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Prunkbauten Prags schwer beschädigt

Tschechien stand erst am Beginn der Aufräumarbeiten und Schadensermittlungen. Dutzende Prachtbauten dürften zerstört worden sein.

Die Behörden gingen davon aus, dass Dutzende Palais und Jahrhunderte alte Häuser durch die Überflutungen zum Teil zerstört wurden. Das barocke Palais Lichtenstein, das am Moldau-Ufer in der Nähe der Karlsbrücke liegt, war weiter vom Wasser eingeschlossen. Vor dem Palais stand das Nass drei Meter hoch. Die weltberühmte Karlsbrücke aus dem 14. Jahrhundert dürfte indes die Fluten überstanden haben, ohne schwer in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Obwohl mit Schutzdämmen aus Sandsäcken verhindert werden konnte, dass die Moldau den alten Stadtkern zur Gänze überflutet, drangen die Wassermassen dort in die Keller von so gut wie jedem Gebäude ein. Der Prager Bürgermeister Igor Nemec dämpfte den durch fallende Pegel ausgelösten Optimismus der Bevölkerung und der Einsatzkräfte. „Es gibt keinen Grund zu jubeln“, sagte Nemec. Das Wasser sinke, doch der aktuelle Pegelstand sei noch immer der höchste seit 50 Jahren.

Der größte Einsatz der Feuerwehr galt dem 1883 eröffneten Prager Nationaltheater am Ostufer der Moldau. Seine goldene Kuppel und die Engel an der Fassade leuchteten im Sonnenlicht, während sich im Haus unter der Bühne dramatische Szenen abspielten, um die Bausubstanz zu retten. Mit lärmenden Dieselpumpen wurde das Wasser aus dem Keller und zurück in den Fluss befördert. „Wir können die Höhe des entstandenen Schadens noch nicht mal abschätzen“, sagte der Bürgermeister. Die Europäische Union (EU) kündigte Hilfen von mehr als 55 Millionen Euro für Tschechien an.

Der Pegel der Elbe stieg indes in Nordböhmen weiter an und überschwemmte weite Teile der Stadt Usti nad Labem (Aussig), 110 Kilometer nordwestlich von Prag. In der Nähe von Usti nad Labem rissen die Halteseile von drei Schiffen. Eines wurde nach Behördenangaben auf der Elbe gesprengt, weil es drohte, die Brücken zu beschädigen.

Der slowakischen Hauptstadt Pressburg stand das Hochwasser noch bevor. Auf die Stadt rollte unaufhaltsam eine Flutwelle der Donau zu. In Bratislava wurde der Notstand erklärt und das Ufergebiet mit Schutzdämmen aus Sandsäcken abgedichtet. Der höchste Wasserstand wurde am Freitag erwartet. Auch Ungarn und Serbien bereiteten sich auf die Flut vor.

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