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Rassismus-Skandal um Schalke 04-Boss Tönnies

©Schalke's chairman of the board Clemens Toennies attends the general meeting of FC Schalke 04 football club on June 3, 2018 in Gelsenkirchen. / AFP PHOTO / dpa / Guido Kirchner / Germany OUT
Nach seinen rassistischen Aussagen erntet Clemens Tönnies, Unternehmer und Aufsichtsratchef bei Schalke 04, reichlich kritik aus Politik und Sport.

Der 63-jährige Unternehmer und Schalke 04-Aufsichtsratschef, Clemens Tönnies, hatte als Festredner beim "Tag des Handwerks" in Paderborn - vor 1600 Gästen - Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Bei seiner Rede sagte er, man solle lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Aussagen aus der Kolonialzeit

Bereits am nächsten Tag folgte die Entschuldigung des Fleischproduzenten und Fußballfunktionärs und auch Schalke 04 veröffentlichte eine weitere Entschuldigung des 63-Jährigen. Die Kritik an den Aussagen reißt jedoch nicht ab.

"Gutsherren-Mentalität"

Ex-Profi Hans Sarpei monierte, das Weltbild von Tönnies erinnere an die Kolonialzeit und entspräche dem eines Großwildjägers. Er forderte, dass der Ehrenrat über Konsequenzen berät." Andreas Rettig, scheidender Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, warf Tönnies eine "Gutsherren-Mentalität" vor.

"Verächtliche Worte"

Der Ex-Profi und Integrationsbeauftragte des DFB, Cacau, verurteilte die Aussage: "Mich haben die verächtlichen Worte schockiert", wird der Ex-Nationalspieler in einem vom DFB veröffentlichten Statement zitiert. Je länger er darüber nachdenke, "desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht."

"Das Weltbild eines Großwildjägers"
(Hans Sarpei)

Auch der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler und Ex-Schalke-Profi Gerald Asamoah äußerte sich schockiert: "Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt. Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen". Zugleich forderte Asamoah Konsequenzen: "Das können wir nicht dulden. Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen und wir sind auch schon lange eng befreundet. Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten."

"Es ist beschämend, dass ein Mann in einer solchen Funktion eine solche Aussage trifft", sagte Ex-Profi Otto Addo der dpa: "Das ist mehr als ein dummer Spruch. Denn was mich noch mehr stört als der Spruch ist das Gedankengut, das dahintersteckt. Und dann rutscht so etwas eben mal raus. Das ist primitiv und zeugt von Unwissen."

Gerald Asamoah im Schalke-Trikot (AP)

Kritik von allen Seiten

Auch aus der Politik wurde Kritik verlautet. So äußerte sich etwa Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt und SPD-Bundestagsabgeordnete sowie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, die Tönnies "dumpfen Rassismus" vorwirft.

"Dass so etwas von jemandem artikuliert wird, der eine herausgehobene Position im Sport innehat, macht die Sache umso schlimmer. Die am folgenden Tag veröffentlichte Klarstellung durch Herrn Tönnies kann den gesellschaftspolitischen Schaden sicher nicht wettmachen", betonte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.

Sylvia Schenk von Transparency International erklärte: "So etwas rutscht einem bei einer offiziellen Rede nicht einfach heraus, da steckt eine hochproblematische Einstellung dahinter."

Ligapräsident Reinhard Rauball äußerte sich ebenso kritisch. "Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist und das kann man nicht durchgehen lassen.Was mich noch mehr als dieser völlig deplatzierte Spruch betroffen gemacht hat, ist, dass dort für diese Sätze auch noch Beifall geklatscht worden ist", sagte der Präsident von Borussia Dortmund.

Ligapräsident Reinhard Rauball (AFP)

Rückendeckung vom Verein

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider hat Tönnies hingegen zunächst in Schutz genommen. "Ich kenne Clemens Tönnies seit zehn Jahren. Er ist ein Mensch, der zu hundert Prozent die Werte von Schalke 04 vertritt", sagte Schneider am Freitag am Rande des Trainingslagers des Fußball-Bundesligisten im österreichischen Mittersill. Laut Schneider habe Tönnies eine "unbedachte Äußerung getätigt und sich heute Morgen prompt entschuldigt. Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weiter geht."

Der Verein reagierte am Freitag mit einer vom Vorstand gezeichneten Erklärung, in der es hieß: "Wir haben Clemens Tönnies in den langen Jahren der Zusammenarbeit nie anders erlebt als jemanden, der mit vollem Einsatz für den FC Schalke 04 und unsere Werte einsteht. Seine Aussage steht natürlich in deutlichem Widerspruch zu unserem Leitbild, daher war seine Entschuldigung richtig und wichtig.

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider (GEPA Pictures)

Investitionen für Afrika

Nach seinem verbalen Fehltritt gibt sich Tönnies zerknirscht. "Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drum herum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Er wolle seine Aussagen wiedergutmachen.

Tönnies versicherte, ihm sei es darum gegangen, dass die Europäer sich mehr für Afrika engagieren müssten und durch große Investitionen dort mehr zur Lösung der Klimaprobleme beitragen könnten. "Das habe ich durch meine unbedachten Äußerungen, die ich zutiefst bedaure, leider völlig konterkariert", sagte Tönnies.

Ehrenrat und Ethikkommission

Kurze Zeit später gab der Ehrenrat des Vereins bekannt, sich in der nächsten Sitzung mit dem Thema zu beschäftigen. Dem Gremium stehen diverse Sanktionen zur Verfügung - bis hin zu einer Amtsenthebung. Tönnies erklärte unverzüglich seine Bereitschaft, sich dort zu dem Vorgang zu äußern.

Auch die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes wird sich bei ihrer nächsten Sitzung am 15. August mit dem Vorfall beschäftigen. Das bestätigte der Vorsitzende des Gremiums, Nikolaus Schneider, der Deutschen Presse-Agentur.

Tönnies' öffentliches Bedauern seiner Aussage werde bei der Bewertung durch die Ethikhüter berücksichtigt, kündigte Schneider an. Allerdings widersprächen die getätigten Worte allem, "wofür der Fußball steht", so Schneider."

Die DFB-Ethikkommission kann selbst kein Urteil fällen. Das dreiköpfige Gremium kann lediglich eine Anklage erheben, über die dann die DFB-Gerichtsbarkeit entscheiden muss.

Strafen muss Tönnies zumindest von diesem Gremium deshalb nicht fürchten. "Das kann nur die Ethikkammer der Sportgerichtsbarkeit des DFB", sagte Schneider.

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