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Rasenheizung: Alle außer der Austria dafür

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Pascal Pletsch (VOL.AT) pascal.pletsch@russmedia.com
Immer wieder heißt es in der Diskussion um die Rasenheizung, dies sei eine Vorgabe der Bundesliga. Doch wer entscheidet das und wie argumentiert man in Zeiten von Klimawandel und Co die Notwendigkeit? Wir haben nachgefragt.

Niemand will sie wirklich haben und dennoch verlangt die Bundesliga in den Lizensierungsbedingungen eine Rasenheizung für die Vereine. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesliga, Christian Ebenbauer nimmt auf VOL.AT Nachfrage Stellung.

VOL.AT: Herr Ebenbauer, wie erklärt die Bundesliga in Zeiten von Klimawandel und Energiediskussionen die Notwendigkeit einer Rasenheizung als sogenanntes A Kriterium?

Christian Ebenbauer: Kurz ausgeführt geht es seit der Einführung im Sommer 2014 um die Wettbewerbssicherheit und Gleichheit in Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen in Österreich und den möglichen Spielterminen, sowie nicht zuletzt der Gesundheit der Spieler. Der österreichische Profifußball bewegt sich in einem engen terminlichen Korsett, das durch die Vorgaben von FIFA und UEFA Spieltermine in den Wintermonaten notwendig macht. Zusätzlich gibt es für Nachtragsspiele kaum Termine, vor allem nicht zur wärmeren Jahreszeit. Durch die UEFA Reform ab 2024/25 mit Bewerbsspielen u.a. im Jänner wird die terminliche Situation noch einmal verschärft. Aber auch die Gesundheit der Spieler ist neben dem Termindruck ein wichtiger Aspekt. Bei gefrorenen oder teilgefrorenen Böden ist die Verletzungsgefahr für Spieler höher. Dies stellt insbesondere im Hinblick auf Bänder- und Muskelverletzungen ein großes gesundheitliches Risiko dar.

VOL.AT: Immer mehr Vereine kritisieren die Vorgabe, dennoch gibt es in den Gremien offenbar nach wie vor keine klare Linie dagegen. Welche Vereine sind hier für die Beibehaltung der verpflichtenden Rasenheizung, welche Vereine haben Kritik geäußert?

Auch Rasenheizungen haben sich technisch weiterentwickelt. So sollten heute keine mit Öl oder Gas betriebenen Rasenheizungen mehr gebaut werden. ©GEPA

Christian Ebenbauer: Die kritischen Stimmen zur verpflichtenden Rasenheizung waren beispielsweise in der Diskussion vor der Einführung der Verpflichtung zur Rasenheizung deutlich mehr als das jetzt der Fall ist. Ein entsprechender Vorstoß des SC Austria Lustenau in der letzten Klubkonferenz, wurde zuletzt von keinem weiteren Klub unterstützt.

VOL.AT: Wenn man die letzten Jahre ansieht, haben die beiden in Vorarlberg aktuell vorhandenen Rasenheizungen (Cashpoint Arena, Reichshofstadion) so gut wie keinen einzigen Einsatztag gehabt. Wie und zu welchen Anlässen musste in den letzten drei Jahren in einem Stadion die Rasenheizung zur Aufrechterhaltung des Betriebs verwendet werden?

Christian Ebenbauer: Zuletzt wurden im vergangenen Winter die Einsatzzeiten der jeweiligen Rasenheizung evaluiert. Im Ergebnis wurde im Durchschnitt jede Rasenheizung für die Durchführung von vier Spielen in den Monaten Oktober bis März benötigt. Das sind rund 139 Betriebsstunden pro Monat. Auf den einzelnen Klub heruntergebrochen können diese Zahlen natürlich abweichen - immer abhängig auf die Wettersituation im betreffenden Jahr in der betreffenden Region. So hat es auch Klubs gegeben die alle Spiele ohne Rasenheizung absolvieren konnten. Die Prämisse beim Einsatz der Rasenheizung ist natürlich, dass die Klubs diese nutzen wenn es notwendig ist.

VOL.AT: In Deutschland gibt es aktuell eine Petition zur Abschaffung der verpflichtenden Rasenheizung. Gibt es ähnliche Pläne der österreichischen Bundesliga?

Christian Ebenbauer: Dazu ist uns nichts bekannt.

VOL.AT: In welcher Form werden Vereine unterstützt, die sich für klima- und umweltschonende Maßnahmen einsetzen und darin investieren?

Christian Ebenbauer: Die Bundesliga beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. In den Stadionbestimmungen finden sich förderbare C-Kriterien wie LED Flutlicht, wasserlose Urinale, Mülltrennungssystem oder nachhaltige Energiesystem (PV Anlagen, Solar- und Geothermie) wieder. Deren Errichtung wird aus dem Bundesliga Infrastrukturtopf finanziell gefördert. In den vergangenen Jahren wurden hier von Seiten der Liga insgesamt rund 400.000 Euro für nachhaltige Projekte bereitsgestellt. Auch abseits von größeren baulichen Maßnahmen setzen viele Klubs Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit um. Beispielsweise Mehrwegbecher, gratis Öffi Fahrten am Spieltag, regionales Catering etc. Seit dem Lizensierungsverfahren für die Saison 23/24 gilt zudem das verpflichtende Lizenzkriterium (B-Kriterium) Umweltschutz: "Der Lizenzbewerber muss Maßnahmen ergreifen und umsetzen, um seinen ökologischen Fußabdruck und die Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der Organisation seiner Veranstaltungen sowie dem Management und der Errichtung von Infrastruktur verbessern." Dies wurde in der aktuellen Lizensierung erstmals geprüft.

(VOL.AT)

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