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Rare Werke, seltene und göttliche Instrumente im Abo des Concerto Stella Matutina

Der gebürtige Oberösterreicher Johannes Hinterholzer ist Professor an der Musikhochschule München. Der international gefragte Solist ist Spezialist für historische Horninstrumente.
Der gebürtige Oberösterreicher Johannes Hinterholzer ist Professor an der Musikhochschule München. Der international gefragte Solist ist Spezialist für historische Horninstrumente. ©Pia Clodi
Vielfalt zeichnet die Abonne­ment­reihe 2018 in der Kultur­bühne AMBACH in Götzis aus

Für die fünf Konzerte der Abo-Reihe 2018 hat sich das Concerto Stella Matutina wieder auf die Suche nach selten gespielten Werken und Instru­menten gemacht. Raritäten von Francesco Maria Veracini und ein Abend mit dem Instru­ment Zink erwarten die Freunde Alter Musik in der Kultur­bühne AMBACH in Götzis. Das Publi­kums­in­ter­esse ist groß: Die Zahl der Abonnenten ist in den letzten Jahren auf fast 500 gestiegen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2005 hat sich das Concerto Stella Matutina zu einem der führenden Barock­ensem­bles Öster­reichs entwi­ckelt. Mit Spürsinn und musik­wis­sen­schaft­li­chem Forschungs­geist fördern die Musiker immer wieder neue Werke aus den Archiven zutage. Mit hohem Quali­täts­an­spruch wird Alte Musik, in die Gegen­wart übersetzt, neu erlebbar.

„Wir spielen auf Origi­nal­in­stru­menten, die durch ihre Bauart eine andere Spiel­weise bedingen. Sie haben deswegen auch eine ganze andere Klang­farbe“, erklärt Initiator, Manager und Ensem­ble­mit­glied Bernhard Lampert. Diese Beson­der­heit des Concerto Stella Matutina wird auch im Abo-Programm 2018 deutlich: „Jedes Konzert ist auf seine Art und Weise einzig­artig. Wir versu­chen die enorme Vielfalt der Alten Musik zu zeigen.“

Zwei der Höhepunkte in der vielfäl­tigen Mischung: ein Abend, an dem die Bühne allein den Blech­blä­sern gehört und mit dem Zink ein selten gespieltes Instru­ment zum Einsatz kommt. Zum 250. Todestag werden Werke des italie­ni­schen Geigers und Kompo­nisten Francesco Maria Veracini wieder aufge­führt.

Ein Wirrkopf
Mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Rarität eröffnet das Concerto Stella Matutina den Abonne­ment­zy­klus am 2. März 2018. Gemeint ist der von seinen italie­ni­schen Lands­leuten mit dem Spitz­namen „capo pazzo“, auf Deutsch „Wirrkopf“, bedachte Francesco Maria Veracini, dessen 250. Todestag im kommenden Jahr begangen wird. Heute nur noch einem kleinen Kreis von Kennern bekannt, war Veracini einer der größten Geiger der Barock­zeit. Als hochmütig und exzen­trisch beschrieben, ranken sich unglaub­liche Geschichten von Fenster­stürzen und Schiff­brü­chen um den virtuosen Violi­nisten und Kompo­nisten.

Der aus Locarno stammende Duilio Galfetti, Leiter und Solist des ersten Abo-Konzerts, arbeitet das erste Mal mit dem Concerto Stella Matutina zusammen. Auf dem Programm stehen neben der Ouver­türe VI in g-Moll, dem Violin Concerto, D-Dur, und dem Concerto a otto instrumenti von Francesco Maria Veracini Werke von Johann Georg Pisendel und Georg Fried­rich Händel. „Ich freue mich, dass unser Gastgeiger Duilio Galfetti die fast verges­sene Klang­welt von Francesco Maria Veracini wieder aufleben lässt“, so Bernhard Lampert, organi­sa­to­ri­scher Leiter des Concerto.

Haupt­rolle für die Blech­bläser
„Verzinktes Blech“ heißt es am zweiten Abo-Konzert­abend. Unter der Leitung von Frithjof Smith stehen die Blech­bläser im Mittel­punkt. Immer schon mit einer wichtigen Rolle bedacht, waren die Blech­bläser bislang stets im großen Ganzen des Orches­ters einge­bettet, um die Festlich­keit der Musik zu unter­malen. In diesem Konzert sind sie allein mit ihres­glei­chen auf der Bühne und bringen hochba­rocke Bläser­musik zur Auffüh­rung.

Frithjof Smith hat seine musika­li­sche Ausbil­dung auf der Block­flöte begonnen. Im Alter von zwölf Jahren hat er den selten gespielten Zink entdeckt, der zu seinem Haupt­in­stru­ment wurde. „Der Zink war eines der wichtigsten Musik­in­stru­mente zwischen dem 15. und 17. Jahrhun­dert. Vor allem deswegen, weil dieser die mensch­liche Stimme hervor­ra­gend imitieren konnte“, erklärt Bernhard Lampert die Beson­der­heit und Bedeu­tung des raren Instru­mentes.

Dem Göttli­chen auf der Spur
Das Horn als „göttli­ches Instru­ment“ steht im Mittel­punkt des dritten Konzert­abends. Seine vielfäl­tigen Einsatz­mög­lich­keiten als Solo- oder Orches­ter­in­stru­ment spiegeln sich in der Werkaus­wahl. In der Sinfonie Nr. 7 „La chasse“ des briti­schen Kompo­nisten John Marsh wird das Horn als Jagdin­stru­ment erlebbar. Ebenfalls auf dem Programm steht Wolfgang A. Mozarts Hornkon­zert in Es-Dur von 1783 mit dem beliebten Jagdfi­nale.

Mit Johannes Hinter­holzer ist erstmals ein Hornso­list in Götzis dabei. Der gebür­tige Oberös­ter­rei­cher ist Professor an der Musik­hoch­schule München, inter­na­tional gefragter Solist, Kammer- und Orches­ter­mu­siker und Spezia­list für histo­ri­sche Hornin­stru­mente.

 Eine reine Famili­en­sache
Der Stamm­baum der Familie Bach reicht weit ins 16. Jahrhun­dert zurück. Johann Sebas­tian Bach (1685 – 1750) ist heute der wichtigste und bekann­teste Kompo­nist aus dieser weitver­zweigten Familie von Musikern. Als strenger Lehrer unter­rich­tete er seine Kinder in den musika­li­schen Diszi­plinen. Und wie der Vater, so die Söhne! Beim 4. Abo-Konzert stehen neben den Werken von Johann Sebas­tian auch Kompo­si­tionen von vier seiner Söhne auf dem Programm: Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Chris­toph Fried­rich Bach, Wilhelm Friede­mann Bach und Johann Chris­tian Bach. „Die Söhne entwi­ckelten ihre ganz eigene musika­li­sche Handschrift. Der Konzert­abend mit zwei Genera­tionen von Bachs wird sehr inter­es­sant“, verspricht Bernhard Lampert.

Das musika­li­sche Famili­en­treffen leitet der in Rom geborene Alfredo Bernar­dini. Der in Götzis durch mehrere Auftritte bestens bekannte Barockoboist und Mentor des Concerto Stella Matutina ist seit 2014 Professor am Mozar­teum Salzburg.

Weihnachts­kon­zert mit Aha-Erlebnis
Kurz vor Weihnachten endet die Konzert­reihe des Concerto Stella Matutina tradi­tio­nell und mit festli­chen Klängen. Und mit einer Überra­schung. „Wetten, dass Sie zumin­dest acht Takte aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpen­tier kennen“, sagt Concerto Stella Matutina-Manager Lampert. Denn mehr als 300 Jahre nach dem Tod des franzö­si­schen Kompo­nisten sind die ersten Takte seines Werks als Eurovi­sions-Kennme­lodie noch immer bekannt. Das „Te Deum“ kommt zusammen mit der Weihnachts­messe „Messe de Minuit“ zur Auffüh­rung.

Das Barock­or­chester wird unter­stützt von Clau Scherrer, dem musika­li­schen Leiter des Kultur­fes­ti­vals Origen, und dem Ensemble Vocal Origen. Dirigent Clau Scherrer und die Sänge­rinnen und Sänger aus Graubünden sind im Rahmen der Abo-Konzerte alte Bekannte.

 

Info: www.stellamatutina.at

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