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Rathausfront mit feministischem Touch

Bürgermeister Michael Ritsch, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch, Künstlerin Katharina Cibulka, Kulturstadtrat Michael Rauth
Bürgermeister Michael Ritsch, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch, Künstlerin Katharina Cibulka, Kulturstadtrat Michael Rauth ©Udo Mittelberger
Bregenz (BRK) – Zum ersten Mal präsentiert die Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka ihr seriell angelegtes Kunstprojekt „SOLANGE“ in Vorarlberg.

Nach erfolgreichen Installationen in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Wörgl, Innsbruck und Landeck sowie in Italien, Slowenien und Marokko wird ihre Baustellen-Kunst nun auch in Bregenz zu sehen sein – am Baugerüst des Rathauses während der dort stattfindenden Umbau- und Sanierungsarbeiten.

Am 30. August 2021 wurde an der eingerüsteten Fassade des Rathauses in Bregenz ein mit pinkem Tüll besticktes Baustellen-Netz mit der Aufschrift „Solange Gleichstellung nicht Deine Lieblingsstellung ist, bin ich Feminist:in“ montiert. Die offizielle Übergabe erfolgte in Anwesenheit von Bürgermeister Michael Ritsch, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch, Kulturstadtrat Michael Rauth, der Künstlerin und anderen.

Seit 2018 beschäftigt sich Cibulka mit der Frage, wie lange man den Feminismus noch brauchen wird. Ihre im traditionellen Kreuzstich von Hand gefertigten SOLANGE-Sätze sollen nach wie vor bestehende Missstände benennen. Dabei ist Cibulka wichtig, dass ihre Slogans frei von Anklage sind: „Meine Intention ist das Sichtbarmachen von gesellschaftspolitischen Schieflagen und das Sensibilisieren. Es geht mir nie um Schuldzuweisung, auch nicht um ein Verharren im Täter-Opfer-Denken, sondern um Anregung zur Diskussion. Eine Prise Humor kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein.“

Aufgrund der aktuellen Zahlen im kürzlich erschienenen Vorarlberger Gleichstellungsbericht 2021, in dem der Frauenanteil in Führungspositionen gering, in Fragen der Karenz und Pflege jedoch frappant hoch ist, meinte die Künstlerin mit einem Augenzwinkern: „Da scheint mir ein Stellungswechsel mehr als angebracht.“ Für Cibulka sind feministische Forderungen kein Frauenthema. Sie sollen viel mehr gesellschaftspolitisch relevante Probleme aufzeigen, deren Lösung alle interessieren sollte.

Darüber hinaus seien natürlich auch Politik und Wirtschaft gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne flexiblere Arbeitszeitmodelle, ein Schließen der Gehaltsschere und zusätzliche Kinderbetreuungseinrichtungen werde sich die Situation nicht so schnell ändern, so die Künstlerin. Cibulka sieht ihre „Kunst im öffentlichen Raum“-Installationen nie losgelöst vom Kontext des Gebäudes und der Location. Insofern bildet der Ort, an dem der neue SOLANGE-Satz montiert wurde, eine wunderbare Synthese: „Ein Rathaus ist ein Ort, an dem man sich Rat holen kann, also eine Servicestelle für alle Bürger:innen dieser Stadt, gleichzeitig aber auch ein Haus, in dem beratschlagt wird, wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Der Umbau soll dem Zweck dienen, dieses Haus weiter zu öffnen, barrierefreier zu machen. SOLANGE wird während der Bauphase mit weichem pinkem Tüll und Gleichstellungsmessage von außen nach innen und vice versa seine Wirkung entfalten.“

„Das Bregenzer Rathaus ist nicht nur geographisch, sondern auch in seiner Funktion eines der zentralen Gebäude unserer Stadt. Daher ist es nur folgerichtig, dass es im Zuge der Neugestaltung mehrerer Straßen im Stadtzentrum nun saniert wird. In einem Jahr, in dem das Thema ‚Femizide‘ sehr stark thematisiert wurde, halte ich eine solche Fassadenabdeckung für eine wichtige Botschaft“, meinte Bürgermeister Michael Ritsch in seiner Stellungnahme. 

„Das Projekt wurde von der neuen städtischen Dienststelle ‚Frauenservice, Gleichstellung, LGBTIQ+ und Integration‘ initiiert, welche dieses Jahr ihre Arbeit aufgenommen hat. Als zuständige Stadträtin setze ich mich gemeinsam mit der neuen Stelle für die Gleichstellung aller Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen ein“, so Vizebürgermeisterin Sandra Schoch. „Wir haben in einem breit angelegten Beteiligungsprozess die Wünsche der Bregenzer Bürger:innen an die neue Dienststelle erhoben. Dies bildet die Basis für unsere zukünftige Arbeit.“ Einzusehen sind die gewonnen Erkenntnisse unter vorarlberg.mitdenken.online.

Und Stadtrat Michal Rauth dazu: „Der Kulturservice der Stadt Bregenz realisiert heuer einige Interventionen im öffentlichen Raum: ‚ROUND 72‘ (Angelo Roventa), ‚Rette sich wer kann‘ (Karl-Heinz Ströhle) oder auch den Bauzaun der Vorarlberger Landesversicherung mit ‚Hoffnung kommt aus Bregenz‘ (Franz Kafka). Mit Katharina Cibulka und ihrer Fassadenkunst am Baustellennetz des Rathauses erfolgt nun eine künstlerisch-politische Intervention, die auf nach wie vor bestehende Missverhältnisse in unserer Gesellschaft hinweist.“ 

Allgemeine Informationen:

Mit Kabelbinder und Tüll bestickte Staubschutznetze werden international auf Baustellen montiert. Die großformatigen, im traditionellen Kreuzstich eingestickten Botschaften verdeutlichen die anhaltende Notwendigkeit feministischer Forderungen. Die Themenbereiche für die Slogans werden aus zahlreichen Gesprächen rund um das Thema Feminismus entwickelt. Im Fokus steht das Hinterfragen aktueller gesellschaftlicher Machtstrukturen. Bislang wurden 20 Netze realisiert. Eine Ausweitung des Projektes auf weitere Länder ist in Planung.

In Kooperation mit:

Vivian Simbürger (Textilkünstlerin), Tina Themel (Text Editing Deutsch, Kommunikation), Margarethe Clausen (Text Editing English), Marie Themel (Instagram)

Jury:

Daniela Egger (Autorin und Kuratorin), Stefania Pitscheider Soraperra (Direktorin Frauenmuseum Hittisau) und Jürgen Weishäupl (Kulturmanager)

Kurzportrait von Katharina Cibulka:

Katharina Cibulka verfolgt in ihren Arbeiten eine konsequente politische Agenda, in deren Mittelpunkt Aspekte wie Feminismus, soziale Gerechtigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Fragen zu ästhetischen Prozessen und der Rolle der Kunst selbst stehen. Sie geht dabei oft von Geschichten und Motiven aus, in denen grundlegende gesellschaftliche Streitfragen und Anforderungen auf persönliche Weise reflektiert werden. Ihre Arbeiten nehmen in dieser Auslotung emanzipativer und sozialer Perspektiven unterschiedliche Formen an: Interventionen im öffentlichen Raum, Arbeiten mit Film, Fotografie, Texten oder Sound, mit Aktionen und Performances.

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