualitätsauszeichnung für Pflegeheime. Diese Häuser verfügen, wie auch jene in Lauterach und Hard, über die EQalin-Zertifizierung. Bludenz, Hohenems, Herrenried und Lauterach wurden als Familienfreundlicher Betrieb ausgezeichnet.

Unsere Teams in Bludenz, Hard, Hohenems, Herrenried und Lauterach schlossen außerdem heuer das Projekt „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz in der stationären Langzeitpflege“, des Landes Vorarlberg erfolgreich ab.

VOL.AT: Wie sieht die personelle Situation in Vorarlberg aus? Wieso haben vier der fünf Küchenleiter in den vergangenen Monaten gekündigt?

Christian Längle: Selbstverständlich erfüllen wir in Vorarlberg sämtliche Vorgaben des Personalschlüssels. Teilweise ist, je nach Haus, die Landesvorgabe bezüglich Personalstand übererfüllt, teilweise suchen wir aufgrund von Pensionierungen, Karenzen, etc. zusätzliche Mitarbeiter:innen.

Momentan befinden sich in Vorarlberg fünf Mitarbeiter:innen der SeneCura Gruppe in der Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Die Ausbildungskosten werden zur Gänze von der SeneCura übernommen. Die Ausbildung findet während der Arbeitszeit statt. Wir fördern unsere Mitarbeiter:innen mit voll finanzierten Weiterbildungen.

Was den Küchenbereich betrifft suchen wir derzeit für unsere Häuser für die Gastronomie insgesamt fünf Mitarbeiter:innen (eine Küchenleitung Stellvertretung, eine:n Köchin/Koch, drei Küchenhilfen). Bei Küchenleiter:innen gab es einerseits solche, die wieder zurück in die Gastronomie gingen, weil es ihnen dort besser gefällt. Andererseits gab es nach der Übernahme dieses Bereichs durch die SeneCura einige Herausforderungen, die erst gelöst werden mussten. Die Umstellung auf eine neue Software verursachte z.B. zu Beginn einen Zusatzaufwand, es fiel mehr Büroarbeit für die Küchenleiter:innen an. Das musste sich erst einspielen. Auch in der Kommunikation gab es Verbesserungsbedarf. Hier gab es Unzufriedenheit bei den Küchen-Mitarbeiter:innen, die auch zu Kündigungen führte. Mittlerweile konnten wir aber diese Belastungen wieder reduzieren und die Kommunikation verbessern. Bis auf eine „normale“ Fluktuation sind unsere Teams derzeit stabil.

VOL.AT: Tiefkühlware, Fertigprodukte und ein Wareneinsatz von 3,50 Euro pro Kopf. Lässt sich das mit Ihren Anforderungen an den Anspruch einer qualitativ hochwertigen Betreuung vereinbaren? Sie kochen ja u.a. auch für Kindergärten, Schulen und Essen auf Rädern. Welche Waren kommen hier zum Einsatz?

Christian Längle: Wir sind gerade dabei, den Anteil an frisch gekochten Produkten in unsere Küchen im Sinne der Frischküche weiter zu erhöhen, das soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann werden wir den Anteil der frisch gekochten Speisen auf 85 Prozent erhöhen. Das betrifft z.B. die Beilagen wie Gemüse, Spätzle oder auch die Kuchen. Wir setzen zu 80 Prozent auf regionale Produkte. Das geht von Fleisch über Obst und Gemüse bis hin zu Nudeln und Milch.

Um auf die speziellen Bedürfnisse der Schulen und Kindergärten einzugehen, gibt es auch einen adaptierten Speiseplan.

Ein wichtiger Aspekt auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit ist die Vermeidung von Abfällen durch eine bessere Planung der Mahlzeiten. Auch hier sind wir dabei, unsere Systeme zu optimieren.

VOL.AT: Mitarbeiter wandten sich auch schon an die österreichweite Geschäftsführung (das Schreiben liegt VOL.AT vor). Wie hat man auf die Kritik reagiert? Wie planen Sie mit den Vorwürfen umzugehen?

Christian Längle: Die Geschäftsführung hat mit allen Mitarbeiter:innen, die sich direkt an sie gewandt haben, Kontakt aufgenommen, um ihr Anliegen zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die anfänglich schwierige Situation hat sich mittlerweile entspannt und alle Themen konnten gemeinsam gut aufgearbeitet werden.

In unserem nächsten SeneCura Inform wird ein zweiseitiger Beitrag über einen Küchenleiter in Vorarlberg erscheinen. Es ist uns sehr wichtig, die Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich sichtbar zu machen. Sie tragen einen wichtigen Teil zum Wohlbefinden der von uns betreuten Menschen bei.

VOL.AT: Wie stehen Sie zu den Vorwürfen, SeneCura würde als gewinnorientiertes Unternehmen Abstriche bei der Qualität des Angebots in Kauf nehmen?

Christian Längle: Wir tun alles dafür, um den Menschen, die in unseren Häusern leben, die bestmögliche Lebensqualität und für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe zu bieten.

Wir wirtschaften durch unsere hohe Spezialisierung und internationale Erfahrung erwiesenermaßen besser als andere Träger in Österreich und können so auch mehr wieder in die Qualität der Pflege re-investieren. In die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter aber auch in Innovationen im Pflegebereich, der sich ja auch stetig weiterentwickelt. Auch durch zentrale Funktionen wie z.B. die IT und Einkauf haben wir hier einen Vorteil. Das hat uns z.B. bei der Beschaffung von Schutzmaterial während der ersten Phase der Corona-Pandemie sehr geholfen.

Wir führen alle Häuser in Vorarlberg als gemeinnützige Gesellschaften und unterliegen dabei denselben Regeln wie jene Häuser, die von der öffentlichen Hand geführt werden.

(VOL.AT)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • SeneCura: Längle reagiert auf die schweren Vorwürfe
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen